Donnerstag, 29. Oktober 2026

Keine Zeit, alt zu werden

Das Problem mit dem Altwerden war, dass Martha schlicht keine Zeile mehr im Terminkalender dafür freihatte.
Es war Dienstagmorgen, Punkt sieben Uhr. Martha, achtzig Jahre jung, saß in ihrer lichtdurchfluteten Küche. Neben ihr dampfte eine Tasse Earl Grey, vor ihr duftete ein frisches Brötchen und daneben leuchteten zwei Bildschirme. Wie jeden Morgen war es die Zeit, sich über das Weltgeschehen zu informieren, während zu ihren Füßen Pauline und Clementine – zwei betagte Hündinnen – leise im Takt ihrer Träume schnarchten.


„Martha“, hatte ihre Nachbarin Frau Lübbens neulich über den Gartenzaun gerufen, während Martha gerade auf eine Stehleiter stieg, um die Kletterrose am Rosenbogen festzubinden, „solltest du in deinem Alter nicht etwas kürzertreten? Mal die Beine hochlegen? Ein Rätselheft lösen?“
Martha hatte damals kurz innegehalten, die Rosenschere in der Hand balanciert und geantwortet: „Hildchen, mein Kind, fürs Beine-Hochlegen habe ich frühestens 2046 Zeit. Da feiere ich meinen Hundersten, und da muss ich nachmittags vielleicht mal zwei Stunden schlafen, bevor die Feier steigt.“
Frau Lübbens hatte nur verständnislos mit dem Kopf geschüttelt. Aber Frau Lübbens verstand eben auch nicht, was es bedeutete, ein »digitales Imperium« und einen Naturgarten gleichzeitig zu führen.

Marthas Tag folgte einer strengen, aber hochgradig vergnüglichen Logik:

07:30 Uhr: zehn Minuten Gymnastik. Danach eine Hunde-Runde durch den Taunebel. Pauline brauchte zwanzig Minuten, um ihren Lieblingsbaumstamm zu beschnuppern, was Martha die perfekte Gelegenheit bot, auf dem Smartphone den Entwurf für ihren neuesten Blogbeitrag einzusprechen. Titel: »Warum KI-Bilder die neue Aquarellmalerei sind – und warum mein Komposthaufen schöner ist als euer Algorithmus.«
09:00 Uhr: Die digitale Kunststunde. Martha fütterte eine künstliche Intelligenz mit Prompts. »Ein barocker Pavillon aus Farnen, beleuchtet von Glühwürmchen, im Stil von Monet, hochauflösend.« Wenn das Ergebnis erschien, korrigierte sie schmunzelnd: »Ach, du dummes Kistchen, Farn hat doch keine Blüten!«, passte den Prompt an und lud das meisterhafte Bild direkt auf ihren Blog hoch.
10:00 Uhr: Eine weitere Stunde, um die neuesten Nachrichten aus aller Welt zu lesen und ihre Meinung dazu in ihrem Tagebuch festzuhalten.
11:00 Uhr: Gartenzeit. Unkraut zupfen, Laub fegen, Tomaten ausgeizen, mit den Amseln debattieren und eine Weile die Vögel am Futterhäuschen beobachten.
14:00 Uhr: Einem kleinen Imbiss folgt bei gedämpfter Hintergrundmusik eine zeitlang intensives, tiefes Denken. 
Nachmittags: Schreiben an ihrem ersten Kriminalroman: »Der Mörder war immer der Gärtner – außer wenn die KI den Hinweis fand.« Und das Essay über Kant lesen, dessen Aufruf:  «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen», sie ganz besonders beeindruckt hat.


Eines Nachmittags jedoch geschah es. Martha saß am Schreibtisch, als sie plötzlich ein Zwicken in der Hüfte spürte. Ein dumpfer, ziehender Schmerz, der leise flüsterte: »Erinnerst du dich? Du bist achtzig. Zeit für den Schaukelstuhl. Zeit für das Alter.«
Martha hielt inne. Sie blickte auf ihre Hände. Die Haut war faltig, gezeichnet von Jahrzehnten in der Sonne, bedeckt mit feinen Pigmentflecken. Einen Moment lang war es ganz still im Raum. Das Alter stand wie ein ungebetener Gast in der Tür, zog den Hut und wollte sich auf das Sofa setzen.
Martha sah auf die Uhr. Es war 15:42 Uhr. „Ach, verdammt“, murmelte Martha leise. „Ausgerechnet jetzt.“ Sie sah das Alter direkt an – gedanklich natürlich. „Hör mal“, sagte sie laut zu der leeren Zimmerecke. „Ich verstehe dein Anliegen. Wirklich. Achtzig ist ein schönes, würdevolles Alter für ein bisschen Rheuma und eine Tasse Fencheltee. Aber du kommst denkbar ungelegen.“ Sie tippte auf die Tastatur. „Ich habe gerade fünfzig Kommentare auf meinem Blog, die beantwortet werden wollen. Die KI generiert mir seit zehn Minuten keinen gescheiten Drachen für das Cover von Kapitel vier. Pauline hat gleich ihre Physiotherapie, und wenn ich die Kürbisse im Garten nicht gieße, trocknen sie aus.“ Sie stand auf. Die Hüfte knackte vernehmlich – wie ein trockener Ast im Wind. Martha lächelte. Es war kein Ignorieren des Körpers, es war eine liebevolle Vereinbarung. Sie griff nach der Hundeleine, woraufhin Pauline und Clementine sofort die Ohren spitzten und freudig mit den Schwänzen auf den Dielenboden klopften.


„Weißt du“, sagte Martha, als sie die Haustür öffnete und die frische Nachmittagsluft einatmete, „alt zu werden ist keine Frage der Jahre. Es ist eine Frage der freien Zeit. Und solange ich noch wissen will, wie die Geschichte ausgeht, wie das nächste Bild aussieht und ob die Pfingstrosen im Frühjahr wieder blühen, bin ich einfach viel zu beschäftigt und habe keine Zeit, alt zu werden.“
Sie ging los. Die Schritte waren vielleicht etwas langsamer als vor zwanzig Jahren, aber sie führten genau dorthin, wo das Leben gerade am spannendsten war: mitten ins Nächste.
Das Alter wartete noch eine Weile auf dem Sofa, trank aber mangels Gesellschaft seinen Tee allein aus und beschloss schlussendlich, später noch einmal vorbeizuschauen. Martha hatte schließlich Besseres zu tun und keine Zeit, sich um das Alter zu kümmern.

~*~
  Alter ist nur eine Zahl, die Leidenschaft kennt kein Verfallsdatum
Sprichwort

~*~*~*~*~*~*~*🗽*~*~*~*~*~*~*~
To our American friends!
What could be more important than to fight for peace,
freedom, and democracy, and to stand up against
oppression and autocratic governments?


Who wants to live under an autocratic government -
or even in a dictatorship? 

I wish you all the best on Midterm Election Day and
I hope that you succeed in
preserving your country as a democratic nation.
I hope so much you can prevent your country from becoming an autocracy.
It is the most important election in American history.

I'm keeping my fingers crossed!

GO VOTE! VOTE!  VOTE!
Vote for Democracy—otherwise,
The Land of Free will change drastically for the worse.

 ~*~

Democracy, the practice of self-government,
is a covenant among free men to respect the Rights
and liberties of their fellows.

Franklin D. Roosevelt  (* 1882 ; † 1945),
32nd President of the United States
He was a member of the Democratic Party
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~*~
Please stand with Ukraine and help!
Hört endlich auf, Kriege zu führen und Menschen zu töten!
Wer gibt euch überhaupt das Recht dazu?
🙏 God bless the people of the world, except the warmonger 🙏
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🌟 Bilder mit KI erstellt by Lauras Home and Garden🌟

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