Samstag, 11. Juli 2026

Das kleine Haus mit der blauen Laterne

Robins und Sandras Liebe war nie eine von der Sorte, die leise verblasst. Sie brannte lichterloh – bis der Rauch ihnen die Sicht nahm.
Es geschah auf den Tag genau im verflixten siebten Jahr. Sie standen in der Küche ihrer Altbauwohnung, umgeben von unausgesprochenen Vorwürfen und der bleiernen Last des Alltags.


„Wenn wir jetzt nicht gehen, Robin, dann machen wir es uns gegenseitig  nur noch schwerer“, sagte Sandra leise. Ihre Stimme zitterte, aber ihre Augen waren voller trauriger  Entschlossenheit.
Robin sah sie an, das Herz schwer wie Blei. „Es ist das verflixte siebte Jahr, Sandra. Das ist nur eine Phase. Das schaffen wir.“
„Nein“, erwiderte sie, und eine Träne stahl sich über ihre Wange. „Wir haben aufgehört, uns zu lieben. Wir versuchen nur noch, die Erinnerung an die Liebe zu retten.“
Sie trennten sich. Es gab keinen herben Streit, sondern einen leisen, schmerzhaften Schnitt. Das Leben spülte sie in unterschiedliche Richtungen, über Grenzen hinweg, hinein in neue Leben, neue Pflichten, neue Gesichter. Auch wenn vierzig Jahre eine Ewigkeit sind, um zu vergessen, sind sie für das Herz doch nur ein Wimpernschlag.
Es war ein verregneter Dienstagabend, als Robin, mittlerweile im Ruhestand und in einer zwar funktionierenden, aber emotional erkalteten Ehe in Frankreich lebend, auf einem sozialen Netzwerk einen Namen eingab. Sandra Rayders. Ein Klick. Ein Foto einer reiferen, aber unverkennbar schönen Frau mit den gleichen Lachfalten wie damals. Sie lebte in Österreich.
Er schickte eine Nachricht. Nur zwei Worte: „Hallo Sandra.“
Was folgte, war eine digitale Brücke über vier Jahrzehnte hinweg. Aus einer Nachricht pro Woche wurden tägliche Kurznachrichten. Das Smartphone wurde zum Epizentrum ihrer Gedanken.

Robin: Ich habe heute im Garten Kaffee getrunken und musste an das kleine Haus in Devon denken. Weißt du noch?

Sandra: Wo der Kellner deinen Dialekt so furchtbar fand? Natürlich weiß ich das noch. Ich denke oft an Devon, Robin. Eigentlich denke ich oft an dich.

Robin: Ich bin verheiratet, Sandra. Mein Leben ist geordnet. Und trotzdem... wenn mein Telefon summt, schlägt mein Herz wie mit dreiundzwanzig. Ist das verrückt?

Sandra: Dann sind wir beide verrückt. Es fühlt sich an, als hätten wir nie aufgehört zu schreiben. Als wäre die Zeit nur ein schlechter Scherz gewesen.

Die Worte wurden intimer, die Sehnsucht greifbarer. Sie verliebten sich neu – nicht in die Geister der Vergangenheit, sondern in die Menschen, die sie geworden waren. Gefangen zwischen den Grenzen zweier Länder und den Verpflichtungen eines Ehegelübdes, suchten sie nach einem Ausweg.

Schließlich tippte Robin die Nachricht, die alles verändern sollte: „Lass uns treffen. Da, wo wir am glücklichsten waren. Am Haus mit der Blauen Laterne.“

Es war ein kleines, windschiefes Haus an der Küste. Die blaue Laterne über dem hölzernen Eingangstor schwankte im salzigen Wind, genau wie damals. Sandra stand am Zaun, das Meer im Rücken. Ihre Hände steckten tief in den Taschen ihrer Jeans. Sie war nervös. Würde die Realität die digitale Illusion zerstören? Schritte knirschten auf dem Kies. Sie drehte sich um. Dort stand er. Das Haar war weiß geworden, die Haltung etwas gebeugter, aber die Augen – die hellen, wachen Augen – waren dieselben. Er blieb zwei Meter vor ihr stehen. Für einen langen Moment hörte man nur das Rauschen der Wellen.
„Du hast dich überhaupt nicht verändert“, sagte Robin, und seine Stimme brach ganz leicht.
Sandra lachte leise, eine Mischung aus Weinen und Erleichterung. „Du bist ein furchtbarer Lügner, Robin. Aber danke.“
Er trat den letzten Schritt heran und nahm sie in den Arm. Es war keine stürmische Umarmung, sondern ein Ankommen. Ein Einrasten zweier Puzzleteile, die vierzig Jahre lang in verschiedenen Kisten gelegen hatten.
Sie mieteten das kleine Zimmer unter dem Dach, dasselbe wie damals. Doch die Unbeschwertheit der Jugend war der Realität des Alters gewichen. Am zweiten Abend, beim Schein der blauen Laterne, die ihr Licht durch das Fenster warf, saßen sie bei einer Flasche Wein.
„Wie soll es weitergehen, Robin?“, fragte Sandra direkt. „Wir können nicht in dieser Blase leben. Du hast ein Leben in Frankreich. Eine Frau.“
Robin sah in sein Glas. „Ich weiß. Marie ist eine gute Frau. Wir haben uns nichts mehr zu sagen, aber wir teilen eine Geschichte. Ein Haus. Kinder. Enkelkinder. Wenn ich gehe, zerstöre ich ein ganzes Gefüge.“
„Und wenn du bleibst?“, fragte Sandra sanft, aber bestimmt. „Zerstörst du dann nicht uns? Noch einmal?“
Robin stand auf, ging ans Fenster und blickte auf das Meer hinaus. „Als wir uns vor vierzig Jahren trennten, dachten wir, die Liebe sei vorbei. Jetzt weiß ich, sie war nur im Winterschlaf. Ich will die Jahre, die mir noch bleiben, nicht mit dem Bedauern verbringen, nicht mutig genug gewesen zu sein.“
Nach einer gemeinsamen Woche in dem kleinen Haus ging Robin auf Sandra zu und nahm ihre Hände. „Ich werde zurückfahren. Ich werde die Wahrheit sagen. Es wird schmerzhaft, es wird schmutzig und es wird mir das Herz brechen, Marie zu verletzen. Aber ich kann nicht mehr das Leben eines anderen leben.“
Sandra sah ihn lange an. Sie spürte die Schwere seiner Worte. Das hier war kein Hollywood-Film. Es gab keine leichten Antworten.
„Ich werde auf dich warten“, sagte sie leise. „Aber nicht ewig, Robin. Wir haben keine vierzig Jahre mehr.“

Drei Monate waren vergangen. Sandra saß auf der Terrasse ihres kleinen Hauses in Österreich. Auf dem Tisch lag ihr Telefon. Es war still. Robin hatte vor vier Wochen den Kontakt abgebrochen – sie hatten vereinbart, dass er seine Angelegenheiten im Reinen regeln musste, ohne den ständigen Sog der Kurznachrichten. Sie hörte das Tor quietschen und blickte auf. Am Ende des Gartenwegs stand kein junger Mann, sondern ein Mann, der die Spuren eines schweren Kampfes im Gesicht trug. Er hatte einen einzigen Koffer bei sich. Er war müde, er sah älter aus als noch in Devon – aber als er sie sah, fiel die Last von seinen Schultern. 
Robin sagte kein Wort. Er ging auf sie zu, zog einen kleinen, verbeulten Gegenstand aus der Tasche und stellte ihn auf den Gartentisch.
Es war eine kleine, batteriebetriebene blaue Laterne.
„Sie brennt vielleicht nicht so hell wie die am Meer“, sagte er mit belegter Stimme, „aber sie brennt für den Rest unseres Lebens.“
Sandra stand auf, Tränen der Erleichterung in den Augen, und schloss ihn in die Arme. Sie wussten, dass die Zukunft nicht einfach werden würde. Es gab Wunden zu heilen, Brücken, die im alten Leben verbrannt waren, und die verbleibende Zeit war kostbar. Aber als sie sich ansahen, wussten sie, dass das verflixte siebte Jahr endlich vorbei war.

Wahre Liebe beginnt dort, wo Worte überflüssig werden
und Herzen einander verstehen.

~*~*~*~
Seelen kommunizieren nicht durch Worte,
sondern durch eine Schwingung, die alles durchbricht

Rumi (*1207 ; † 1273)
war ein persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und
einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter des Mittelalters

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Donnerstag, 9. Juli 2026

Gelernt habe ich .....

dass ich den Sommer nicht vor seinem Ende loben sollte. 
 

Genau, wie man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, denn zu schnell kann sich alles
ändern. Hatte ich mich vor ein paar Tagen noch über die schönen Sommersonnenweiße-
wölkchentage gefreut und dies in meiner überschwänglichen Freude kundgetan, stellte sich
gleich darauf dieses Stillstandswetter ein. Das Wetter der vergangenen Tage ist so gar nicht
mein Ding. Kein Lüftchen, nichts bewegt sich. Nicht der leiseste Hauch einer Brise war zu
spüren. Der Himmel war von einem dicken grauen Vorhang zugezogen, der kein Licht durch
ließ – na ja, gerade so viel, dass ich im Haus kein Licht einschalten musste. Vor ein paar Tagen
 wehte hier noch ein recht strammer Wind mit einigen heftigen Böen durch den Garten, sodass
ich schon um die Sonnenschirme fürchtete, die vom Vortag noch aufgespannt waren. Gestern
Morgen fühlte es sich dagegen an, als hätte jemand die Zeit angehalten, weil alles wie erstarrt
vor sich hin verharrte.


Hinzukam, dass ich gestern nach dem Frühstück gelesen hatte, dass Kachelmann meint,
»Es wird ein Sch....sommer«! Auch das noch! Ich mag dieses Stillstandswetter überhaupt
nicht. Man kann es auch als Kreislaufwetter bezeichnen. Irgendwie kommt man bei diesem
erstarrten in sich selbst verharrenden Wetter kaum in die Gänge, ist dauermüde, eher lustlos
und die im hohen Alter noch mäßig vorhandene Energie, lässt auch zu wünschen übrig.
Außer den Garten ein wenig zu wässern, d. h. die Pflanzen, und die verwelkten Rosen zu-
rückzuschneiden, ist eh nicht viel zu tun. Der Rasen ist so trocken, dass es sich anhört, als
würde man über Pergamentpapier laufen. Dabei haben wir noch Glück, denn die Tempera-
turen halten sich (noch) im erträglichen Bereich. Nee, schönes Sommerwetter geht irgend-
wie anders. Aber es soll ja besser werden – wäre schön!


Also harre ich der Wetterkapriolen, die da noch auf uns zukommen, und nutze die Zeit halt
weiter zum Kurzgeschichten schreiben. Das macht mir nicht nur Spaß, sondern ist auch eine
Beschäftigung, die die kleinen, grauen Zellen ankurbeln. Gerade bei diesem Wetter oder in
den Herbst- und Wintermonaten freue ich mich regelrecht darauf. Und meine Fantasie kennt
eh keine Grenzen.


Fotografiert habe ich auch mal wieder, wie man unschwer sehen kann. In diesem Jahr lässt
der Juli bisher allerdings zu wünschen übrig. Erst die wenigen sehr heißen Tage im Juni,
dann der starke Regen und die Abkühlung. Jetzt Stillstandswetter. Dennoch ist alles, bis auf
den Rasen grün – so grün, wie schon lange  nicht mehr. Hoffentlich bleiben uns wenigstens
extrem heiße Tage im Rest des Sommers erspart. Doch ich fürchte, dass die Temperaturen
schon zum kommenden Wochenende hin wieder klettern könnten.


~*~*~*~

Weltgeschehen ist, was es ist, und wird bleiben, was es ist – ein Chaos. Dafür sorgt der gute,
alte Donnyboy-Peacemaker schon – wie auch auf dem NATO-Gipfel. Oh, ich mag Menschen
nicht, die vor anderen Menschen buckeln und zu Kreuze kriechen, nur weil sie Nachteile
fürchten. »Männer«, die schleimen müssen, um den Narzissten bei Laune zu halten, sind  mir
hochgradig unsympathisch. Sie sollten sich endlich auf eigene Beine stellen und von nieman-
dem mehr abhängig machen. Erst recht nicht von einem selbstverliebten, egomanischen,
Gaga-Herrscher, der sich für den Mittelpunkt des Universums hält.
Der Rest der Welt sollte sich von diesem alten Mann, der sich – ohne mit der Wimper zu zucken,
als Jesus darstellt, endlich distanzieren und ihn komplett isolieren. Dann wird er merken, dass
es ohne die Kooperation zusammen mit anderen Ländern eben auch nicht geht. Diesen Typ
kann man doch nicht ernstnehmen. Was mich allerdings sehr freut, ist die Tatsache, dass er sich
mit dem Helden der Ukraine trifft und hoffentlich endlich dazu bereit ist, diesem geschundenen
Land und seinen Bürgern hilfreich beizustehen. Aaaaaber ich habe da mal wieder so meine
Zweifel - zumal der alte Donnyboy gerne auch mal stündlich seine Meinung ändert. Ein absolut unzuverlässlicher, arroganter, alter Mann, der immer wieder von allen gebauchpinselt werden
muss, um ihn bei Laune zu halten. Schlimm ist das! Warum lassen die sich so erniedrigen?
Nachdem Donnyboy das Ende der Waffenruhe im Iran verkündet hat, sind die Börsen mal
wieder in den Keller gepurzelt. Damit hat er die Börsen ein weiteres Mal manipuliert. Auf
diese Weise vermehrt sich sein Vermögen von allein.


 Der kleine Möchtegernzar ist ein anschauliches Beispiel dafür, was passieren kann, wenn
man sich für den Größten auf diesem Planeten hält. Der, da es für ihn bergab geht, seinen
Lautsprecher »vom größten Fehler der Europäer und vom Dritten Weltkrieg« schwafeln
lässt. Den größten Fehler hat er ja wohl selbst gemacht, indem er diesen sinnlosen Krieg
gegen die Ukraine begonnen hat. Ja, ihm schwimmen tatsächlich die Fälle davon. Das
merkt man an solchen Drohungen. Es wird sogar mit einem wirtschaftlichen Kollaps im
Zarenland gerechnet. Ja, wie dumm muss man denn sein, das Land vorzugsweise vor die
Wand zu fahren, sprich: zu ruinieren, anstatt diesen irrsinnigen Krieg zu beenden? Aber
da sein Charakter es nicht zulässt, als Verlierer und Versager dazustehen, muss man bei
diesem aggressiven Macho mit allem rechnen. Nur, was hätte er davon, wenn das Land
danach komplett in Schutt und Asche liegt? Immerhin hat er dann die NATO gegen sich.
Ich könnte mir vorstellen, dass er zu gerne bei diesem Treffen in Ankara im Kreis dieser
Persönlichkeiten dabei gewesen wäre, statt sich mit seinem kleinen, dicken Diktator und
dem großen Führer sowie einigen anderen seiner Verbündeten zu umgeben und von ihnen
abhängig zu sein. Aber mittlerweile hasst er den Westen, schon aufgrund der Tatsache,
dass der gesamte Westen hinter der Ukraine steht. Was der sich selbst eingebrockt hat, ist
wirklich erstaunlich – und er macht weiter und das ist unfassbar.
Na ja, ist seine Sache. Er muss mit diesem Krieg und den Folgen leben. Die Zarenländer
wenden sich jedenfalls in Massen ab und sollten endlich auf die Straße gehen und ihren
Möchtegernzar zur Hölle schicken. Schließlich sind sie in der Mehrzahl.
Und er sollte die Kampfhandlungen endlich einstellen! Die Menschen wollen in Frieden
leben.

Ich liebe meine Rosen

So, genug für heute! Ich schicke mich jetzt in die Küche, um das Frühstück zuzubereiten
und später am Nachmittag wieder dorthin zum Teekochen. Danach begebe ich mich mit
der Teekanne wieder zurück an den Schreibtisch, um mich auf die nächste Sommer-Kurz-
geschichte zu konzentrieren. Sollte das Wetter wider Erwarten doch schön werden,
schreibe ich eventuell draußen in der frischen Waldluft weiter. Vorher muss ich jedoch den
Laptop noch auf den neuesten Stand updaten, weil ich derzeit am großen Rechner schreibe.
Und ich liebe es zu schreiben :o)).
Die Happy-Sommer-Sonnen-Pause mit Kurzgeschichten geht also weiter.

~*~

Es gibt Bücher, durch die man alles erfährt und
doch zuletzt von der Sache nichts begreift.

Johann Wolfgang von Goethe (* 1749 ; † 1832)
war ein deutscher Dichter

~*~

PS: Was ich als ärgerlich empfinde, sind die hohen »Fake-Besucherzahlen« aus aller
Herrenländer – deren Anzahl zeitweise bis über 3000 pro Tag steigt. Das sind Web-
Crawler, oder sonstige Softwareprogramme hauptsächlich aus asiatischen Ländern, die
Webinhalte und E-Mail-Adressen abgreifen – zu welchem Zweck auch immer. Sie
verfälschen also die eigentliche Besucher-Statistik.

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Mittwoch, 8. Juli 2026

Das Schweigen der Glocken

Als das Kloster Sankt Gabriel vor fast vierhundert Jahren auf einem felsigen Höhenzug erbaut wurde, hieß es, die Mönche hätten den Ort nicht wegen seiner Schönheit gewählt. Vielmehr glaubten sie, dass sich dort oben Himmel und Erde näher seien als anderswo. Seit Jahrhunderten lebten dort nur wenige Brüder. Ihr Alltag verlief nach festen Regeln: Beten, Arbeiten, Schweigen. Die Mauern waren dick, die Gänge lang und kühl. Selbst an Sommertagen schien die Zeit zwischen den alten Steinen langsamer zu vergehen.


Eines regnerischen Herbstabends traf Bruder Lukas ein. Er war erst seit wenigen Monaten im Kloster und kümmerte sich um die umfangreiche Bibliothek. Sein freundliches Wesen machte ihn schnell beliebt. Vor allem Abt Benedikt erkannte seine außergewöhnliche Begabung für alte Handschriften. In der Bibliothek befand sich der größte Schatz des Klosters. Ein mittelalterliches Manuskript, dessen Herkunft niemand genau kannte. Es war mit kunstvollen Illustrationen versehen und seit Generationen unter Verschluss. Nur der Abt besaß den eisernen Schlüssel zur Truhe.

Eines Tages erschien Professor Konrad Weiss, ein Historiker aus der Stadt. Er wollte das Manuskript wissenschaftlich untersuchen. Nach langem Zögern stimmte der Abt zu. Drei Tage lang arbeitete der Professor schweigend zwischen den hohen Bücherregalen.
Am Abend vor seiner Abreise läuteten die Glocken ungewöhnlich lange. Die Brüder versammelten sich zum Nachtgebet. Nur Professor Weiss fehlte. Man fand ihn wenig später in der alten Skriptoriumskammer. Er saß auf einem hölzernen Stuhl, den Kopf auf den Schreibtisch gesunken. Vor ihm lag das geöffnete Manuskript. Der Professor war tot. Es gab keine Wunde. Keinen Kampf. Nur ein halb gefülltes Glas Rotwein und ein einzelnes Blatt Pergament, auf das jemand mit dunkler Tinte geschrieben hatte:

»Nicht jede Wahrheit gehört den Lebenden.«

Die Polizei aus der Kreisstadt traf erst am nächsten Morgen ein. Kommissarin Helena Falken war für ihre ruhige Art bekannt. Während ihre Kollegen nach Fingerabdrücken suchten, beobachtete sie die Menschen. Niemand weinte. Niemand sprach. Fast schien es, als hätten alle mit dem Tod gerechnet. Sie begann ihre Befragungen.
Bruder Lukas erzählte, der Professor habe kurz vor dem Abendessen aufgeregt gewirkt. Er habe mehrfach gesagt, er habe „etwas gefunden, das alles verändern werde“.
Der Gärtner des Klosters erinnerte sich daran, wie Professor Weiss am Nachmittag mit Bruder Anselum gestritten hatte. Bruder Anselum war der älteste Mönch. Fast neunzig Jahre alt. Blind. Doch geistig hellwach.

Als Helena ihn fragte, worüber sie gestritten hätten, lächelte er nur.
„Der Professor glaubte, Geschichte bestehe aus Tatsachen.“
„Und Sie?“
„Geschichte besteht aus Entscheidungen.“
Diese Antwort brachte die Kommissarin zunächst nicht weiter. Am zweiten Tag fiel ihr etwas Merkwürdiges auf. Jeden Abend wurden sämtliche Türen des Klosters von innen verriegelt. Niemand hätte das Gebäude verlassen können. Der Täter musste also einer der Anwesenden gewesen sein. Doch gegen wen sprach etwas? Der Professor war nicht vergiftet worden. Sein Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen.

Der Gerichtsmediziner vermutete zunächst einen natürlichen Tod. Aber Helena glaubte nicht an Zufälle. Sie untersuchte erneut das Manuskript. Dabei bemerkte sie, dass mehrere Seiten deutlich heller waren als die übrigen. Als hätte man sie vor langer Zeit ersetzt. Unter schrägem Licht erschienen winzige Einstichlöcher entlang der Bindung.
Jemand hatte Seiten herausgetrennt. Und äußerst geschickt durch Abschriften ersetzt.
Der Professor hatte dies entdeckt. Nun ergab der Streit mit Bruder Anselum plötzlich Sinn. Der alte Mönch wusste davon. Doch war er deshalb ein Mörder? Helena ließ das Pergament mit der rätselhaften Botschaft untersuchen. Die Tinte war frisch. Das Pergament dagegen über dreihundert Jahre alt. Es stammte aus derselben Werkstatt wie das Manuskript. Wer immer den Zettel geschrieben hatte, verfügte über Zugang zu den kostbaren Beständen.

Schließlich bat Helena alle Brüder in den Kapitelsaal. „Der Täter sitzt unter uns“, sagte sie ruhig. „Nicht weil er das Geheimnis des Manuskripts schützen wollte.“ Sie machte eine Pause. „Sondern weil er ein anderes Geheimnis fürchtete.“ Sie blickte zum Abt.
„Professor Weiss hat gestern Nachmittag nicht nur entdeckt, dass Seiten ersetzt wurden.“ „Er fand auch heraus, wer sie ersetzt hatte.“

Der Abt schloss die Augen. Langsam. Sehr langsam. „Vor dreißig Jahren“, begann er leise, „war das Kloster hoch verschuldet. Ein skrupelloser Sammler bot eine ungeheure Summe für einige Originalseiten des Manuskripts.“
Die Brüder blickten erschrocken auf.
„Ich glaubte, das Kloster retten zu müssen. Also verkaufte ich heimlich zwölf Seiten und ließ sie durch meisterhafte Kopien ersetzen.“
Stille.
„Professor Weiss erkannte den Betrug. Er wollte ihn veröffentlichen.“
„Aber deshalb haben Sie ihn nicht getötet“, sagte Helena.
„Nein.“
„Das glaube ich Ihnen.“
Sie wandte sich Bruder Lukas zu. Der junge Mönch war kreidebleich. 
„Sie haben gestern den Wein eingeschenkt.“
Er nickte kaum sichtbar.
„Sie wussten, dass Professor Weiss an einer schweren Erdnussallergie litt.“
Niemand verstand.
Helena hob die kleine Karaffe vom Tisch. „Im Wein befanden sich Spuren eines seltenen Nusslikörs.“
Bruder Lukas begann zu zittern.
„Schon wenige Tropfen reichten.“ „Sie wollten den Tod wie ein natürliches Herzversagen aussehen lassen.“
Tränen liefen über sein Gesicht. „Ich wollte das Kloster schützen“, flüsterte er. „Nicht den Abt.“ „Uns alle.“ „Wenn der Skandal bekannt geworden wäre, hätte man das Kloster geschlossen.“
„Aber dafür hatten Sie kein Recht, einen Menschen zu töten.“
Lange sagte niemand etwas.
Schließlich erhob sich Bruder Anselum.
Der blinde Greis ging langsam auf den jungen Mönch zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wer glaubt, eine Lüge retten zu müssen“, sagte er leise, „verliert zuerst die Wahrheit und am Ende sich selbst.“


Als Bruder Lukas von der Polizei abgeführt wurde, läuteten draußen die Glocken. Zum ersten Mal seit vielen Jahren klangen sie nicht wie ein Ruf zum Gebet. Sondern wie ein Abschied.
Und als Kommissarin Helena Falk das Kloster verließ, drehte sie sich noch einmal um.
Die Mauern standen unverändert im Morgenlicht. Doch sie wusste, dass alte Gebäude keine Geheimnisse bewahren. Das tun nur Menschen.

~*~*~*~

Zum Glück brauchst du Freiheit,
zur Freiheit brauchst du Mut.

Thukydides (um 454–398 v. Chr.)
war ein aus aristokratischen Verhältnissen
stammender antiker Athener General und Historiker

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Sonntag, 5. Juli 2026

Aus der Zeit gefallen

Angesichts des schönen Sommerwetters lege ich eine Sommerpause ein –
(auch wenn es endlich mal wieder geregnet hat) –, in der ich gelegentlich
eine Kurzgeschichte einstelle, sozusagen als leichte Urlaubslektüre.

~*~
Der Regen trommelte gegen die beschlagenen Scheiben des kleinen Antiquariats, in dem die Zeit keine Rolle zu spielen schien. Überall stapelten sich vergilbte Seiten, und der Geruch von altem Leder und Staub lag schwer in der Luft.


An einem massiven Eichentisch saß Gregor, ein Mann, dessen Gesichtszüge von gelebten Jahrzehnten erzählten. Ihm gegenüber saß Maira, eine junge Frau, die hektisch auf ihr Smartphone starrte, während ihr Fuß einen nervösen Takt auf den Holzdielen schlug.
Gregor beobachtete sie ruhig, nippte an seinem Tee und sagte leise: „Es läuft dir nicht davon, Maira.“
Maira sah auf, die Stirn in Falten gelegt. „Was läuft mir nicht davon? Die Bahn? Mein Projekt? Das Leben? Gregor, ich habe das Gefühl, ich renne permanent und komme trotzdem zu spät. Als würde die Welt sich drehen und ich versuche nur, mich an der Oberfläche festzukrallen.“
Gregor lächelte milde. „Du bist nicht zu spät. Du bist nur aus der Zeit gefallen.“

Maira legte das Telefon beiseite, sichtlich irritiert, aber auch neugierig. „Aus der Zeit gefallen? Das klingt wie eine romantische Umschreibung dafür, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege.“
„Nein“, entgegnete Gregor und deutete auf eine alte, tickende Standuhr in der Ecke. „Wir haben eine fundamentale Wahrheit vergessen. Die Griechen hatten zwei Wörter für die Zeit: Chronos und Kairos. Weißt du, was sie bedeuten?“
Maira schüttelte den Kopf.
„Chronos ist die messbare Zeit“, erklärte Gregor. „Das Ticken der Uhr, die Sekunden, die unbarmherzig verstreichen. Es ist die Zeit, die wir managen, optimieren und jagen. Sie ist linear und frisst ihre eigenen Kinder, wie der Mythos besagt. Aber Kairos... Kairos ist der Bruchteil einer Sekunde, der rechte Augenblick. Es ist die qualitative Zeit. Die Zeit, in der man vergisst, dass die Zeit existiert. Wenn du ein Buch liest und die Welt um dich herum verschwindet. Oder wenn du jemandem in die Augen schaust.“
„Und ich lebe nur noch in Chronos“, murmelte Maira und sah auf ihre Hände.
„Wir alle tun das“, sagte Gregor. „Die moderne Welt hat uns beigebracht, uns der Uhr zu unterwerfen. Wer aus diesem Takt ausschert, wer einen Moment lang innehält, um einfach nur zu sein, der gilt als verloren. Er fällt aus der Zeit. Aber vielleicht ist dieses 'Herausfallen' der einzige Weg, sich selbst zu finden.“

Maira stand auf und strich über den Buchrücken eines alten philosophischen Werks von Immanuel Kant. „Aber ich kann mich der Realität nicht entziehen, Gregor. Wenn ich langsamer mache, überholen mich die anderen. Die Welt verlangt Gleichzeitigkeit. Ich muss erreichbar sein, informiert sein, präsent sein. Immer.“

Gregor stand ebenfalls auf und trat an das Fenster, um auf die belebte, regennasse Straße zu blicken, auf der Menschen unter Regenschirmen vorbeihasteten.
„Weißt du, was das Paradoxon unserer Epoche ist?“, fragte er, ohne sich umzudrehen. „Wir haben die Distanzen verkürzt, wir kommunizieren in Lichtgeschwindigkeit, aber wir haben weniger Zeit als je zuvor. Der Philosoph Walter Benjamin sprach einmal davon, dass der Fortschritt ein Sturm ist, der uns unaufhaltsam in die Zukunft treibt, während sich vor uns die Trümmer der Vergangenheit anhäufen. Wir rennen vorwärts, ohne zu wissen, wohin, nur weil wir Angst haben, stehenzubleiben.“
„Und was passiert, wenn wir stehenbleiben?“, fragte Maira leise.
Gregor drehte sich um und sah sie fest an.
„Dann triffst du auf die Gegenwart. Und die Gegenwart ist ein unheimlicher Ort für den modernen Menschen, weil sie keine Ablenkung bietet. In der reinen Gegenwart bist du ganz auf dich selbst zurückgeworfen.“

Maira schwieg eine Weile. Das Ticken der Standuhr schien plötzlich lauter zu werden, aber seltsamerweise verlor es seine Bedrohlichkeit. Es war kein Countdown mehr, sondern ein Herzschlag.
„Manchmal fühle ich mich hier, bei dir im Laden, wie in einer Blase“, gab sie zu. „Es ist, als würde ich eine andere Dimension betreten. Ist das nicht auch eine Form von Flucht?“
„Vielleicht“, gab Gregor zu. „Aber es ist eine notwendige Flucht. Nenn es meinetwegen Anachronismus. Ein Anachronist zu sein, bedeutet nicht, die Gegenwart zu hassen. Es bedeutet, sich das Recht herauszunehmen, nicht mit jeder Mode und jedem Tempo der eigenen Epoche Schritt halten zu müssen. Es ist der philosophische Widerstand gegen die totale Beschleunigung.“
Er ging zurück zum Tisch und schob Maira eine frische Tasse Tee hin.
„Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, aus der Zeit zu fallen, dann wehre dich nicht dagegen“, sagte er sanft. „Begrüße es. Es ist die Seele, die dir signalisiert, dass dein innerer Rhythmus nicht mit dem künstlichen Takt der Maschinen übereinstimmt. Es ist kein Defekt. Es ist deine Menschlichkeit.“

Maira sah auf die dampfende Tasse vor sich. Sie spürte, wie der Druck in ihrer Brust, der sie seit Wochen begleitet hatte, langsam nachließ. Sie griff nach ihrem Smartphone, schaltete es ganz aus und steckte es in ihre Tasche.
„Was machst du?“, fragte Gregor schmunzelnd.
Maira lächelte, und zum ersten Mal seit Langem erreichte das Lächeln ihre Augen. „Ich feiere meinen Ausstieg. Zumindest für die nächste Stunde. Erzähl mir mehr über diesen Kairos, Gregor. Ich glaube, ich möchte ihn kennenlernen.“


Der Regen draußen ging weiter, die Uhren tickten unentwegt fort, doch an diesem Nachmittag, in diesem kleinen Laden, hatte die Zeit aufgehört, ein Feind zu sein. Sie war einfach nur da.
~*~*~*~

Die beste Zeit, zu tun, was einem guttut, ist jetzt.

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Mittwoch, 1. Juli 2026

Der Duft von Lavendel

Ich mag die Farbkombination lila/weiß in Blumenkübeln und in den Blumenkästen
auf den Fensterbänken am Haus. In diesem Jahr sind die Blumenkästen mit gefüllten
weißen Begonien und Lavendel bepflanzt. Lavendel pflanze ich besonders gerne in
die Blumenkästen an den Schlafzimmern, weil der Lavendelduft  die Mücken fernhält.


Aber nicht nur dort tut der Duft von Lavendel seinen Dienst. Ich habe z. B. mehrere kleine
Duftkissen und diverse Potpourrischalen, die ich im Sommer mit ein paar Tropfen reinem
Lavendelöl aus der Provence beträufel. Zudem trägt der Duft – auch aus den Duftschalen
auf den Nachttischen, zu einem guten Schlaf bei, da der Lavendelduft entspannend und
beruhigend wirkt.


 Auch im Garten habe ich Lavendel zwischen die Rosen gepflanzt. Dort hält der Duft die
Zecken vom Rasen fern und die Blattläuse von den Rosen. Jetzt blüht der Lavendel gerade.
Wenn er verblüht ist und zurückgeschnitten werden muss, ernte ich die Blüten und fülle
sie zusätzlich in kleine Kissen. Wenn man das Kissen ein wenig knetet, kommt der Duft
besonders gut zur Geltung. Andere binde ich an den Stilen zusammen und hänge sie kopf-
über in meinem kleinen Gartenhaus zum Trocknen auf.


Da bleiben sie dann den ganzen Winter über. Wenn ich dann, sobald es wärmer wird,
die Türe zum Gartenhäuschen öffne, strömt mir der Duft schon sehr intensiv entgegen.
Das ist nicht nur sehr angenehm, sondern hält auch alles Ungeziefer fern.

Anfangs empfand ich den Duft als gewöhnungsbedürftig. Inzwischen mag ich ihn
sehr gerne. Er passt zum Sommer und hat was von Urlaub, weil man ins Träumen
gerät, wenn man an Lavendel denkt.

Ich höre oder lese oft, dass alte oder ältere Menschen Probleme beim Einschlafen oder
Durchschlafen haben. Hier ist der Duft von Lavendel wirklich empfehlenswert.
Immerhin besser, als Schlafmittel jeglicher Art einzunehmen.

Die angekündigte Gluthitze hatte uns fest im Griff und beschert uns hohe Temperaturen.
An einigen Tagen zeigte das Barometer bereits gegen 10 Uhr: 27 Grad an. Gegen Mittag
klettert die Temperaturie zeitweise bis auf 34 Grad. Dann herrscht im Wald und Garten
tiefes Schweigen. Absolute Stille. Keine Vögelchen waren zu hören oder zu sehen. Alle
haben sich in den Schatten verzogen. Nur morgens und abends kommen sie wieder hervor,
um etwas zu futtern und zu trinken.
Die Pflanzen ließen die Köpfe hängen. Sie sahen ziemlich erschöpft aus, sodass ich mich
spätabends noch erbarmte, sie mit Wasser zu versorgen. Hinzukommt, dass kein Lüftchen
wehte. Die Luft stand still. Im Haus war es dagegen bei 26 Grad recht angenehm.
Leider hat es hier bisher weder ein Gewitter gegeben noch einen Regenschauer, obwohl
doch beinahe von allen Seiten vor schweren Unwettern gewarnt wurde. Der Regen wäre
sehr willkommen gewesen.
Hoffentlich haben wir ja Glück und der Regen stellt sich – wie angekündigt – morgen ein.
Derzeit ist die Temperatur im »normalen« sommerlichen Bereich, so um 25 Grad und
nachts waren es »nur« 18 Grad - ideal zum Schlafen. So, wie es im Sommer eigentlich
mal üblich war. Dennoch empfinde ich diese enormen Temperaturschwankungen von weit
über 30 Grad, und jetzt um 10 Grad wieder runter, als ziemlich belastend für den Körper. 
Nun ja, man ist eben nicht mehr die Jüngste ;o)).


Wie ich es so lange auf einer Tropeninsel ausgehalten habe? Nun, erstens war ich um
Jahrzehnte jünger. Zudem kletterte die Temperatur selten über 30 Grad und es wehte
immer ein angenehmer Passatwind vom Meer her. Heute würde ich dort allerdings
nicht mehr leben wollen. Nicht wegen des Klimas, oder und des Wetters – nein, wegen
der hohen Anzahl von Touristen, die der Insel ihren Charme und ihren natürlichen
Zauber genommen haben. Auch dort geht der Konsum inzwischen über alles. Leider
wird genau dieser Konsum der Welt überhaupt nicht guttun.


~*~*~*~

Dumpfe bange Wetterschwüle
Webt in dieser toten Luft
Und wie zitternde Gefühle
Wallt und wogt der Blumen Duft.

Ungesungne Lieder beben
Durch das Herz mir wild und schwer,
Schwalben gleich, die angstvoll schweben
Über dem erzürnten Meer.

Sophie von Khuenberg *1863 ; † 1937)
war österreichische Schriftstellerin

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Montag, 29. Juni 2026

Das verlorene Land

Was ist aus dem Land geworden, 
das einst so vertraut mir war.
Das Land scheint jetzt verloren,
und stellt sich so ganz anders dar.


Vorbei die Leichtigkeit der Jugend,
das Gefühl  der Geborgenheit.
Verlorene Werte und die Tugend,
friedlich unbekümmerte Heiterkeit.

Das Land hat sich verändert,
fremd geworden ist es mir
Kulturen aus fremden Ländern,
die Sprache verstehe ich nicht mehr.


Wie vermisse ich die alte Heimat,
das Gefühl, hier gehöre ich hin.
Ein Leben lang war sie eine Wohltat,
hier konnte ich sein, wie ich bin.

Die gute, alte Zeit ist vorüber,
die Zeit der Vertrautheit ist vorbei.
Es wird nie wieder sein, wie früher,
ein neues Zeitalter bricht nun ein.


Das Land, es ist für immer verloren,
auch ohne Krieg und Gewalt.
Ein neues Land wird geboren,
fremd, dunkel, einsam und kalt.

Der Verlust der Heimat, er wiegt schwer,
begleitet von Wehmut und Trauer,
das Land meiner Erinnerung
und Väter, das gibt es nicht mehr.


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Stand with Ukraine
🙏 God bless the people of the world, except the warmonger 🙏
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🐭 Bilder mit KI erstellt by Lauras Home and Garden 🐭
Gedicht © Ursula Evelyn 2026 

Freitag, 26. Juni 2026

Die Prophezeiung

und die stammt nicht von mir, sondern von einem Blogger aus dem Zarenland.
Dieser Zarenland-Blogger sagt voraus: »Wir werden vernichtet. Das Land stecke
in einer verdammten Katastrophe.« Womit er absolut recht hat, wenn das alles
stimmt, was man so über die Lage im Zarenland und von der Front liest.


Nur, hoffentlich hat der kleine, alte, brutale Zar nicht gelesen, was dieser Blogger schreibt.
Denn falls er diese Prophezeiung gelesen oder gehört hat, sollte sich dieser Blogger nicht
in der Nähe eines Fensters oder in einem Auto aufhalten und keine Pilze essen. Es könnte
allerdings für den Rest seines Lebens auch ein ständiger Wohnsitz irgendwo in Jamal auf
ihn warten. Immerhin hat er ausgesprochen, was inzwischen viele Bürger des Zarenlandes
ebenfalls denken, aber nicht laut äußern dürfen. Insbesondere die Oligarchen werden ziem-
lich nervös. Aber nicht nur die, auch der Lügenbaron und der kleine, alte Zar selbst scheinen
so allmählich Muffensausen zu bekommen. Daher lässt das Regime vorsichtig durchblicken,
dass es zu Gesprächen bereit sei. Allerdings werfen sie dem großartigen Mr. Peacemaker vor,
sich nicht an die Vereinbarungen zu halten, die in Alaska besprochen wurden. Welche das
gewesen sein könnten, bleibt ein  Rätsel. Man kann jedoch vermuten, dass es sich dabei aus-
schließlich um Vorteile für den kleinen, alten Zaren handelt.

Das wiederum könnte bedeuten, dass der großartige Peacemaker die Ukraine bisher nicht
ausreichend unter Druck gesetzt hat. Das hat nun zur Folge, dass das Zarenland-Regime
die Geduld verliert und dem Peacemaker vorwirft, sich den Anti-Zarenland-Politikern ange-
nähert zu haben. Also den Politikern der EU u.a. Das wiederum kann als ein Zeichen dafür
gedeutet werden, dass der kleine, alte Zar, den großartigen Peacemaker, ausschließlich für
seine eigenen Zwecke umschmeichelt hat. Was offensichtlich war. Hegte der kleine, alte Zar
doch die Hoffnung, der alte Peacemaker würde den Helden der Ukraine dazu bewegen, den
unverschämten Forderungen des Zaren-Regimes zuzustimmen.
Gut, dass der Held der Ukraine sich darauf nicht eingelassen hat. Denn jetzt bekommt das
Zaren-Regime, was es verdient. Heftig eins auf die Mütze in Form von heftiger Gegenwehr
und Angriffe auch auf Ziele im tiefen Zarenhinterland. An Tankstellen wird sogar die
Abgabe von Benzin mittlerweile begrenzt, weil die ukrainischen Angriffe auf Öldepots,
Raffinerien sowie auf Pipelines und die Energieversorgung dazu geführt haben, dass der
Treibstoff knapp geworden ist. Das Regime hat inzwischen den Export von Rohöl gestoppt
und muss Treibstoff aus Kasachstan importieren, während die Preise immer weiter steigen.
Das kommt davon. Meine Großmutter (Gott hab sie selig!) würde jetzt sagen:
»Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.«


Kein Wunder also, dass der kleine, alte Zar dringend einen Ausweg aus seiner misslichen
Lage sucht und wieder alle Hoffnung auf Vermittlungsgespräche setzt. Mit wem auch
immer. Wie es aussieht, hat der Peacemaker jetzt allerdings das Interesse verloren, seinem
Ex-Buddy weiterhin hilfreich zur Seite zu stehen. Man führt die plötzliche Wende des Peace-
makers auf den G-7-Gipfel zurück und darauf, dass er jetzt hinter der Ukraine steht, weil sich
das Land erkennbar im Vorteil gegenüber dem Zarenland befindet. Das hat dazu geführt, dass 
sich der Ton aus dem Zarenland gegenüber dem Ex-Buddy Donny verschärft hat. Das Ver-
trauen sei verschwunden. Und so fordert der Lügenbaron Klarheit darüber, was auf dem
G-7-Gipfel passiert ist. Diese neuerliche Panik des Regimes erweckt den Anschein, als
werfe man dem ehemaligen »Buddy« des kleinen, alten Zaren vor, die Seiten gewechselt
zu haben. Doch dieser umgibt sich vorzugsweise lieber mit Siegern als mit Verlierern.
Zudem wird er sich, sollte es zu einem langfristigen Frieden kommen, den Lorbeerkranz
für den Erfolg selbst  aufsetzen wollen.

Diese beiden alten Männer, haben wahrlich ein großartiges Unterhaltungspotential. Wäre
die Lage nicht so ernst, könnte man sich über deren Show, die sie vor der gesamten Welt
veranstalten, wirklich köstlich amüsieren. Nachdem sich beide großspurig aufgespielt und
der  Welt als mächtige Herrscher präsentiert haben, stehen sie nun als Verlierer und
Versager da. Das hat schon etwas Amüsantes.

Aaaaber, jetzt, nachdem die Aussicht für den kleinen, alten Zaren, aus diesem sinnlosen
Krieg als Gewinner hervorzugehen, immer geringer wird, droht er mal wieder mit Atom-
waffen. Ob der große Führer des Reichs der Mitte damit einverstanden wäre, steht schon
wieder auf einem ganz anderen Blatt. Denn da wäre ja auch noch der kleine, dicke Diktator,
der von beiden umgarnt wird. Also vom kleinen, alten Zaren und vom großen Führer. Also
so für den Fall aller Fälle.


Bemerkenswert ist noch die Tatsache, dass der Diktator in Belarus, den Drohungen des
Helden der Ukraine, nachgegeben und die Technik für die Drohnen gegen das Zarenland,
abgeschaltet hat. Well done! Er scheint sich ebenfalls eher auf die Seite der Sieger zu 
bewegen, als einen Verlierer weiterhin zu unterstützen. Ein weiteres Problem für den
kleinen, alten, brutalen  Zaren. Wenn er jetzt noch vom großen Führer und vom kleinen,
dicken Diktator im Stich gelassen wird - im Falle des Falles, steht er ganz allein da auf
weiter Flur.
Wenn man bedenkt, dass dieser sinnlose, irrsinnige Krieg jetzt schon länger, als der
Erste Weltkrieg dauert, zudem über 1.3 Millionen Soldaten getötet oder verletzt wurden
und ein außerordentlicher wirtschaftlicher Schaden für das Zarenland entstanden ist, kann
man wohl davon ausgehen, dass der kleine, alte Zar jetzt selbst in größten Schwierigkeiten
steckt. Zumal er sich das alles selbst eingebrockt hat. Das könnte man auch zynisch als die
Ironie des Schicksals bezeichnen. Warum zieht er seine Soldaten nicht einfach ab?
Er sollte sich ernsthaft überlegen, zumindest auf das Angebot eines Waffenstillstandes
einzugehen, bevor die Lage für ihn vollkommen aussichtslos ist. Die Frage ist, welche
Möglichkeit es für ihn gibt, aus seiner Misere gesichtswahrend hervorzugehen. Nicht
einfach, denn ein Verlierer und Versager bleibt er in jedem Fall und das weiß die gesamte
Welt. Die Welt kann derzeit live verfolgen, wie sich ein vormals stolzes Land selbst zerstört,
genauer gesagt vom großen Möchtegernzar zerstört wird. Für den ist so ziemlich alles
dumm gelaufen. Ein alter Mann, der als großartiger Rückeroberer der ehemaligen Sowjet-
union in die Geschichte eingehen wollte und letztlich doch kläglich versagte.
Sollte er sich allerdings dermaßen in die Enge getrieben fühlen und keinen anderen
Ausweg sehen, also weiterhin auf seine Maximalforderungen bestehen und nicht die
Größe besitzen, auch Kompromisse einzugehen, dann könnte er sich tatsächlich ge-
zwungen sehen, bis zum Äußersten zu gehen. Das wäre allerdings eine noch größere
Dummheit, als die, die er gemacht hat, als er seinen sinnlosen Krieg begann.
Aber wer weiß schon, wozu dieser kleine, brutale, alte Mann fähig ist, wenn er nichts
mehr zu verlieren hat. Man darf nicht vergessen – er ist ein Macho und sehr aggressiv.
Jetzt spielt der kleine, brutale, alte Zar seine (vorerst) letzte Karte aus und zwingt seine
Bürger zum Kriegsdienst. Es folgen Razzien und Zwangsrekrutierungen, weil ihm die
Soldaten an der Front ausgehen. Das sorgt für Aufruhr. Geht er so weit, alle Männer des
Landes für seinen Egotrip zu opfern? Die meisten überleben nicht einmal die ersten Tage.
Außerdem müssen sie hungern und werden teilweise misshandelt.
So war es jedenfalls zu lesen.

Nicht zu vergessen, welche Mengen an Dreck durch die
brennenden Ölraffinerien in die Umwelt gelangen –
auch das geht auf die Kappe
 des kleinen, brutalen, alten Zaren.

~*~*~*~

Der Charakter des Menschen ist sein Schicksal.

Heraklit (* um 520 v. Chr.; † um 460 v. Chr.)
war ein vorsokratischer Philosoph

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