Montag, 11. November 2019

Die leeren Seiten

 Manchmal bleiben sie tagelang, ja wochenlang leer. Unberührt, weiß,
warten sie darauf, mit Worten gefüllt zu werden. Eins dieser kleinen
Büchlein habe ich, wenn ich unterwegs bin, immer in meiner Handtasche
bei mir. Zu oft gingen mir entweder eine Idee, ein Geistesblitz oder
Gedanken durch den Kopf, an die ich mich später zu Hause beim besten
Willen nicht mehr erinnern konnte. Sie waren weg, nicht mehr abrufbar -
mir aber wichtig. Und so habe ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, ein
solches Büchlein bei mir zu haben, um diese Gedanken gleich notieren zu
können. Sie dienen mir seither als Gedankenstütze.
 
 
Zu Hause liegen die größeren Kladden überall herum. Mal in dem einen, mal in
dem anderen Zimmer. Sogar in der Küche liegt eine solche Kladde bereit, weil
es schon vorkam, dass mir beim Kartoffelschälen etwas im Kopf herum
geisterte, seien es die ersten Zeilen eines Gedichtes, ein spontaner Gedanke
oder eine plötzliche Erkenntnis, die sofort notiert werden musste. Eine Kladde
hat ihren festen Platz auf meinem Nachtisch. Es gelingt mir nämlich immer
öfter, mich am frühen Morgen noch an meine Träume zu erinnern und die
schreibe ich dann gleich auf. Manchmal  mache ich mir sogar die Mühe und
schaue später nach, was diese Träume bedeuten könnten. Gleichzeitig wundere
ich mich allerdings darüber, dass ich es überhaupt in Betracht ziehe, eine
einigermaßen plausible Erklärung bzw. Deutung für das merkwürdige Geschehen
im Traum zu finden. Ich denke selbst Siegmund Freud hätte mir nicht weiter-
helfen können oder sich vielleicht köstlich amüsiert.


Geschrieben habe ich allerdings immer schon gerne. Bereits als Kind kannte
meine Fantasy kaum Grenzen. Das habe ich wohl meinem Vater zu verdanken.
Er war ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Er besaß die Fähigkeit, sich die
spannendsten, lustigsten und traurigsten Geschichten auszudenken - einfach
so aus dem Stegreif - heraus. Damals gab es noch keinen Fernseher, nur Bücher
und ein Radio. Oft durften wir Kinder abends in der warmen Stube davor sitzen
und Hörspielen lauschen, während vor dem Fenster dicke Flocken vom Himmel
rieselten und im Ofen ein Feuer knisterte. Das werde ich nie vergessen. Es war
so heimelig, so warm, so behaglich. Wahrscheinlich genieße ich deshalb im
Winter auch heute noch diese wunderbare Kaminofenwärme und das behagliche
Wohlgefühl, welches mich durchströmt, wenn ich das lodernde Feuer beobachte.
 


Dieser Spruch stammt nicht von mir, der Autor ist leider unbekannt, aber
er ist so zutreffend, dass er in einem meiner Büchlein verewigt wurde.

Wie oft lassen wir uns tatsächlich vom Äußeren eines Menschen täuschen
und sind dann positiv überrascht, wenn wir ihn näher kennen lernen.
Und wie oft sind wir auf Menschen reingefallen, deren äußerer Schein uns
blendete und wir erst sehr viel später einen Blick hinter die Fassade dieses
Menschen werfen konnten, wo sich sein wahres Ich verbarg.
Menschen geben sich ganz selten so, wie sie wirklich sind. Das ist so eine
Art Selbstschutz, um niemanden zu nah an sich heranzulassen.
Andere meinen einen Mensch an seinen Worten oder Taten erkennen zu
können und be- oder verurteilen ihn danach. Selten machen sich Menschen
die Mühe zu fühlen, wie ein anderer Mensch wirklich ist.
  
„Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist.“
Niccolo Machiavelli

 Heute findet Kommunikation immer häufiger in den Sozialen Netzwerken
statt. Es wird viel geschrieben und alle - jedenfalls die meisten - sind nett
zu einander. Sie zeigen sich alle von ihrer Schokoladenseite, keiner käme
auf die Idee, auch seine dunkle Seite preiszugeben, die schließlich auch in
jedem Mensch steckt. Es macht sich aber auch kaum jemand die Mühe,
wirklich herauszufinden, welcher Mensch hinter den geschriebenen Worten
steckt. Es interessiert die Menschen nicht wirklich, sie sind nur daran
interessiert, Gleichgesinnte zu finden. Menschen, die ihre Ansicht und ihre
Meinung bestätigten. Deshalb sind auch alle so nett und schreiben, was der
andere hören, bzw. lesen möchte. Kontroverse Meinungen sind sehr selten.
Die meisten scheuen sich davor, ehrlich zu schreiben was sie wirklich denken,
schließlich möchte man niemanden vor den Kopf stoßen. Also stimmen alle in
das gegenseitige Loblied ein.

Dabei sind es gerade die Andersdenkenden, die oftmals einen Denkanstoß
auslösen, der dem Gegenüber die Gelegenheit bietet, seine Ansicht einfach
mal zu überdenken und die Dinge vielleicht aus einer anderen Perspektive
zu betrachten. Aber auch das scheuen die Menschen, weil das darüber
Nachdenken mit etwas mehr Anstrengung und Zeitaufwand verbunden ist.
Es siegt die Bequemlichkeit. Dafür mangelt es an Toleranz, Einfühlungs-
vermögen, Respekt und Verständnis.


Das ist vielleicht sogar der Grund, warum dieses Land so gespalten ist.
Die meisten Menschen sind so von ihrer eigenen Meinung überzeugt,
dass sie keine andere Meinung mehr zulassen.
Die einen beharren und folgen der Meinung des Mainstreams und die
anderen verharren auf der konträren Seite.
Dadurch sind Dialoge und Diskussionen unmöglich geworden !

Ich habe mir inzwischen angewöhnt mich nur noch mit Freunden und
Menschen die mir nahestehen, auseinanderzusetzen.
Alles andere ist vergebene Liebesmühe und Verschwendung
kostbarer Lebenszeit.

~*~

Nicht Sieg sollte der Zweck einer Diskussion sein,
sondern Gewinn.
Joseph Joubert
französischer Schriftsteller

~*~

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1 Kommentar:

  1. Es ist nicht so einfach eine andere Meinung laut auszusprechen gegen über den anderen.. oft habe ich selbst so viel negatives erfahren, zu oft ärger und Wut entgegen geschleudert bekommen wenn ich eine andere Darstellung kund getan habe. Es mus slieb und nett sein so oberflächliches. Ich habe Jahre lang Blogs gehabt mit meiner Vergangenheit was ich erlebte um es ans Licht zu bringen dass die Menschen aufgerüttelt sind hey das gibt es heute noch und schon seit ich Lebe ich bekam Mitleid aber keine Fragen dazu nur ach du arme und schwupp waren sie wieder verschwunden. Heute führe ich ein positives Leben das ich zeige aber meine dunkle Seite will keiner was wissen da geht keiner drauf auf diesen Bericht 0 ist es dass die Menschen den Kopf in den Sand stecken so bald es unangenehme Dinge geht. Mir hat mal eine Frau konrekt geschrieben verschwinde das will keiner hören aber ich habe weiter geschrieben. Das einzige gute war dass ich die erreicht habe die dasselbe erlebten und bedankten sich dass ich den Mut hatte, dass zu veröffentlichen. Mir hat es meine Freiheit zurück gebracht da ich es laut aussprach komme was kommen wollte.
    Auch ich habe Angst auf Rückweisung, ehrlichkeit abe rist mir immer noch das grösste gut und ich kann auch sagen es tut mir leid ich lag da falsch und du hast recht so kann ich was lernen.
    Deine zwei Zitate sagen alles aus, auch ich trage noch eine Maske was ich früher immer eine getragen habe, bis ich sie mir runter gerissen habe Gefühle zeigte, die Mauer die zu eng wurde und einzelnd die Steine abgetragen habe.. der Sieg stimmt ist nicht das wa sman will sondern da sgewonne sich selbst gefunden zuhaben und sein ich so natürlich zu erleben gegen über den anderen.
    Das wollte ich mal schreiben ein wenig von mir Eindrücke und du hinterlässt nach diesem Posting eine nachdenkliche Frau die wieder vieles mit nehmen kann um in die Welt zu gehen sich gestärkt zu fühlen das zu schreiben was mir wichtig ist zum Beispiel Gefühlswelt und zu lesen was andere meinen und das mit Diskutieren mit anderen Menschen wie mein Schatz daheim. Ich schreibe auch gerne Geschichten und verfasse sie die Realtät in ein Märchenform.
    Ich habe viele Zeichenblöcke was du in Noitzbücher hast überall liegen, weil ich male es auf und so kommen mir die Worte dazu erst.
    Herzlichst grüsst dich Elke

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Danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit für ein paar nette Worte nimmst.

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