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Freitag, 23. August 2024

Wunder gibt es wirklich !

Es gibt Sehnsuchtsorte, an denen man sich fühlt, als würde man dorthin gehören.
Führt das Schicksal uns zu solchen Orten ?
Eine wahre Begebenheit:
 
 
In Gedanken versunken schaute Linda in den Regen, der die Stadt seit Stunden in eine trübe, kalte Atmosphäre tauchte. Der Herbst schien früher Einzug zu halten, als in den Jahren zuvor. In der Mittagszeit war es ruhig im Geschäft. Bei dem Wetter waren kaum Menschen unterwegs. Und wieder flogen ihre Gedanken zu der Insel. Seit einiger Zeit dachte sie darüber nach, wie sie dorthin zurückkommen konnte.
Es muss einen Weg geben, dachte sie gerade in dem Moment, als ihr Chef, zur Türe hereinkam: „Na, wie war der Urlaub in der Schweiz? Neuen Verehrer gefunden?“ Linda warf  Erika, ihrer Kollegin, der sie von ihrem  romantischen Geheimnis erzählte hatte, einen raschen Blick zu. Sie verstand sofort und schüttlte den Kopf.
„Einen?“ neckte Linda ihn darauf hin. „Mehr traust du mir nicht zu?“
„Ja, ja,“ winkte er ab, „mach’ nur weiter so,.......alten Mann auf’n Arm nehmen. Ich hab’ ein neues Bild gemalt, willst du es sehen?“
„Gerne.“
Er verschwand im Büro und kehrte mit dem Gemälde zurück, das er stolz vor die Brust hielt. „Na?“
„Hm.“
„Ist das alles?“ Seine Miene verdunkelte sich.
Linda tat ihm den Gefallen und betrachtete sein Werk eingehender, konnte jedoch beim besten Willen keinen Gefallen an den bunten Klecksen finden. „Schöner Rahmen.“
Für diese Bemerkung erntete sie einen bösen Blick. Beleidigt zog er sich ins Büro zurück. Erika kicherte.
 
Nach Ladenschluss kehrte sie mit Erika in das nahegelegene Bistro ein. Bei einem Glas Sekt erzählte sie ihr von ihrem Urlaub mit Don in der Schweiz. „Jetzt muss ich wieder irgendwie auf die Insel kommen.“
Erika hob die Augenbrauen. „Du bist verrückt. Wie willst du das denn anstellten?“
„Keine Ahnung, aber ich muss einen Weg finden. Ich habe es Don versprochen.“
„Deinen Mut möchte ich haben. Glaubst du im Ernst, dein Mann lässt dich schon wieder alleine verreisen? Noch dazu in die Karibik?“
Linda schüttelte den Kopf. „Natürlich wird er nicht einverstanden sein. Außerdem wird er sich ja zu recht fragen, was in aller Welt mich dazu treibt, schon wieder alleine in Urlaub fahren zu wollen.“
Erika trank ihr Glas leer und sah Linda besorgt an. „Du setzt deine Ehe aufs Spiel.“
„Das hat Mona auch schon gesagt. Aber da ist nichts mehr, was ich aufs Spiel setzen könnte. Meine Ehe ist kaputt, auch wenn es Don nicht gäbe. Und ich werde einen Weg finden, auf diese Insel zu kommen. Thomas wird mich nicht daran hindern können.“
Erika schwieg, während Linda sich in dem kleinen Raum umsah. „Sieh’ dir doch nur mal die Gesichter der Leute da drüben an. Sehen die etwa glücklich und zufrieden aus? Glaubst du nicht auch, dass jeder einzelne von ihnen Träume hat? Und? Was tun sie, um sich ihre Träume zu erfüllen? Ich sag’s dir. Nichts. Und weißt du auch warum? Weil sie das Risiko scheuen. Weil sie Angst vor den Folgen haben. Also träumen sie weiter und werden unzufrieden. Verstehst du das?“
„Doch, doch......ich verstehe dich gut und kann dir nur wünschen, dass dein Traum in Erfüllung geht.“
„Danke, aber ich glaube, mir kann nur ein Wunder helfen, “ gab Linda mutlos zurück.
Wie hätte sie in diesem Moment auch ahnen können, dass dieses Wunder nur wenige Tage später geschehen sollte.   
 
Thomas war auch in den nächsten Tagen unausstehlich. Abweisend  kühl, verzog er sich gleich nach dem Abendessen in sein Zimmer, wo er sich bis spät in der Nacht, seiner Briefmarkensammlung widmete. Er erkundigte sich mit keinem Wort nach Lindas Urlaub und ging ihr aus dem Weg, wo er konnte. Doch es störte Linda nicht. In der Stille ihres Zimmers nutzte sie die Stunden, um endlos lange Briefe an Don zu schreiben.
Und jeden Abend freute sie sich auf die Nachmittage, die sie wieder im Geschäft verbringen konnte.
Erika und sie waren an diesem Nachmittag alleine. „Du, ich laufe mal schnell rüber ins Reisebüro und besorge mir ein paar Kataloge. Ich muss unbedingt ein preiswertes Hotel und einen günstigen Flug finden.“
„Ja, ja, lauf’ nur, es ist ja nicht viel zu tun, bei dem Wetter.“ lächelte Erika verständnisvoll.
„Danke du bist ein Schatz.“ Eilig warf Linda sich den Mantel über, spannte den Schirm auf und lief hinaus in den Regen. Die Straße war wie leer gefegt. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Schon nach wenigen Minuten hatte sie das kleine Reisebüro erreicht. Eine rundliche Frau mit kräftigen Oberarmen, hob neugierig den Kopf, als Linda den kleinen Raum betrat. Sie saß an einem alten, dunkelbraunen Holzschreibtisch, der mitten im Raum platziert war. Das wulstige Doppelkinn über den Rollkragen ihres viel zu weiten Pullovers gewölbt, sah sie Linda aus trüben, geschwollenen Augen an.
„Scheußliches Wetter heute.....nicht wahr?“ Ihre Stimme klang rauchig. „Den Schirm können Sie dort abstellen.“ Sie deutete auf einen knallroten Plastikeimer neben der Tür.
 
 
 

Erst jetzt bemerkte Linda das heillose Durcheinander. Seitlich neben den Regalen stapelten sich Unmengen von Katalogen. Zahllose Kisten und Kartons standen in den Ecken herum. Auf dem grauen Teppichboden, der einige hässliche Flecken aufwies, lagen achtlos ein paar abgegriffene Ordner. Und auf dem Schreibtisch türmten sich Berge von Mappen, Briefen, Broschüren, Zeitungen und Büchern. Der Aschenbecher, in dem eine brennende Zigarette lag, quoll über und neben der leeren Kaffeetasse, war gerade noch genug Platz, um das halbvolle Cognacglas abzustellen, das sie in der Hand hielt. Lindas Blick blieb auf einem Riesenposter an der Wand heften, das einen traumhaft schönen Palmenstrand zeigte.
„Das ist Barbados.“ klärte sie Linda schwärmerisch auf,  "eine Trauminsel.“ Schwerfällig erhob sie sich aus ihrem Stuhl und reichte Linda ihre fleischige Hand. „Was kann ich für sie tun?“ fragte sie und stellte sich als Katrin vor.
„Dachte ich mir.“ sagte Linda mit einem sehnsüchtigen Blick auf das Foto, „sieht aus wie die Westküste.“
„Sie kennen meine Lieblingsinsel?“ fragte Katrin, während sie sich zwischen die Lehnen ihres Stuhls zurückquetschte.
„Ja, ich war erst vor etwa einem halben Jahr dort. Es hat uns so gut gefallen, dass wir bald wieder hin wollen.“
Mit einer einladenden Geste wies sie Linda an, auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch Platz zu nehmen. „Sie und ihr Mann?“
„Um ehrlich zu sein,“ druckste Linda herum, „habe ich eigentlich vor, ohne meinen Mann rüberzufliegen. Er ist an Termine gebunden.“ sagte sie und fragte sich gleichzeitig, warum sie diese Frau anlog. Würde ihr Leben von nun an nur noch aus lauter Lügen bestehen?
„Hm.“ Katrin starrte auf den Kugelschreiber, den sie unablässig zwischen ihren dicken Fingern kreisen ließ. Schließlich hob sie den Kopf. „Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?“
Verblüfft sah Linda sie an, verstand nicht, worauf sie hinaus wollte. Was ging es sie an, was sie beruflich machte?
„Bitte halten Sie mich nicht für indiskret,“ entschuldigte sie sich, legte den Kugelschreiber aus der Hand und bot Linda eine Zigarette an. „Ich frage aus einem ganz bestimmten Grund.“
„Falls Sie befürchten, ich könne die Reise nicht.......“
„Nein, nein,“ winkte Katrin ab und gab Linda Feuer, „ich frage aus einem ganz anderen Grund, aber wenn es.......“ Sie hielt inne und musterte Linda eingehend. „Trinken Sie einen Kaffee mit?“
Linda sah auf die Uhr. „Ja, aber ich habe nicht allzu viel Zeit.“
Katrin schob den Stuhl zurück. „Und wann wollen Sie nach Barbados?“ Sie nahm eine Kaffeekanne und eine zweite Tasse aus dem Regal.
„So schnell wie möglich.“ erwiderte Linda.
Katrin füllte das Kaffeepulver in den Filter und schaltete die Maschine ein.
Was für eine merkwürdige Frau, dachte Linda. Sie machte auf Linda eher den Eindruck einer Marktfrau, die auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse verkaufte.
„Wo hab’ ich sie denn nur?“ murmelte Katrin vor sich hin, während sie die oberste Schublade ihres Schreibtisches durchwühlte. „Ah, da sind sie ja.“ Sichtlich erleichtert überreichte sie Linda ein paar Polaroidfotos. „Das hier gehört mir.“
Linda nahm ihr die Fotos aus der Hand. „Ist das Barbados?“ fragte sie erstaunt, denn auf den Fotos war nichts anderes zu sehen, als ein heruntergekommenes, einstöckiges Haus, das von einem wild bewachsenen Garten umwuchert war.
Katrin nickte stolz. „Ja, es ist ein kleines Hotel. Ich habe es vor ein paar Jahren günstig erstanden. Es muss natürlich renoviert werden.“ stellte sie sachlich fest, während sie nach dem Kaffee schaute, der inzwischen geräuschvoll in die Maschine gelaufen war, „aber in ein paar Monaten wird es fertig sein. „Milch und Zucker?“
„Nein danke, schwarz.“ Linda fragte sich, wie sie es anstellen wollte, dieses baufällige Gebäude zu renovieren und den Garten wieder herzurichten. „Na, da haben Sie sich ja allerhand vorgenommen.“ Linda gab ihr die Fotos zurück.
Katrin schaufelte vier Löffel Zucker in ihren Kaffee und rührte ihn andächtig um. „ Kennen Sie die Calypso-Band?“
„Ja, eine großartige Band. Hat mir gut gefallen. Wir waren zweimal im Pepperpot. Da kommt ganz schön Stimmung auf, wenn die Jungs spielen.“
 

Katrin legte den Löffel zurück auf den Tellerrand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe ein Konzert mit der Calypso-Band hier im Hilton geplant. Anfang November. Danach geben sie noch ein Gastspiel in Nürnberg, das von einem großem Reiseveranstalter gesponsert wird.“ Sie schlürfte an ihrem Kaffee. „Ich suche jemanden, der mir bei den Vorbereitungen hilft und die Jungs anschließend nach Nürnberg und wieder zurück nach Barbados begleitet. Sie wären genau richtig.“
Linda starrte sie mit offenem Mund an und glaubte zu träumen.
„Wenn Sie Interesse haben,“ fuhr sie fort, „dann können Sie eine Zeitlang in meinem Hotel wohnen und nach dem Rechten sehen.“ Sie machte eine Pause, in der sie Linda nicht aus den Augen ließ. „Was halten Sie davon? Die Kosten, Flug, Übernachtung und was sonst noch so anfällt übernehme ich selbstverständlich. Nur ein Gehalt kann ich ihnen nicht zahlen.“

Linda war unheimlich zumute. Wie kam es, dass sie von allen Berliner Reisebüros, ausgerechnet in diesem Laden landen musste? Über einen Monat hatte sie jeden Tag verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht, schnellstens und ohne Probleme wieder nach Barbados zu kommen. Und nun saß sie hier vor dieser Frau, die ihr nicht nur einen Freiflug nebst unbegrenztem Aufenthalt in ihrem Hotel anbot und ihr  gleichzeitig auch noch eine plausible Erklärung für Thomas mitlieferte. Linda konnte nicht fassen, dass dies wirklich geschah. War am Ende doch alles vorbestimmt, musste alles einfach so geschehen?
„Sie können es sich natürlich noch in Ruhe überlegen.“ hörte sie Katrin sagen.
„Nein, nein, dass heißt, ich muss natürlich erst mit meinem Mann sprechen.“
„Tun Sie das und rufen Sie mich wieder an.“ Sie stand auf, zog ihren schwarzen Pullover über ihre fülligen Hüften glatt und reichte Linda dann ihre Visitenkarte. „Denken Sie bitte nur daran, dass ich den Flug rechtzeitig buchen muss.“
„Wird gemacht.“ versicherte Linda ihr noch schnell und eilte dann zur Tür in den Regen hinaus.
 
„Wie siehst du denn aus?“ wurde sie von Erika empfangen, „du bist ja völlig durchnässt und blass, als wärst du einem Gespenst begegnet.“
Erst jetzt bemerkte Linda, dass sie den Schirm vergessen hatte und ihr Haar triefnass auf den Schultern hing. „Sag’ mal, glaubst du an Vorbestimmung oder an Wunder?“
„Was meinst du? fragte Erika, "meine Güte, was ist denn jetzt wieder passiert?“
Nachdem Linda sich auf dem Hocker niedergelassen und ihr die ungewöhnliche Geschichte aus dem Reisebüro erzählte hatte, sah Erika sie mit großen Augen an. „Das ist wirklich ein merkwürdiger Zufall,“ gab sie zu, „bist du sicher, sie hat das alles ernst gemeint?“
„Davon bin ich fest überzeugt. Ich kann das einfach nicht fassen. Wie ist so etwas möglich?“
„Na ja, solche Zufälle gibt es im Leben. Nenn‘ es einen Wink des Schicksals, oder wie auch immer, aber merkwürdig ist es tatsächlich. Als ob es so sein sollte. Eigentlich unbegreiflich.“ Sie schüttelte den Kopf. „Was wird dein Mann dazu sagen, wird er nichts dagegen haben?“
„Was sollte Thomas denn dagegen haben, wenn ich bei Katrin anfange? Ihm ist doch sowieso egal, was ich mache.“
„Na ja, du würdest ihn immerhin wieder alleine lassen müssen.“
„Ja und? Er lässt mich doch ständig alleine. Ist dauernd unterwegs.“
„Aber nicht zu seinem Vergnügen.“
Linda lachte. „Um Thomas brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Der sorgt schon dafür, dass das Vergnügen auf seinen Geschäftsreisen nicht zu kurz kommt.“
„Meinst du wirklich?“
Linda lachte nur. „Ich habe ein ganz anderes Problem, nämlich nicht mehr viel Zeit. Wenn ich am ersten November bei dieser Katrin anfangen soll, und am zwanzigstens November bereits nach Barbados soll, muss ich jetzt einige Vorbereitungen treffen. Vor allem muss ich dem Chef klarmachen, dass ich schon wieder aufhöre.“
„Der Chef wird nicht gerade begeistert sein,“ meinte Erika, „aber so langsam glaube ich tatsächlich, dass alles so kommen muss. Nenn’ es wie du willst, Schicksal, Vorbestimmung,  Zufall oder ein Wunder. Wie’s scheint, soll es einfach so sein.“
 

Ja, Wunder gibt es also wirklich. Vielleicht muss man einfach nur an
Wunder glauben ;o))
 
 ~*~
 
Es gibt nur zwei Weisen die Welt zu betrachten:
Entweder man glaubt, dass nichts auf der Welt ein Wunder sei,
oder aber, dass es nichts als Wunder gibt.
Albert Einstein
 
 ~*~
 
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🌺Bilder mit Gedanken und Freude😊von KI erstellt by Lauras Home and Garden🌺
 

Samstag, 6. Januar 2024

Silvesternacht auf der Insel

Ein gelebter Traum, der sich nach einem Jahrzehnt seinem Ende nähert, ohne
dass man selbst den Hauch einer Ahnung davon hätte. Das Leben geschieht.
Es lässt sich nicht aufhalten und schreibt wieder einmal seine ganze eigene
Geschichte.

Leben, wie in einem Traum

 ~*~
 
Da wir gerade im Paradies waren, heute mal wieder ein kurzer Auszug aus
meinen Memoiren:
 
 "Lyn hat angerufen. Sie wollte sich erkundigen, was wir Silvester machen."
Du hast doch bestimmt schon was geplant.“
Ärgerlich schob ich mir das Kissen in den Rücken. „Wie kannst du annehmen, dass ich etwas plane, ohne es vorher mit dir zu besprechen.“
„Das machst du doch ständig,“ erwiderte er eigensinnig.
„Wie bitte? Wie meinst du das?“
„Na, du kümmerst dich doch jetzt um alles.“
„Was soll das heißen? Ist es dir nicht recht, wenn ich dir im Büro helfe?“
Er schwieg.
„Wenn du ein damit Problem hast, dann lasse ich es eben. Du brauchst es mir nur zu sagen,“ erwiderte ich ruhig. „Trotzdem würde ich gerne wissen, was wir Silvester machen. Lyn meinte wir könnten zuerst mit Bill und Beverly im Arawak zu Abend essen und danach in den Pub fahren. Es war Bills Vorschlag.“
Er drehte sich auf den Rücken und schaute an die Decke. „Wird Mike auch da sein?“
„Was hat Mike denn damit zu tun. Ich weiß nicht, ob er kommt oder nicht. Lyn hat nichts gesagt.“
„Mike ist doch immer dabei. Und dass er scharf auf dich ist, wirst du ja wohl selbst am besten wissen.“ Ich beugte mich über ihn und sah ihm direkt in die Augen. „Sag‘ mal, was ist denn auf einmal mit dir los?“
Er schlang beide Arme um das Kissen auf seiner Brust. „Ich bin doch nicht blind. Ich sehe doch, wie er dich immer anstarrt.“
Ich lachte. „Du bist ja immer noch eifersüchtig. Ich dachte das Thema sei ein für alle Mal vergessen.“
„Ich bin nicht eifersüchtig.“
„Na dann ist ja alles besten. Warum streiten wir uns dann?“
„Wir streiten uns ja gar nicht.“
„Wunderbar. Dann kann ich Lyn also zusagen?“
„Meinetwegen.“ Er schloss die Augen und rollte sich auf die Seite.
               
Mit den ersten Weihnachtskarten traf auch eine Karte von Jeannette aus Florida ein. Sie habe sich gut eingelebt und fühle sich in dem neuen Haus sehr wohl, schrieb sie. Peter und die Kinder seien ebenfalls ganz begeistert von der neuen Umgebung. Sie genossen die unendlichen Möglichkeiten, die sich in den Staaten boten und hätten inzwischen bereits mehrere Ausflüge unternommen. Das Leben sei so anders dort und es gäbe so viel Neues zu sehen.
Für sie ist es das erste Fest in den Staaten, dachte ich, und für mich bereits das fünfte auf der Insel. Wie schnell die Zeit verging. Es wurde ein ruhiges Fest. Wir hatten die Feiertage ohne die Clique am Strand verbracht und abends ein paar Stunden auf der Terrasse gesessen. Wie jedes Jahr lag an den Weihnachtstagen eine friedliche Stille über der Insel.
 
Silvester war Don den ganzen Tag nicht ansprechbar. Er hatte sich zurückgezogen, lag seit dem frühen Morgen mit Kopfhörern in der Hängematte und ließ sich von den Commodors berieseln. Jeder Ansatz, jede Bemühung mit ihm zu reden, endete in stummer Verbitterung. Ich fand keinen Weg zu ihm. Er hatte die Augen geschlossen und wollte in Ruhe gelassen werden. Schließlich gab ich es auf und widmete mich dem Garten. Es war ein herrlicher, wolkenloser Tag. Die Sonne brannte, und vom Meer trieb eine sanfte Brise durch die Wipfel der Palmen.
Dons Stimmung änderte sich auch nicht, als wir gegen Abend im Arawak eintrafen. An den Klippen, wo sich das helle Mondlicht bis zum Horizont im Meer spiegelte und einen silbrigen Glanz auf die Palmwedel am Strand warf, ergriff ich seine Hand. „Erinnerst du dich noch an unsere erste gemeinsame Silvesternacht?“
Für einen flüchtigen Moment erhellten sich seine Gesichtszüge. Bilder aus einer glücklichen Zeit schienen vor seinen Augen abzulaufen, einer Zeit, in der nichts und niemand unsere Liebe erschüttern konnte. Doch dann, mit einem Mal, als würde er schlagartig von der Gegenwart eingeholt, verhärtete sich seine Miene wieder. Er entzog mir sein Hand, vergrub sie in der Hosentasche und ging mit gesenktem Kopf weiter. „Das ist lange her.“ sagt er knapp.
Ich war wütend, verzweifelt und enttäuscht. Was war denn nur geschehen? Was war los mit ihm? Warum war er so hartnäckig, so unnachgiebig, so verschlossen? Warum wollte er mir nicht sagen, was ihn bedrückte? Warum zog er sich immer mehr zurück? Warum musste er uns den Silvesterabend verderben? 
Im VIP-Raum, durch einen separaten Eingang vom Restaurant getrennt, war es angenehm kühl. Die Clique war bereits vollzählig um den großen, runden Tisch versammelt und plauderte, wie immer, munter durcheinander.  
„Ah, da seid ihr ja endlich,“ jubelte Bill, sichtlich erfreut uns zu sehen. „Wir haben schon auf euch gewartet.“
Die Köpfe der anderen flogen herum.
„Mal wieder typisch,“ beschwerte sich Yogi mit gespielter Entrüstung, „nie könnt ihr pünktlich sein.“ Sein dünnes, von der Sonne ausgebleichtes Haar fiel ihm wirr in die Stirn.  Er war braungebrannt.
„Na ihr wißt doch,.....“ wandte ich mich mit einem versöhnlichen Seitenblick an Don, „.....die Flitterwochen.“
Don sagte kein Wort.  
„Flitterwochen?“ grinste Jim. „Du meinst Flitterjahre. Wann hören die bloß endlich auf?“
Alle, bis auf Don und Mike, lachten.
Yogi rückte mir einen Stuhl zurecht, während ich bei Joe, einen Gin Tonic bestellte und Don, immer noch in tiefes Schweigen gehüllt, nahm auf dem freien Stuhl zwischen Jim und Lyn Platz. Sie sah hinreißend aus, in ihrem hellblauen, langen Kleid.
„Schön, dass ihr endlich da seid,“ meinte Beverly vergnügt lächelnd, während Mike, der reglos neben ihr saß, das Glas in seiner Hand anstarrte. Eine beklemmende Stille war plötzlich eingekehrt.
„Hey  Leute, was ist denn auf einmal los?“ fragte Jim, indem er betreten in die Runde blickte. „Wird das etwa wieder so’n beschissener Abend im Paradies?“
„Nicht heute,“ erwiderte Beverly. Beschwingt hob sie ihr Glas und forderte die anderen auf, mit ihr anstoßen. „Heute wird gefeiert.“
„Joe, bring uns noch ‚ne Runde am letzten beschissenen Tag im alten Jahr,“ übertönte Bill das Klirren der Gläser und an Jim gewandt fügte er hinzu. „He Jim, erzähl‘ doch mal die Story mit dem Flugzeug.“
„Oh bitte, nicht schon wieder,“ winkte Lyn gelangweilt ab, „die haben wir doch schon hundertmal gehört.“
„Nun laß‘ ihn doch,“ feixte Bill. Ihn schien allein der Gedanke an diese Geschichte zu amüsieren.  
„Du meinst die von dem Typ und der Bananenplantage?“ 
Lyn gähnte. „Welche denn sonst?“
Jim zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, fuhr sich damit über die Stirn, und steckte es wieder weg. „Also gut, da war dieser verrückte Typ in St. Lucia, ...“ er hielt inne und vergewisserte sich mit einem kurzen Blick in die Runde, dass ihm auch alle zuhörten, dann fuhr er fort. „Ein Freizeitpilot, genau wie ich. Wirklich ein total Verrückter und immer besoffen.“ Kopfschüttelnd verdrehte er die Augen. „Eines Tages bekommt er den Auftrag,....“ Er hielt mitten im Satz inne, denn in diesem Moment traten die Ober an den Tisch, um den ersten Gang zu servieren. „Ja Leute, jetzt müsst ihr euch leider gedulden, bis ich mit dem Essen fertig bin,“ grinste er schelmisch.
„Kennt ihr eigentlich die Geschichte von dem Verbrecher, der aus dem Gefängnis geflohen ist?“ Augenblicklich waren alle Blicke auf Don gerichtet. Selbst ich setzte mein Glas ab und starrte ihn an, konnte nicht fassen, dass er plötzlich das Wort ergriff. „Na ja, ist schon ein paar Jahre her. Damals war die Polizei hinter dem Verbrecher her,“ fuhr er unbeirrt fort, „der sich in einem alten Haus versteckt hielt. Irgendwo mitten auf der Insel. Die haben dann das Haus umstellt. Und plötzlich fallen Schüsse. Die Polizisten gehen sofort hinter der Gartenmauer in Deckung. Doch der Mann feuerte so lange auf sie ein, bis sie die Flucht ergriffen. Die haben alles fallen lassen, selbst ihre Pistolen und sind abgehauen. Und der Mann immer hinter ihnen her. Einen hat er sogar am Bein erwischt.“
Bill schossen vor Lachen die Tränen in die Augen. „Nicht zu fassen. Das muss man sich mal vorstellen,“ wieherte er, wobei sich sein Bauch hob und senkte. „Schlägt ein Verbrecher die Polizei in die Flucht.“ Er nahm seine Brille ab, und trocknete sich mit dem Handrücken die Augen. „Unglaublich.“
Auf einmal redeten alle lebhaft durcheinander. Selbst Mike stimmte in Bills gellendes Gelächter ein. Nur mir war nicht nach Lachen zumute. Warum verhielt Don sich so rätselhaft? Warum tat er so, als sei ich gar nicht anwesend? Er hatte mich nicht einmal angesehen, während er die Geschichte erzählte. Sein Blick ging an mir vorbei, oder über mich hinweg. Was hatte ich ihm nur getan? Warum war er gerade heute so abweisend? War nicht gerade die Silvesternacht der Zeitpunkt für eine Versöhnung? Um Mitternacht, wenn sich alle umarmten, küssten, und sich ein glückliches neues Jahr wünschten?
Bevor der Nachtisch serviert wurde, schob Don seinen Stuhl zurück und verließ mit einer flüchtigen Entschuldigung den Raum.
Lyn beugte sich hinter Yogis Rücken zu mir rüber. „Was ist los mit Don? So kenne ich ihn ja gar nicht.“
„Ich weiß es nicht. Er verhält sich schon seit einiger Zeit so merkwürdig.“
„Habt ihr Probleme mit der Firma?“
Ich trank einen Schluck Wein. „Nein, im Gegenteil. Seit wir in Deutschland waren und die Vertretung dieser Nylonware übernommen haben, läuft die Firma ausgesprochen gut.“
„He, wir sollten langsam aufbrechen,“ rief Bill dazwischen. „Im Pub wird schon die Hölle los sein.“
Erst jetzt fiel mir auf, dass bereits eine halbe Stunde vergangen war, seit Don den Raum verlassen hatte.
„Wo ist Don überhaupt?“ stellte nun auch Jim mit einem Blick auf die Uhr fest.
Yogi stand auf und ging zur Tür. „Ich sehe mal nach.“ Als er zehn Minuten später zurückkam, blieb im Türrahmen stehen. „Er ist weg.“
 
Ich starrte ihn an. „Er ist weg? Das kann doch nicht sein.“
„Vielleicht ist er an der Bar,“ meinte Beverly.
Yogi zuckte die Schultern. „Da war ich auch schon. Joe sagt, er sei gegangen.“
„Ich verstehe das nicht,“ sagte ich leise.
Lyn legte den Arm um mich. “Wir werden ihn schon finden.“
„Wieso verschwindet er einfach? Gerade heute?“
„Habt ihr euch gestritten?“
Ich schüttelte den Kopf. „Er spricht ja kaum ein Wort mit mir.“
Bill gab dem Ober ein Zeichen, den Tisch abzuräumen. „Er wartet bestimmt auf dem Parkplatz.“
„Da war ich auch schon,“ sagte Yogi. „Das Auto ist weg.“
„Schöne Bescherung,“ murmelte Jim betroffen, „was machen wir denn jetzt?“ Die anderen schüttelten ratlos den Kopf.
Von einer dumpfen innerer Unruhe erfasst, sprang ich auf und ging um den Tisch herum. „Ich fahre nach Hause. Vielleicht ist er dort,“ sagte ich und machte Mike Platz, der an mir vorbei wollte. An der Tür drehte ich mich noch einmal um. „Tut mir leid, wenn wir euch den Abend verdorben haben,....und ein frohes, neues Jahr.“
„Frohes, neues Jahr. Und viel Glück,“ winkten sie mir nach.
Eilig lief ich in der Dunkelheit über den schmalen Weg am Pool vorbei, bis plötzlich eine Gestalt aus dem Schatten der Palme in das matte Licht des Mondes trat, und mir den Weg versperrte. Unwillkürlich wich ich einen Schritt zurück. „Meine Güte, hast du mich erschreckt.“
Gegen den Palmenstamm gelehnt zündete Mike sich eine Zigarette an. „Soll ich dich fahren?“ Ein schwacher, silbriger Lichtschein fiel durch die Palmwedel in sein Gesicht. „Ich fahre dich, wohin du willst.“
Das hat mir gerade noch gefehlt, dachte ich, Don würde völlig durchdrehen, wenn er Mike und mich irgendwo zusammen sah. „Nein danke, ich nehme ein Taxi,“ erwiderte ich kurz angebunden und hielt inne, als er sich mir abermals in den Weg stellte. Seine Augen hatten einen bitteren Ausdruck angenommen. Scheinbar gelassen warf er die Zigarette direkt vor meine Füße. „Wie du willst,“ sagte er kalt, während er sie  energisch austrat. Dann ging er mit großen, schnellen Schritten davon.  
Einen Augenblick lang sah ich ihm verwundert nach, dann eilte ich zur Rezeption. Meine Ungeduld wuchs, während ich auf das Taxi wartete, in meinem Kopf schwirrten immer dieselben Fragen. Warum war Don so plötzlich, ohne ein Wort zu sagen, verschwunden? War er wirklich nach Hause gefahren? Und wenn nicht, wo sollte ich ihn suchen?  Als sich das Taxi endlich näherte, bemerkte ich, dass meine Hände zitterten. Der Fahrer, ein hagerer Schwarzer öffnete mir freundlich lächelnd die Tür. „Zur Chancery Lane,“ bat ich ihn.
„Ja, M’am, Chancery Lane. Ich kenne Chancery Lane, M’am.“
„Gut, ich habe es nämlich eilig.“
Den Fahrer jedoch schien das nicht zu beeindrucken. Behutsam lenkte er den Wagen in der Dunkelheit über die schmale, holprige Straße. Er bog zweimal ab, bevor er weit ausscherte und in einem großen Bogen in die Einfahrt fuhr, die zu unserem Haus führte. Schon von weitem sah ich, dass Dons Wagen nicht vor der Garage stand. Meine innere Unruhe wuchs von Minute zu Minute. Rasch drückte ich dem Fahrer das Geld in die Hand, und kramte in der Handtasche nach meinen Autoschlüsseln. Ich war traurig und wütend zugleich. Wo sollte ich hinfahren? Wo war er? Ich konnte unmöglich die ganze Insel nach ihm absuchen. Ob er vielleicht schon im Pub war? Mit einem Blick auf die Uhr, stellte ich fest, dass es bereits zehn vor zwölf war. Wenn ich mich beeilte, schaffte ich es vielleicht bis Mitternacht dort zu sein. Entschlossen setzte ich den Wagen über die Einfahrt bis auf die Straße zurück, dann gab ich Gas. In der Finsternis um mich herum schien das Leben erloschen. Nichts regte,  nichts bewegte sich. Die wenigen Häuser, an denen ich vorbeifuhr, standen verlassen. Die Bewohner waren in dieser Nacht unterwegs, feierten das neue Jahr auf einer der vielen Partys. Nur auf dem Hügel, oberhalb der Straße entdeckte ich ein paar Lichter. Ich wollte in dieser Nacht nicht alleine sein, musste mich beeilen, mehr Gas geben, wenn ich rechtzeitig im Pub sein wollte, um das neue Jahr mit Don zu beginnen. Der Wagen wurde immer schneller, raste auf der schmalen Straße vorbei an dunklen Chattelhäusern und Feldern, bis hinter einer scharfen Kurve plötzlich ein paar rote Lichter in der Dunkelheit auftauchten. Zu spät nahm ich wahr, dass es die Rücklichter einiger Autos waren, die mitten auf der Straße standen. Blitzschnell wechselte ich den Fuß vom Gaspedal auf die Bremse, trat sie voll durch und riss gleichzeitig das Lenkrad herum. Mit quietschenden Reifen schoss der Wagen zuerst auf die linke, dann auf die rechte Straßenseite, von dort rutschte er unaufhaltsam auf die Autos zu. Ich stemmte mich mit aller Kraft gegen das Lenkrad, schloss die Augen und wartete mit angehaltenem Atem darauf, dass es krachte. Doch nichts geschah. Wie benommen starrte ich durch die Frontscheibe auf die jungen Einheimischen, die unter lautem Hupen und dröhnenden Reggaeklängen aus ihren Autos kletterten und sich mitten auf der Straße in die Arme fielen. „Frohes neues Jahr. Frohes neues Jahr,“ jubelten sie, hüpften und tanzten dabei in fröhlicher Ausgelassenheit vor meinen Augen auf der Straße herum. Zur gleichen Zeit setzte in der kleinen Kapelle am Straßenrand das rhythmische Händeklatschen der Gospelsänger ein. Auld Lang Syne. Ihr Gesang drang durch die weit geöffnete Tür bis auf die Straße, vermischte sich mit dem Reggae aus den Autoradios und den anhaltenden Jubelrufen der jungen Leute. „Frohes neues Jahr.“

Ich sackte in mich zusammen. Mitternacht. Das neue Jahr hatte soeben begonnen und ich war allein. Allein auf einer dunklen Straße, eingekreist von einer Schar singender und tanzender Einheimischen, die mir mit Bierflaschen in der Hand, übermütig zuwinkten. Zum ersten Mal in meinem Leben war niemand da, der mich in der Silvesternacht in die Arme nahm und mir ein frohes neues Jahr wünschte.
 


 Träumen heißt:
Existieren.
Träume verwirklichen heißt:
LEBEN !
 
Traurig ist allerdings, wenn man seine Träume nicht realisiert,
so lange man Gelegenheit dazu hat.
 
 ~*~
 
 
~*~
 
Menschen mit großen Träumen sollten bereit sein, große Risiken einzugehen.
Heraklit von Ephesos war ein vorsokratischer Philosoph.
Er lebte in der Zeit um 520 v. Chr.bis um 460 v. Chr.
 
~*~

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Der Text unterliegt dem Copyright  © Lauras Home and Garden
🌴 Bilder erstellt mit Freude 😊 und KI by Lauras Home and Garden🌴 

Mittwoch, 2. August 2023

Es war stockdunkel

 als die Maschine, eine TriStar der Caribbean Airways auf der Insel landete. Mir war,
als hätte ich eine Sauna betreten, als wir die Gangway hinunterstiegen. Der Himmel
war wolkenverhangen, es hatte gerade geregnet. Müde und etwas erschöpft vom langen
Flug über den Atlantik erreichten wir schließlich das Hotel. Und dann passierte etwas,
was ich vorher auf meinen Reisen so noch nie erlebt hatte.

 
Im dezenten Licht der bernsteingelben Stehlampen sah ich mich in der geräumigen
Empfangshalle um. Bequeme Rattansessel luden in der gediegenen Atmosphäre zum
Verweilen ein. Große Pflanzenkübel mit Areca Palmen standen zu beiden Seiten der
weit geöffneten Flügeltüre, die hinaus ins Freie führte. Die Regenwolken hatten sich
verzogen und gaben den Blick frei auf einen pechschwarzen Himmel mit Millionen
Sternen und einem Mond, dessen Licht sich im Meer spiegelte. Hier war die Luft
mild, es wehte ein kaum spürbarer, lauer Wind. Ringsherum herrschte eine wohltuende
Stille, nur das sanfte Rauschen des Meeres und das Zirpen der Zikaden war zu hören,
Über dem Eingang, an dem dunkelrote Bougainvillea rankte, las ich den Namen
des Hotels: Welcome Inn. Für einen Moment schloss ich die Augen und plötzlich
erschien mir alles so vertraut. Ein seltsames Gefühl beschlich mich, hierher zu
gehören, angekommen zu sein. Es war, als ob meine innere Stimme mir sagen wollte,
jetzt bist du da, hier bist du zu Hause. Im selben Augenblick wusste ich, dass diese
Insel etwas Schicksalhaftes in meinem Leben auslösen würde. Und nur ein paar
Minuten später, nahm das Schicksal bereits seinen Lauf.

 
 Nichts ahnend, verharrte ich noch einen Moment in der Stille, dann wandte ich mich um
und ging zurück in die Halle - dort stand er, groß und schlank, sein dunkles Haar ein wenig
zerzaust. Lässig an die Rezeption gelehnt lächelte er mich mit seinen großen, dunklen
Augen unverhohlen an. Diese Augen strahlten eine Energie aus, eine Lebensfreude, die
wie ein Blitz aus heiterem Himmel in meine Seele einschlug und mein Herz entflammte.
Von einer Sekunde auf die andere befand ich mich in einer Traumwelt, der ich nicht mehr
entfliehen konnte. Die magische Anziehungskraft dieser Augen nahm mich gefangen.
Wie in einen tiefen See tauchte ich in diese Augen ein, um in einer anderen, mir
unbekannten Welt wieder aufzutauchen. Das Schicksal ließ sich nicht mehr aufhalten.
 
Ich sage nur so viel, man könnte nicht nur ein Buch darüber schreiben, sondern auch
gleich ein sehenswertes Film-Liebes-Drama drehen mit allem, was dazu gehört, denn
ein paar Jahre später sollte es auf der Insel noch eine weitere schicksalhafte Begegnung
geben, die meinem Leben abermals eine drastische Wendung gab.
Das Leben auf den karibischen Inseln kann man sich, wenn man es nicht selbst erlebt
hat, gar nicht vorstellen. Nicht einmal Bücher oder Filme können das darstellen.
Man muss es einfach erlebt haben.
 
 
Ein ganz normaler Urlaub im Tropenparadies sollte zu meinem Schicksal werden.
Und was für eins ! Zehn Jahre lang sollte ich in diesem Paradies leben, in dem das
Leben fast wie eine Droge wirkt, war man dieser Droge einmal verfallen, kommt
man so schnell nicht mehr davon los. Das Leben auf der Insel ist von einer
unbeschreiblichen Leichtigkeit, von einer Unbeschwertheit und Langsamkeit,
an die ich mich - aus einer Großstadt wie Berlin kommend, erst einmal gewöhnen
musste. Das Leben fern von Lärm, Hektik und Stress, in ewigem Sonnenschein,
umgeben von einem türkisfarbenen Meer, von weißen palmengesäumten
Sandstränden, einer vielfältigen, üppigen Vegetation, wie sie malerischer nicht
sein könnte sowie freundlichen und fröhlichen Einheimischen sind wie ein
unermessliches Geschenk, für dessen kostbaren Wert ich für den Rest meines
Lebens dankbar sein werde.

Erst auf der Insel habe ich begriffen, was es bedeutet,
zu leben und worauf es im Leben ankommt.
Alleine dafür bin ich schon unendlich dankbar,
von den wertvollen Erinnerungen, ganz zu schweigen.
Ich sag's mal so,
der liebe Gott hat es wirklich gut mit mir gemeint,
dessen bin ich mir immer wieder bewusst.
 
~*~

Durch den zunehmenden Tourismus hat die Insel mittlerweile viel von ihrem
damaligen ursprünglichen Charme, ihrer Natürlichkeit, ihrer Einmaligkeit und
Einfachheit verloren, wie so viele andere Länder und Inseln dieser Welt eben-
falls. Das ist so schade, denn heutzutage würde ich nicht mehr dort leben
wollen. Wie fast überall auf der Welt hat der Kommerz auch auf den Inseln
seine Spuren hinterlassen und der Umwelt unermesslichen Schaden zugefügt.
Dennoch ist und bleibt es eine karibische Trauminsel, die 1975 einen Wende-
punkt in meinem Leben einläuten sollte.

Die St. Johns Church an der Ostküste, wurde gebaut, nachdem die vorherige
Kirche 1831 von einem Hurrikan zerstört wurde. Dieses Foto wurde 1995
aufgenommen, als ich die Insel das letzte Mal besuchte.

~*~
 
Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden,
was wir erleben, macht unser Schicksal aus.
Marie Ebner-Eschenbach
 
~*~

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Freitag, 16. Juli 2021

Wo anfangen ?

 Es gäbe jeden Tag so viel zu schreiben, über so viele Themen, dass ich oft gar nicht
weiß, wo ich anfangen soll oder ob ich überhaupt anfangen soll. Wir werden täglich mit
Unmengen von Informationen überschüttet, sodass man nur noch ganz selten den
nötigen Abstand zum Geschehen im Land und in der Welt findet - eben um all die
schrecklichen Nachrichten auch mal zu verarbeiten.
 
 
 
 Da ist diese verheerende Flutkatastrophe, deren Ausmaß man kaum erfassen und
begreifen kann. Die Bilder von den Wassermassen, die sich über Rheinland-Pfalz und
NRW ergossen haben sowie das unsägliche Leid der Menschen, sind mit Worten
nicht zu beschreiben. Diese Bilder vom Schaden, den diese Flut angerichtet hat und
die Gedanken an all die Todesopfer und Menschen, die immer noch vermisst werden,
erschüttern bis ins Mark. Es sind Bilder, wie nach einem Bombeneinschlag und Schäden,
die wieder einmal vor Augen halten, welchen Naturgewalten wir Menschen doch immer
 wieder und zum großen Teil auch unverhofft ausgesetzt sind. Kleine Flüsse und Bäche
haben sich in reißende Flüsse verwandelt, die alles, was ihnen im Weg war, mitgerissen
haben. Die Aufräumarbeiten werden Wochen, wenn nicht Monate dauern und der
Wiederaufbau Jahre. 
Beeindruckend ist, wie gefasst die Menschen, von denen viele ihr gesamtes Hab und
Gut verloren haben und deren Häusern oft bis auf die Grundmauern zerstört wurden,
diese Katastrophe ertragen. Ebenfalls beeindrucken ist der unermüdliche Einsatz der
Hilfskräfte, der Feuerwehr, des technisches Hilfswerkes, des Rote Kreuz, der Bundespolizei
der Bundeswehr u. a. sowie der nachbarschaftlichen Hilfe.

Obwohl wir hier in unserer Region, bis auf lang anhaltendem Starkregen, nicht direkt
betroffen sind, fühle ich mit den Menschen, die nicht nur Angehörige verloren haben,
sondern nun vor dem Nichts stehen und nicht wissen, wie es weitergeht.
Belgien und die Niederlande sind ebenfalls hart getroffen.
 
Bedauerlich, aber nicht anders zu erwarten, ist, dass Politiker diese Flutkatastrophe
zum Anlass nehmen, Wahlkampf zu betreiben. Plötzlich ist das Thema "Klimawandel"
wieder aktuell - selbst bei unserem Aachener Karnevalsjeck, der dieses Thema  bisher
nur am Rande für wichtig erachtete. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen
scheint er nicht abgeneigt, sich plötzlich wieder als Klimaretter hervorzuheben und
verspricht umfangreiche Hilfe. Positiv wäre, wenn sie diese jetzt auch so schnell und
unbürokratisch, ohne großen Aufwand zur Verfügung gestellt würde.
 
Selbst unsere werte Frau Bundeskanzlerin meldete sich von ihrem USA-Besuch bei
Mr. Biden und sprach ihr Bedauern und ihre Anteilnahme aus.
Ein weiterer Grund für die USA-Reise war die Ehrendoktor-Verleihung der John Hopkins
University. Ich hätte gerne gewusst, wofür - aber das scheint ein Geheimnis zu sein.
Jedenfalls antwortete sie auf die Frage, was sie denn nach ihrer Amtszeit tun würde:

Merkel: „Dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal“

Genau das muss das Motto ihrer 16-jährigen Amtszeit gewesen sein, denn hat sie jemals
etwas anderes getan ?

Weiter war von ihr zu hören, dass sie wohl darüber nachdenken werde:

"..was mich so eigentlich interessiert".

Du meine Güte, die Frau ist 67 Jahre alt, war 16 Jahre Bundeskanzlerin der Bundesrepublik
Deutschland und sie weiß nicht, was sie eigentlich interessiert?
Unser Land kann es nicht gewesen sein und wir Bürger auch nicht, denn sonst würde sie
kaum einen solchen Scherbenhaufen am Ende ihrer Amtszeit hinterlassen.
Es scheint zu stimmen, dass  irgendwann die Wahrheit ans Licht kommt
 
- unser Land hat sie schlicht nicht interessiert -,
 
 genauso wenig wie sie nicht wusste, was sie hätte anders machen können.

Hoffentlich hilft sie jetzt wenigstens den Menschen,
die von der Flutkatastrophe betroffen sind.

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Foto: Pixabay

Samstag, 29. Dezember 2018

Die Entscheidung

zwischen dem schweren und dem leichten, bequemen Weg.
Wenn ich schon darüber gepostet habe, möchte ich heute auch mal ein
Beispiel preisgeben und aus dem Nähkästchen plaudern.
 
 
Der Versuchung zu erliegen, in diesem Fall den leichten und bequemen Weg zu
wählen, war relativ groß und ich bin fast sicher, dass die meisten Frauen,
hätten sie zwischen den beiden Möglichkeiten wählen können, dieser
Versuchung nicht hätten widerstehen können.
 
Aber ich will vorne anfangen. Ich war gerade von der Insel mit zwei Koffern und
zwei, drei Kisten in meine Heimatstadt zurückgekehrt und stand quasi vor dem
Nichts. Kein Geld, keine Wohnung, keinen Job. Mittellos und seelisch in einem
tiefen, schwarzen Loch, nahmen mich meine Eltern wieder bei sich auf. Ich war
knapp vierzig und völlig ohne Hoffnung, jemals in meiner alten Heimat wieder
Fuß fassen zu können. Von einer karibischen Trauminsel zurück in das dunkel-
graue, trübe Novemberwetter einer Stadt aus Beton und Asphalt, erschien mir
das unmöglich. Noch dazu voller seelischem Kummer und Leid über den Verlust
einer großen Liebe. Meiner großen Liebe, die ich auf der Insel zurücklassen
musste. Der Grund hierfür ist ein Kapitel für sich.
Das war also der Zustand in dem ich mich befand, als eine befreundete
Bekannte, die ebenfalls in dieser Stadt lebte und von meiner Rückkehr erfuhr,
eine "Willkommensparty" für mich arrangierte und dazu eine Menge Leute aus
ihrem Bekanntenkreis einlud. Auf dieser Party wurde mir ein Mann vorgestellt,
mit dem ich mich eine Weile angeregt unterhielt. Er war einige Jahre älter als
ich, verwitwet, gut aussehend, sehr charmant und zuvorkommend. Ich gebe
zu, dass er einen ziemlich guten Eindruck auf mich gemacht hat. Ein paar Tage
später rief mich diese Bekannte bei meinen Eltern an und erwähnte, dass
dieser Mann mich gerne zum Essen einladen würde. Lange Rede kurzer Sinn,
ich nahm die Einladung an und ließ mich von ihm in eines der besten
Restaurants der Stadt führen. Es war ein netter Abend, für den ich mich
herzlich bedankte, als er mich wieder vor der Haustüre meiner Eltern absetze.
Wir blieben auch danach weiterhin in Kontakt und telefonierten ab und zu,
bis er mich einlud, ihn in sein Haus nach Spanien zu begleiten. Wie ich von
meiner Bekannten erfuhr, besaß er dort an der Küste nicht nur ein Haus,
sondern auch eine große Jacht. Meine Bekannte war übrigens auch eingeladen,
für den Fall, dass ich nicht mit ihm alleine reisen wollte.
Mir war natürlich nicht entgangen, dass er eine gewisse Sympathie für mich
hegte und sich von unseren Telefonaten wohl etwas mehr versprach, als
ein gelegentliches Abendessen. Mir war auch ziemlich schnell klar, dass er mir
ein recht angenehmes, ja sogar luxuriöses Leben bieten konnte, wenn ich mich
für ihn und ein Leben an seiner Seite entscheiden würde. Dies ließ er immer
wieder mit kleinen Geschenken durchblicken.
Meine Gedanken aber waren ganz woanders. Sie waren immer noch bei meiner
großen Liebe und auf der Insel. Auch der Trennungsschmerz saß noch viel zu
tief, als dass ich mich auf einen neuen Partner zu der Zeit hätte einlassen
können. Er war wirklich sehr um mich bemüht und half mir, den Schmerz ein
wenig zu lindern, doch die Einladung nach Spanien in sein Haus lehnte ich ab.
 
Stattdessen fand ich schon bald einen Job und fast gleichzeitig eine kleine
Wohnung  Der Job verlangte es allerdings, dass ich mich drei Monate zur
Einarbeitung in das europäische Headquarter des Konzerns nach Amsterdam
begeben musste.
 
(Amsterdam - eine wirklich schöne und sehenswerte Stadt,
wenn man dort als Frau nicht alleine unterwegs ist.)
 
So wohnte ich also statt in einem Haus an Spaniens Küste mit einem sehr
charmanten Mann, der mir wahrscheinlich ein absolut sorgenfreies Leben
geboten hätte, alleine in einem Hotelzimmer in Amsterdam und fühlte mich
so einsam und verlassen, wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben.
Hinzu kam, dass ich jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe mit einer alten
Straßenbahn fast eine Stunde durch die Dunkelheit in diese Firma fahren
musste und das bei eisigen Temperaturen, denn es war erst Anfang Februar.
Abends die gleiche Tour zurück in das einsame Hotelzimmer. Statt unter
spanischer Sonne das Leben auf einer Jacht im Mittelmeer zu genießen,
lag ich nun alleine und einsam bis spät in die Nacht wach in einem Hotelbett
und sehnte mich auf meine kleine Insel und in die Arme meiner großen Liebe
zurück. Irgendwann schlief ich dann in dieser fremden Umgebung ein, bis
mich der Portier am nächsten Morgen wieder aus dem Schlaf klingelte.
Und das Ganze drei Monate lang. Drei lange Monate Einsamkeit und
Seelenschmerz pur.
 
Wieder in meiner Heimatstadt angekommen, konnte ich nun damit beginnen,
meine kleine Wohnung so nach und nach gemütlich einzurichten - bis,  ja bis
das Telefon klingelte und sich plötzlich völlig unerwartet die Stimme meiner
großen Liebe von Insel meldete. Er teilte mir mit, dass er quasi schon im
Flugzeug sitzen würde und auf dem Weg zu mir sei. Und er war nicht
irgendwer, denn er reiste immer mit einer ganzen Delegation.
 
Ist jetzt irgendjemand etwa daran interessiert zu erfahren, wie es weiterging
und wie ich mich in dieser neuen Situation entschieden habe ????
 
~*~
 
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Donnerstag, 12. Oktober 2017

Mutig sein III

 Teil III

„Kein Panik, M‘am, überlassen Sie das ruhig mir,“ erwiderte er mit einem spöttischen Grinsen in den Rückspiegel, das keineswegs zu meiner Beruhigung beitrug. Indessen lenkte er den ratternden, rumpelnden Wagen ungerührt durch ein kleines Dorf, einen steilen Abhang hinunter auf einen noch schmaleren, steinigen Pfad in ein Zuckerrohrfeld hinein. Hoch ragten die Halme zu beiden Seiten über den Wagen hinaus. In tollkühnen Manövern mühte er sich ab, den zahllosen tiefen Schlaglöchern auszuweichen. „Wo fahren Sie denn hin?“ fuhr ich ihn gereizt an, da ich auf dem Rücksitz erbarmungslos hin und her geschleudert wurde.

 

  
Seine schwarzen, blutunterlaufenen Augen blitzten mich im Rückspiegel bissig an. Er gab dabei ein paar knurrende Laute von sich und setzte dann die Fahrt unbeirrt fort. Ich rutschte immer tiefer in den Sitz, spürte, wie ich von panischer Angst erfasst, feuchte Hände bekam. Tausend Gedanken schossen mir in den Sinn. Was sollte ich machen, wenn er plötzlich den Wagen anhielt und mich ausraubte? Wenn er mir meine Tasche und den neuen Pass wegnahm, mich einfach aus dem Wagen warf und in diesem Gott verlassenen Zuckerrohrfeld zurückließ? Vielleicht sogar umbrachte? Wie lange würde es dauern, bis mich hier jemand fand? Ich warf einen ängstlichen Blick aus dem Fenster. Das Zuckerrohrfeld nahm kein Ende, zog sich endlos lang dahin. Die Hitze in diesem muffigen Wagen wurde immer unerträglicher. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, starrte auf den wuchtigen Nacken dieses Schwarzen, der mich argwöhnisch im Rückspiegel beobachtete. Nach mehreren hundert Metern wurde der Pfad allmählich breiter und führte schließlich aus dem Zuckerohrfeld hinaus in eine Siedlung aus flachen, langgestreckten Häuserreihen. Der Anblick dieser gewöhnlichen Häuser, löste eine derartige Erleichterung in mir aus, dass ich, wie von einer schweren Last befreit, einmal kräftig ein und tief wieder ausatmete. Zur gleichen Zeit schreckte mich ein dröhnendes Geräusch über dem Wagen auf. Eine Maschine der British West Indian Airways flog in geringer Höhe direkt über uns hinweg auf die angrenzenden Rollbahn zu.
„In fünf Minuten sind wir da, M’am,“ stellte er schnaufend fest. Dicke Schweißperlen rannen über seinen fleischigen Nacken. „Zuckerrohrfeld ist eine Abkürzung. Hauptstraße ist zu voll und Sie wollen Maschine nicht verpassen,“ fügte er mit einem raschen Blick von der Seite noch hinzu.
"Gut, danke", erwiderte ich eher kleinlaut, weil ich ihm gegenüber so misstrauisch gewesen war. Die Aussicht darauf, bald wieder auf meiner Insel und bei Don zu sein, erhellte meine Stimmung und die finsteren Gedanken der letzten Stunde waren augenblicklich verschwunden.

„Was ist denn mit dir los?“ fragte Don, als ich ihm heil  Zuhause angekommen stürmisch um den Hals fiel. „So hast mich ja schon lange nicht mehr begrüßt. Hast du in Trinidad etwa was angestellt?“

„Red‘ nicht solchen Blödsinn. Ich freue mich einfach wieder hier zu sein. Genügt das nicht?“

„Ich weiß nicht recht.“ Skeptisch zog er die Augenbrauen zusammen. „Etwas eigenartig ist das schon.“
„Ach Quatsch. Ich bin wirklich nur froh, wieder hier zu sein. Trinidad ist schrecklich. Es hat mir dort überhaupt nicht gefallen. Die Hitze, der Verkehr, die Taxifahrer. Alles viel schlimmer als hier. Und außerdem stinkt es dort überall nach Öl.“
„Das kommt von den Raffinerien. Trinidad lebt davon.“
„Mag sein, mich kriegt dort jedenfalls keiner mehr hin. Am allerliebsten bin ich bei dir.“
„Hm, wie beruhigend zu wissen. Ach, bevor ich es vergesse, Judith hat angerufen. Sie kommt morgen wieder zur Arbeit. Sie hat mich gefragt, ob sie das Baby mitbringen kann.“
„Und was hast du gesagt.“
„Ja, soll sie ruhig. Ich hoffe, es ist dir recht?“
„Natürlich ist es mir recht. Ich bin doch schon ganz neugierig auf den kleinen Wurm.“
„Soll ich uns einen Drink machen?“
„Gerne, ich zieh‘ mich nur schnell um.“
Nachdem Don in der Küche verschwunden war, eilte ich unter die Dusche, zog danach ein weites, luftiges Baumwollkleid über und setzte mich erfrischt zu ihm auf die Terrasse.
„Worüber schmunzelst du so ?“


*
Wer das Leben als Geschenk betrachtet,
kann gar nicht anders,
als dankbar zu sein.
 
*
Wie es weitergeht ?
Das war leider das vorläufige Ende der kurzen Ausschnitte.
~*~


(Weitere kurze Leseproben sind  HIER  zu finden).

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