Posts mit dem Label Schloss Benrath werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schloss Benrath werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 28. August 2018

Heimat vor über 100 Jahren

Jeder Mensch liebt seine Heimat.
Heimat, das ist das Land, der Ort, wo man geboren wurde und aufgewachsen
ist. Wo man seine Kindheit verbracht hat, die Zeit, die jeden Mensch fürs
ganze Leben prägt. Auch ich liebe meine Heimat, dennoch wollte ich schon in
meinen frühen Jahren weg vom Ort meines Elternhauses, wollte hinaus in die
Welt. Die Welt, das war für mich erst einmal Berlin, damals noch umgeben
von einer Mauer und Stacheldraht.
 
Foto: Heimatverein Benrath
Das alte Benrath am Rhein 1909 - in dem Jahr wurde mein Vater
geboren - allerdings nicht in Benrath, sondern in Laugwitz im
Landkreis Brieg in Schlesien
 

Dort, wo das Park-Hotel links im Foto zu sehen ist, befindet sich heute ein
moderner Neubau mit einer Bankfiliale im Erdgeschoss und das Restaurant
rechts im Bild, gibt es auch schon lange nicht mehr.
Heimat bedeutet mir sehr viel, auch wenn ich fast dreißig Jahre meines
Lebens nicht in meinem Heimatort gelebt habe, da ich es wahrgemacht
habe und in die Welt hinaus gezogen bin. Mit meiner Heimat fühlte
ich mich jedoch immer verbunden, auch wenn ich nie unter Heimweh litt.
 
Eine Zeitungswerbung datiert 27.4.1923
Foto: Heimatverein Benrath
 
Vielleicht wurde meine Mutter in einem solch "teuren"  Kinderwagen,
der damals zwischen 50 und 300 Tausend Mark kostete, spaziergefahren,
denn sie war 1923 gerade mal drei Jahre alt.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Großmutter Geldscheine von
mehreren Millionen Mark in einer Zigarrenschachtel aufbewahrte. Wir Kinder
haben sogar mit diesen "Millionengeldscheinen" gespielt, nachdem sie
wertlos geworden waren.
 
 Werbung 1933 Foto: Heimatverein Benrath
 
Lebensmittel waren so preiswert, dass man sich das heute gar nicht mehr
vorstellen kann. 1 Pfund Margarine kostete gerade mal 25 Pfennig.
1 Pfund Holländer Käse 68 Pfennig, 1 Pfund gekochter Schinken 1,00 Mark.
1 Pfund Cervelatwurst 1,28 Mark ! 1 Pfund Sauerkraut 8 Pfennig.
Das waren noch Preise !
Leider sind die Preise von 1933 nicht so gut lesbar, da ich das Foto
aus einem kleinen historischen Büchlein der Heimatgemeinschaft
Groß-Benrath e.V. fotografiert habe, welches 1993 erschienen ist.
Es handelt sich um Archiv Material, das mit freundlicher Genehmigung
des Heimatvereins verwendet werdet darf.
 
Die Kirche auf dem Foto oben, steht auch heute noch dort sowie die
meisten Häuser. Sie sind vom 2. Weltkrieg verschont geblieben,
andere wurden renoviert und saniert. Einige Straßenzüge würde man heute
nicht wiedererkennen, weil viele der kleinen Häuser abgerissen und an ihrer
Stelle Neubauten errichtet wurden.
Als ich dort aufgewachsen bin, gab es im Ort noch drei kleine Kinos und viele,
kleine Tante Emma-Läden, die den heutigen Supermärkten weichen mussten.
 
Meine Eltern mit mir - könnte 1948/49 gewesen sein
Foto: ©Lauras Home and Garden
 
Das bekannteste Gebäude ist jedoch das Rokoko-Schloss Benrath mit seinem
wunderschönen, weitläufigen Park, das viele Besucher von fern und nah an-
lockt. Ein Schloss, wie aus einem Märchen, aus einer Zeit, die heutzutage so
unwirklich erscheint, einer Zeit, wie aus einem Traum, von dem man sich
in der heutigen Zeit nicht vorstellen kann, dass er einmal Realität war.
Es war eine Zeit der Langsamkeit.
Das Schloss wurde zwischen 1755 und 1773 erbaut. Die Kosten betrugen
700.000 Taler. Ein Taler entsprach vor 100 Jahren 1,53 Euro.
Spottbillig also, wenn man das Gesamtkunstwerk betrachtet und die
lange Bauzeit bedenkt.
 
Foto Pixabay
 
Als Kinder haben wir viel Zeit im Park verbracht. Es war ein idealer Spielplatz.
Damals konnten wie dort noch unbeschwert und bedenkenlos spielen.
Auch meine Mutter konnte damals noch sorglos durch den Park spazieren.
 
Foto: ©Lauras Home and Garden
 
Heute sieht das leider ganz anders aus. Auch hier sind schon Besucher
überfallen und ausgeraubt worden.
 
Mir tut es in der Seele weh, mit ansehen und erleben zu müssen,
was in den letzten Jahren aus meiner Heimat geworden ist.
Sie ist zu einem Tummelplatz für Menschen aus aller Welt geworden,
von denen viele nichts Gutes für dieses Land, meine Heimat, bedeuten.
 
 ~*~ 
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 


Sonntag, 6. November 2016

Das Schloss

in Benrath.
Auf der Fahrt zum Friedhof kommen wir an diesem schönen Schloss vorbei,
dessen Baustil in die Zeit des Übergangs vom Rokoko zum Klassizismus fällt.
Fast zwanzig Jahre, von 1755 bis 1773, hat der Bau dieses "Lustschlosses" gedauert,
dessen Besitzer Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, niemals dort gewohnt hat.
 
 
Aber nicht nur das Schloss mit seinem Weiher, seinen beiden Schlossflügeln und
dem wunderschön angelegten, weitläufigen Park - bis hin zum Rhein, begeistern mich
immer wieder, es sind auch viele Kindheitserinnerungen damit verbunden.
 
 
 
Wie viele Sommer und Winter haben wir als Kinder in diesem Park verbracht und uns an
den großen Schlossfenstern die Nase platt gedrückt, um einen Blick ins Innere zu erhaschen.
Wie hier in den Kuppelsaal.
(Das Foto stammt von Kabaeh49/Wikipedia)


 In den warmen Jahreszeiten haben wir im Park "Verstecken" gespielt und im Winter
sind auf diesem Schlossweiher und dem hinteren Spiegelweiher Schlittschuh gelaufen.
Zur damaligen Zeit gab es auch im Rheinland noch frostig kalte Winter mit viel Schnee.
Für uns Kinder war es das reinste Vergnügen. Schlittenfahrten, Schneemänner bauen,
eine Schneeballschlacht mit den Nachbarskindern.
Das alles ist lange her, sehr lange. Doch die Erinnerung an diese Zeit wird bleiben.
 
 

 Die Fotos sind an einem der letzten sonnigen Tage Anfang November entstanden.
Da war es noch relativ warm und Sonne schien den ganzen Tag.
Sonntags sind im Park und um das Schloss herum immer viele Besucher unterwegs.
Daher ist es dort am schönsten während der Woche.

 
 
In der Orangerie befand sich früher einmal eine Bibliothek.
Ob es sie heute noch gibt, weiß ich nicht.
 
 
 
Als ich die Insel damals verließ und heimkehrte, wohnte ich ganz in der Nähe des Schlosses
und war ich oft im diesem Park unterwegs und trieb mich in der Bücherei herum.
Man kann herrliche Spaziergänge durch den Park unternehmen, sich mit einem Buch
auf einer der Bänke niederlassen oder außen um den Park herum eine Runde
mit dem Fahrrad drehen. Einen Abstecher an den Rhein oder in die
Urdenbacher Kämpen - einem Naturschutzgebiet - machen.
 
Ich habe meine gesamte Kindheit sowie meine Jugendzeit bis zum Alter
von zwanzig Jahren dort verbracht und bin dann nach Berlin gezogen.
Es ist so schön, so viele Erinnerungen an diese Zeit und natürlich auch
an die Berliner Zeit zu haben.
Leider gehen die Jahre und damit das Leben so schnell vorbei.
Das wird einem erst viel später bewusst.
Ist man jung, hat man viele Träume und das Leben, welches noch vor einem liegt,
scheint endlos zu sein.
Erst im Alter wird einem bewusst, wie kurz so ein Leben eigentlich ist
und dass einem irgendwann nur die Erinnerungen bleiben.
 
Jeremy Irons würde das so umschreiben:

We all have our time machines.
Some take us back,
they're called memories.
Some take us forward,
they're called dreams.
  
Ja, man kann sich seine Träume erfüllen, das erfordert manchmal viel Mut und Stärke
- oder man kann sein Leben dem Schicksal überlassen.
 
Das Leben ist eine Gelegenheit und es liegt an jedem einzelnen Mensch selbst,
ob er diese Gelegenheit nutzt und was er aus seinem Leben macht.
 
Und doch  -  ist letztendlich alles vorbestimmt.
 
~*~
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 
 


Dienstag, 17. November 2015

Manchmal sehne ich mich

in diesen unsicheren Zeiten in die Geborgenheit meiner Kindheit zurück.
 
 
Manchmal wandern meine Gedanken zurück in die Zeit, in der ich als Kind völlig
unbeschwert in den Tag hinein leben konnte. In die Zeit, in der ich mich um nichts
kümmern musste und nichts meinen Tag trüben konnte.
In die Zeit, in der ich mich einfach nur geborgen und behütet fühlte.
In die Zeit, in der ich nach Herzenslust spielen konnte, ob mit den Puppen,
der Puppenstube, dem Kaufladen, oder den Stofftieren. Als Kind lebt man wirklich
im Hier und Jetzt. Als Kind macht man sich keine Gedanken um die Vergangenheit
oder die Zukunft. Man ist einfach nur da und lebt. Nie ist man lebendiger,
als in der Kindheit.
Man entdeckt die Welt und staunt über all die Wunder in dieser Welt.
 
 
Gerne denke ich manchmal an die Zeit zurück, in der Kind-Sein wirklich noch Kind-Sein
bedeutete. An die Zeit, in der ich mit meinem Bruder den ganzen Tag zu jeder Jahreszeit
im Freien verbringen konnte. Rollschuh oder Schlittschuh laufen.
Mit anderen Kindern Verstecken oder Räuber und Gendarm spielen oder mit den Puppen
und dem Puppenwagen auf der Wiese hinter dem Haus.
Was war das für ein Vergnügen, im Winter Schneemänner zu bauen, im Schlosspark zu rodeln
und eine Schneeballschlacht zu veranstalten. Danach mit roten Wangen nach Hause zu laufen,
wo ein warmes Abendessen wartete und wir den Eltern beim Essen von dem fröhlichen
Treiben berichteten.
Und bin ich mal hingefallen und habe mich verletzt, wie gut hat es dann getan,
wenn Mutter mich in den Arm nahm und die Wunde mit viel Liebe versorgte.
Nie habe ich mich als Kind geborgener gefühlt, als in den Armen meiner Mutter.

 
Aber auch der kleine Ort in dem ich aufgewachsen bin, hat mir ein Gefühl
von Geborgenheit vermittelt. Die Menschen die dort lebten kannten sich.
Sie waren alle dort geboren, aufgewachsen, hatten geheiratet und Kinder bekommen.
Es waren Nachbarn, von denen viele Freunde fürs Leben geworden sind.
Sie halfen sich gegenseitig und waren immer für einander da.
Sie waren froh und freuten sich, dass der Krieg vorbei war und es im Land
wieder aufwärts ging. Alle blickten zuversichtlich in die Zukunft.
Alle fühlten sich wieder wohl und geborgen in unserem Land, unserer Heimat.
 
Heutzutage hat sich das alles wieder ins Gegenteil verkehrt.
Niemand fühlt sich angesichts der Terrorgefahr noch sicher in diesem Land.
Einige sprechen von Krieg. Andere sogar von einem dritten Weltkrieg.
Kaum jemand scheint noch zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.
Viele haben Angst und sind verunsichert.
Nicht zuletzt auch der vielen Flüchtlinge wegen, die zu hunderttausenden in unser Land
strömen und von denen niemand wirklich weiß, wer sie sind und wer genau da zu uns kommt.
Schließlich genügt ein einziger Terrorist, der zusammen mit den anderen Flüchtlingen
in unser Land kommt und hier einen Anschlag verüben könnte.
 
In Zeiten der Globalisierung und des World-Wide-Web, der unbegrenzten
Möglichkeiten in der digitalen Welt, hat inzwischen kaum noch jemand den Eindruck,
dass es in unserem Land, in Europa und der Welt aufwärts geht.
Eher drängt sich mir der Eindruck auf, dass es mit dem unaufhaltsamen digitalen
und technischen Fortschritt, dem Turbokapitalismus, den geopolitischen Problemen,
und dem undurchschaubaren Dschungel der Banken- und Börsenwelt,
auf diesem Globus immer weiter bergab geht.
Alles in allem sieht es derzeit tatsächlich nicht gut aus auf unserem Globus,
aber -
es bleibt immer auch die Hoffnung, dass wieder bessere und
friedlichere Zeiten kommen - auch wenn das noch sehr lange dauern kann.
Diese Hoffnung jedoch sollten wir auf keinen Fall aufgeben.
 
Stärker sein als der Terrorismus, als diese Barbaren -
lautet die neue Devise.
Auch wenn diese Barbaren, diese Unmenschen ein Gefühl der Wut in mir auslösen,
meine Lebensfreude lasse ich mir von diesen Irren nicht nehmen.
Leider hat man diese Irren schon viel zu lange gewähren lassen.
Nicht unsere Welt ist krank,
es sind all die Irren die in dieser Welt ihr Unwesen treiben, die krank sind !
 
*
 
Manchmal träume ich mich in die friedliche, behütete Zeit meiner Kindheit
und in die Arme meiner Mutter zurück.
Allein dieser Gedanke gibt mir ein Gefühl von Sicherheit
und Geborgenheit.
 
~*~
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 
 

Mittwoch, 24. Juni 2015

Teatime-Geschichten - Die Queen Elizabeth Rose

 Nein, sie blüht leider noch nicht, die Queen Elizabeth Rose, aber um die Rose geht
es jetzt auch gar nicht.
Es geht um Königin Elizabeth, die uns zur Zeit in Deutschland besucht.  Ich gestehe,
dass ich nicht nur ein absoluter Fan der Britischen Royals bin, sondern mich auch
sehr für die Geschichte der britischen Königinnen und Könige interessiere.
Außerdem war ich - als Barbadian - immerhin dreißig Jahre lang auch eine Untertanin,
Ihrer Majestät Queen Elizabeths, da die Insel auf der ich damals lebte, zum Common-
wealth gehört und die Queen Staatsoberhaupt dieser Insel ist.  Der Zufall wollte es
sogar, dass ich der Queen zweimal in meinem Leben -  wenn auch nur für ein
paar Sekunden - begegnen durfte.


(Das ist nicht die Queen Elizabeth Rose, sondern die Compassion mit Fingerhut)
  
 
Das erste Mal im Mai 1965, als sie Düsseldorf besuchte und vom Benrather Bahnhof
aus zum Benrather Schloss gefahren wurde. Damals war das eine kleine Sensation.
Ich war rein zufällig genau dort in der Nähe und habe sie dadurch direkt vom Straßen-
rand aus in dem offenen Mercedes 600 vorbeifahren sehen. Damals dachte ich schon,
was für ein wunderbarer Zufall, einmal im Leben die Königin aus nächster Nähe sehen
zu dürfen. Dass ich das noch einmal erleben sollte, und zwar genau zwölf Jahre später,
konnte ich zum damaligen Zeitpunkt ja nicht ahnen. Es war wieder so ein wunderbarer
Zufall und das kam so:
Es war in meiner alten Heimat auf der Insel im Oktober 1977. Ich war an diesem Tag
zum Einkaufen im Supermarkt. Ich hatte meine Einkäufe bereits im Auto verstaut und
wollte gerade vom Parkplatz in die Hauptstraße, der Maxwell Coast Road, einbiegen,
als mir ein herannahender Polizist auf einem Motorrad signalisiert, anzuhalten bzw. zu
warten. Ich tat wie mir befohlen, hatte aber keine Ahnung, warum und worauf ich
warten sollte, zumal weder aus der einen noch aus der anderen Richtung Autos unter-
wegs waren. Dennoch blieb ich dort stehen und harrte der Dinge, die da kommen sollten.
Wie konnte ich auch ahnen, dass es Königin Elizabeth höchstpersönlich sein würde,
der ich hier Vorfahrt gewähren sollte. Und so staunte ich nicht schlecht, als sich von
links ein schwarzer Rolls Royce näherte, in dem sich die Queen in Begleitung ihres
Gatten Prince Philip, befand. Da es sich um eine schmale Straße handelte und ich mit
meinem Auto direkt an der Ausfahrt stand, fuhr dieser Rolls quasi direkt so im Abstand
von einem Meter an mir vorbei und so war es mir vergönnt, einen direkten Blick auf
die Königin werfen zu können, die sogar freundlich winkte, obwohl außer mir dort
niemand stand oder zu sehen war. Ich erinnere sogar, dass ich bei ihrem Anblick
damals dachte, sie hat eine Haut wie aus Porzellan, wie ein Puppengesicht; so eben,
so gleichmäßig, so makellos, mit einem hellen Teint, so gepflegt und sie lächelt so
freundlich. Und ehe ich überhaupt begriff, wie mir da gerade geschah, da war sie
auch schon wieder aus meinem Blickfeld verschwunden.
Aber für mich wird es immer eine nette Erinnerung bleiben.
 
Ich mag die Queen sehr. Ich bewundere sie. Ich bewundere ihr Pflichtbewusstsein.
Und ich staune immer wieder, wie rüstig die inzwischen alte Dame mit ihren
89 Jahren noch ist und wie großartig sie all ihre Pflichten noch bewältigt. Und ich mag
ihr Lächeln. Es ist ein Lächeln, dass einem in Erinnerung bleibt. Keine andere
Königin lächelt so schön, wie die Queen.
 
So viele andere große Persönlichkeiten sind in all den Jahren, seit sie vor über
60 Jahren den Thron bestiegen hat, wieder von der Bildfläche verschwunden.
Sie aber ist immer noch da.
Die Welt um sie herum hat sich dramatisch verändert - um nicht zu sagen, sie fällt
immer mehr auseinander, aber die Queen ist standhaft, macht unermüdlich weiter.
Sie ist die Queen und sie wird die Queen bis zu ihrem letzten Tag und danach bleiben.
Ich habe größten Respekt vor dieser alten Dame und ich wünsche ihr von Herzen,
dass sie noch lange so rüstig und gesund, und uns noch lange, lange erhalten bleibt.
 
Your Majesty, Sie haben meine allergrößte Hochachtung.
 
CHAPEAU !
 
~*~
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 
 

Samstag, 2. August 2014

Ein Feiertag

 
Heute wäre sie 94 Jahre alt geworden, denn heute ist ihr Geburtstag.
Am heutigen Tag erinnere ich all die Geburtstage, die wir gemeinsam gefeiert
haben. Zu denen die Familie, Nachbarn und Freunde eingeladen waren. Ich
erinnere die Stunden geselligen Beisammenseins. Stunden der Freude, des
Lachens und eines liebevoll gedeckten Kaffeetisches mit selbstgebackenem
Kuchen. Ich erinnere die Stunden, in denen immer wieder viele kleine
Anekdoten erzählt
wurden. Ich erinnere die Momente, in denen zur Feier Deines Ehrentages
mit einem Glas Sekt auf Dein Wohl angestoßen wurde und ich erinnere die
Momente der Wehmut, dass nun wieder ein Lebensjahr vergangen war.
 
Deine Eltern, meine Großeltern
 
Doch immer schautest Du am Beginn eines neuen Lebensjahres positiv in die
Zukunft. Du warst immer gesund. Erst in späteren Jahren, als Du das 80zigste
Lebensjahr bereits überschritten hattest, konntest Du Dich nicht mehr alleine
versorgen. Das war schlimm für Dich. Es fiel Dir sehr schwer, das zu akzeptieren
und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Du, die immer selbstständig war, die
so gerne reiste, die so gerne mit ihren Freundinnen etwas unternahm, die so
voller Lebensfreude und Zuversicht war.
Bis ins hohe Alter warst Du so unternehmungslustig, so gesellig und so gerne
unter Menschen. Und auf einmal warst Du so hilflos. Das war nicht nur schlimm
für Dich, es war auch ganz besonders schlimm für mich.
Mit anzusehen, wie Deine Kraft immer mehr nachließ und Deine Lebensfreude
einer stillen Trauer wich. Wie tapfer Du versuchtest, das zu ertragen,  nicht zu
klagen und nicht zu jammern, auch wenn Dir die Schmerzen im Gesicht abzu-
lesen waren.
Mir brach es fast das Herz, Dich so zu sehen, mit anzusehen, dass Du immer
stiller wurdest, kaum noch vermochtest zu sprechen oder zu lächeln.
 
Unser letztes gemeinsames Foto
 
~*~

Jedes Mal, wenn ich Dich in Deinem Rollstuhl im Park spazieren fuhr, dachte
ich daran, dass DU es einst warst, die mich vor über sechzig Jahren im Kinder-
wagen über diese altbekannten und gewohnten Wege geschoben hat. Und
jedes Mal wurden Erinnerungen an die Kindheit wach. An Dich und Vater,
an die Zeit, als wir noch als Familie zusammenlebten und gemeinsamen in
diesem Park spazieren gingen, bis es mich hinaus in die Welt zog.
Nun warst Du alt, bist Deinen Weg gegangen. Ich hatte mir so gewünscht,
Du würdest noch eine Weile bei uns bleiben.
Doch Du warst müde, hattest keine Kraft und keinen Lebenswillen mehr.
Seit acht Jahren bist Du nicht mehr bei uns.
Und es fällt mir immer noch oft schwer, das zu begreifen.
Heute nun ist Dein Ehrentag, Dein Geburtstag.
Ein Tag, an dem ich – wie in jedem Jahr – besonders intensiv an Dich denke.
Eigentlich vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an Dich denke, aber heute
feiere ich Deinen Ehrentag und ich weiß, Du wirst ihn auf irgendeine Weise
mit mir feiern und bei mir sein.
DANKE MUTTER !
 
~*~*~*~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Mittwoch, 25. Juni 2014

Dem Unwetter zum Opfer gefallen ....

ist diese über 100 Jahre alte Trauerweide auf der kleinen Insel im Weiher
vor dem Schloss Benrath.
 
 
Ein sehr trauriger Anblick.

 
Schon als Kinder sind wir im Winter mit den Schlittschuhen bis zu dieser
kleinen Insel gelaufen, auf der diese alte Trauerweide ihr Leben verbrachte.

 
 Hier erfreut sie sich noch ihres Lebens.
Bis zum 9. Juni 2014, dem Pfingstmontag, an dem in Düsseldorf ein schweres
Unwetter wütete, welchem sie nicht gewachsen war und dem sie schließlich
zum Opfer fiel. Sie wurde einfach umgeknickt, wie ein Streichholz und wie so
viele andere Bäume im Schlosspark und in der Umgebung meiner Kindheit.
 
 
Es war ein wirklich trauriger Anblick auf der Fahrt vom Niederrhein
in die Landeshauptstadt.
 
 
Überall lagen umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste herum.

 
Ein Pfingstfest, das vielen Menschen, nicht nur in Düsseldorf,
sondern in mehreren Städten in NRW Angst und Schrecken einjagte.
Alleine in Düsseldorf sind dem Unwetter 17.000 Bäume zum Opfer
gefallen. Die Fotos sind eine Woche später auf der Fahrt zum Friedhof
in Düsseldorf-Urdenbach entstanden, dem Ortsteil, in dem ich aufge-
wachsen bin. Ein trauriger Anblick, der mir noch lange in Erinnerung
bleiben wird.
 
 
Hoffentlich bleiben uns in Zukunft solche schlimmen und
lebensgefährlichen Unwetter erspart !
 
Hoffen darf man ja schließlich.
 
~*~*~*~
 
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Donnerstag, 31. Oktober 2013

Heimat

Wenn ich an Heimat denke, dann denke ich unweigerlich auch an das Schloss Benrath.
Den Ort, an dem ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, ganz in der Nähe
meines Elternhauses. Der Park und die Umgebung bis hin zum Rhein war für uns
Kinder immer ein großer Spielplatz, von dem wohl jedes Kind begeistert wäre.
 

Aber auch die Insel in der Karibik, auf der ich viele Jahre gelebt habe, war eine
Heimat für mich, in der ich mich auch immer zuhause fühlte.
Heute jedoch bin ich sehr froh, wieder in meiner "alten" Heimat zu leben.


Ich weiß, dass das für viele Menschen ein ganz großer Wunsch ist und vielleicht
für immer bleiben wird. Nämlich in ihre alte Heimat Deutschland zurückkehren zu
können. Es sind Menschen, die vor vielen Jahren hier alles aufgegeben haben, um
ihr Leben in einem anderen Land zu verbringen. In einem Land, in dem man
normalerweise einen Urlaub verbringt, haben sie sich ein neues Zuhause gekauft,
um den Rest ihres Lebens dort zu verbringen.


Sie haben das Leben in dem milden, warme Klima und die vielen Sonnenstunden
jahrelang genossen. Doch nun im Alter übermannt sie die Sehnsucht nach der
Heimat. Von einem Nachbarn, der ebenfalls ein Haus in einem dieser Länder
besitzt und sich über mehrere Monate im Jahr dort aufhält, habe ich erfahren,
wie sehr diese Menschen sich wünschen, wieder in ihrer Heimat leben
zu können und es inzwischen sehr bereuen, hier alles aufgegeben zu haben.


Diese Menschen, für die jetzt im Rentenalter eine Rückkehr fast unwahrscheinlich
geworden ist, weil sie nun in diesem fremden Land wieder alles aufgeben - und
hier noch einmal ganz von vorne anfangen müssten, ist das wirklich sehr traurig.
Viele von ihnen sprechen selbst nach all den Jahren nicht einmal die Sprache des
Landes, in dem sie jetzt leben und die meisten von ihnen haben dort weder neue
Freunde gefunden oder gar die Familie in der Nähe.
Sie vermissen so vieles, erzählte mir mein Nachbar, vor allem vermissen sie jetzt
die Herbst- und Wintermonate, das schlechte Wetter, vor dem sie hier einst geflohen
sind. Ganz besonders aber vermissen sie die Adventszeit mit den Weihnachts-
märkten, Weihnachten und den Schnee. 


Wie schlimm muss es für diese Menschen sein, immer von ihrer Heimat zu träumen,
sich an das Leben hier zu erinnern und zu wissen, dass sie jetzt im Alter wohl kaum
noch eine Möglichkeit haben, hierher zurückzukehren. Das geht übrigens auch vielen
deutschen Frauen in den USA so, die nach dem Krieg ihren USA-Soldaten geheiratet
haben und in die USA gezogen sind. Mit dieser Heirat haben sie, oft ohne es zu
wissen, ihre deutsche Staatsbürgerschaft aufgegeben und können somit selbst nach
einer Scheidung nicht einfach mal eben wieder nach Deutschland zurückkehren.
Sie müssten ein Visum beantragen und dürften sich hier nur drei Monate aufhalten.
Eine Arbeitserlaubnis bekämen sie natürlich auch nicht. Für diese Frauen ist das
aber nicht ganz so tragisch, weil ihre Kinder natürlich auch in den USA, also in ihrer
 Nähe leben.
Für all die Rentner, die ihren Lebensabend im sonnigen Süden verbringen wollten
und hier alles aufgeben haben, sieht das ein bisschen anders aus. Sie sind jetzt
eigentlich nirgendwo Zuhause und fühlen sich natürlich auch so. Das ist ziemlich
traurig und alles andere, als ein entspannter Lebensabend !

Heimat ist und bleibt eben Heimat !

~*~*~*~

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~