Wie sich die Zeiten verändert haben!
In meiner Kindheit begann der Sonntagmorgen mit dem Läuten der Kirchenglocken.
Zum Frühstück saßen wir alle am Tisch. Meine Eltern, mein Bruder und ich. Nach
dem Frühstück las Vater die Sonntagszeitung und lauschte dazu den Klängen, die das
Rundfunkgerät zum Besten gab. Es waren u. a. die Klänge Georges Gershwins oder
Glenn Millers. Die »Rhapsodie in Blue« gehörte zum Sonntagmorgen, wie das Früh-
stücksei. Wir Kinder blätterten in den Micky-Maus- und Fix-und-Foxy-Heften,
während Mutter in der Küche einen Kuchen für den Nachmittagskaffee backte und
das Mittagessen zubereitete.
Damals
Und das wurde auf einem feingedeckten Tisch serviert. Selbstverständlich gehörte
dazu eine leicht gestärkte, weiße Tischdecke, das feine Sonntagsporzellan mit Goldrand,
das sonst nur noch zu Feiertagen hervorgeholt wurde, und natürlich das Silberbesteck.
Es gab immer eine Vorspeise, meist war es eine Hühnernudelsuppe, ein Hauptgericht,
das nur sonntags aus einem Braten bestand. Mal war es ein Schweinebraten, mal ein
Schmorbraten. Dazu gab es Kartoffelklöße, die Mutter selbst zubereitete, und Rotkohl.
Gelegentlich gab es auch mal einen Kasslerbraten mit Kartoffelbrei und Sauerkraut.
Und es gab einen Nachtisch. Pudding oder Obst aus dem Einmachglas, das im Spät-
sommer oder Herbst im Garten geerntet, eingekocht und im Keller vorrätig gehalten
wurde.
Nach dem Mittagsessen half ich Mutter beim Abtrocknen des gespülten Geschirrs. Eine
Spülmaschine gab es zu der Zeit natürlich noch nicht. Danach folgte der obligatorische
Sonntagsspaziergang durch den Park bis hin zum Rhein und manchmal fuhren wir auch
mit der Fähre auf die andere Rheinseite und gingen dort entlang des Rheins spazieren.
Zur Kaffeezeit waren wir dann wieder zu Hause. Dort wartete ein köstlicher Kuchen auf
uns.
Es war entweder ein Kirschstreuselkuchen, eine Obsttorte und im Herbst den weltbesten
Apfelkuchen, den ich heute noch gerne nach Mutters Rezept, das sie von ihrer Mutter–
also meiner Großmutter übernommen hat, backe. Nach dem Abendessen, das aus Brot
mit Wurst oder Käse sowie Tomaten und Gewürzgurken bestand, rauchte mein Vater
eine dicke Zigarre. Dazu las er die restlichen Artikel der Sonntagszeitung. Mutter
widmete sich ihrer Handarbeit und wir Kinder, mein Bruder und ich, spielten Halma,
Mikado, mit den Dominosteinen oder sonstigen Spielen, die zu der Zeit aktuell waren.
Ich hatte wunderbare Eltern und eine wunderbare Kindheit. Es ging uns gut und es
herrschte vor allem wieder Frieden im Land und in der Welt. Es ging aufwärts und die
Menschen schauten nach vorn. Sie hatten wieder Hoffnung und blickten zuversichtlich,
in die Zukunft. Sie bauten das zertrümmerte Land wieder auf, und dank Ludwig Erhardts
Wirtschaftswunder, ging es den meisten Menschen wieder gut. Die Menschen hatten im
Vergleich zu heute wirklich nicht viel, aber sie waren zufrieden mit dem, was sie hatten.
Es war eine gute Zeit. Eigentlich war es die beste Zeit in der Menschheitsgeschichte.
Denn jetzt, siebzig Jahre später, geht es wieder abwärts. Nicht nur im Land, sondern in
der gesamten Welt. Der Krieg des kleinen, alten Kreml-Diktators gegen die Ukraine,
und der Konflikt des »großartigsten US-Präsidenten aller Zeiten« mit dem Iran sowie
die Gefahr einer außer Kontrolle geratenden KI, sind die derzeit beherrschenden Themen
im Land und in der Welt. Und die versinkt mehr und mehr im Chaos, aus dem es so
schnell kein Entrinnen gibt.
Hier im Land geht es drunter und drüber. Und was sich derzeit in Berlin abspielt, wird
bald auf das ganze Land übergreifen. Alles in allem befindet sich die gesamte Welt in
chaotischen und turbulenten Zeiten ohne eine Aussicht auf baldige Besserung.
Heute
Wenn ich die damalige Zeit mit der heutigen Zeit vergleiche, ist es beinahe unfassbar,
wie sich alles in nur wenigen Jahrzehnten so dramatisch verändern konnte. Nicht nur,
was aus dem Land geworden ist, sondern auch aus den Menschen. Was haben sie,
insbesondere in den vergangenen zehn Jahren, aus diesem Land gemacht! Mir tut das
in der Seele weh. Aber ich bin alt und habe den größten Teil meines Lebens in Frieden
und Freiheit leben dürfen. Das weiß ich sehr zu schätzen und bin dankbar dafür. Es ist
ein wunderbares Geschenk, ein so freiheitliches Leben führen zu können. Kinder und
Jugendliche, die heute aufwachsen, können überhaupt nicht beurteilen, wie lebenswert
das Leben sein kann - auch ohne Smartphones, Internet, TikTok und wie sie alle heißen.
Eigentlich existieren sie am Leben vorbei. Aber sie kennen es nicht anders. Sie wachsen
in diesem Chaos auf und können eigentlich nur hoffen, dass es nicht noch schlimmer
wird.
Was ist nur aus der Menschheit geworden? Warum ist so viel Hass in der Welt?
Wo sind die Staatsführer, die zum Wohl ihrer Bürger agieren?
Was soll aus dieser Welt werden, wenn irre, alte Männer Kriege führen, statt
für Frieden in der Welt zu sorgen?
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„Früher glaubte jede neue Generation, mit ihr fange die Welt an.
Heute glaubt die neue Generation, mit ihr gehe sie zu Ende.“
(Autor Unbekannt)
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🌟Bilder mit KI erstellt by Lauras Home and Garden🌟


























