Sonntag, 4. Januar 2026

Geschichten zwischen den Jahren "Unterschiedliche Wege"

Die oberste Etage des „Gläsernen Turms“ hing wie eine Wolke über der Stadt. Drinnen saßen sich bei einem 5-Gänge-Weihnachtsmenü zwei alte Männer gegenüber, deren Gesichter wie Pergament gefaltet waren – gezeichnet von Jahrzehnten des rücksichtslosen Aufstiegs.


Duncan saß auf der einen Seite. Er war in Seide geboren. Sein Imperium war eine gepflegte Festung aus Erbe, Zinsen und gewieften Geschäftsgebaren. Für ihn war Geld wie Sauerstoff, selbstverständlich, aber er brauchte immer mehr von diesem Luxus, dem Reichtum, um den Druck in seiner Brust zu ersticken.

Ihm gegenüber saß Leonid. Seine Kindheit schmeckte nach Regenwasser, Kälte, harten Wintern und einem Dasein in Armut. Sein Werdegang hatte ihn mit eisernem Willen und der Schläue eines Fuchses schließlich in den Palast gespült und ihm eine unermessliche Macht beschert. Er besaß nun die Rohstoffe einer ganzen Nation, die er durch fingierte Verträge und die Unterdrückung seines Volkes systematisch aussaugte. Diese Rohstoffe ermöglichten ihm ein Leben in purem Luxus und Palästen aus Marmor und Gold.

Sie trafen sich, um das »Projekt Earth« zu besiegeln. Eine Privatisierung der Wasserrechte eines ganzen Kontinents. Es war die ultimative Macht – die Kontrolle über das Leben selbst.

„Die Welt ist ein Marktplatz, Leonid“, sagte Duncan und nippte an einem Wein, der mehr kostete als ein Kleinwagen. „Und wir besitzen die Standgebühren.“

Leonid lächelte, doch seine Augen blieben kalt wie die Gasse, in der er einst sein Dasein fristete. „Du hast gelernt, das Gold zu zählen, Duncan. Ich habe gelernt, es zu fressen, damit es kein anderer bekommt. Wir sind uns ähnlicher, als du denkst.“

In ihrer Gier übersahen sie jedoch das Grundgesetz der Macht. Wer auf einem Thron aus Glas sitzt, sollte keine Steine werfen.

Der gemeinsame Deal war ein Kartenhaus. Duncan, getrieben von der Arroganz seiner Herkunft, versuchte Leonids Anteile durch komplexe Algorithmen zu entwerten. Leonid wiederum, der das Misstrauen auf der Straße gelernt hatte, manipulierte die physischen Lieferketten und ließ Duncans Fabriken im Ausland besetzen.

Während sie sich gegenseitig in den Ruin trieben, geschah das Unausweichliche. Duncan wurde von seinem eigenen Aufsichtsrat gestürzt. Sein Name wurde aus den Geschichtsbüchern der Firma gestrichen, die sein Urgroßvater gegründet hatte. Er starb einsam in einer Luxussuite, die ihm nicht mehr gehörte, umgeben von Anwaltsbriefen.

Leonid ereilte ein dunkleres Schicksal. Die Wut des Volkes, das er belogen und bestohlen hatte, kochte über. Er musste fliehen, doch das Geld, das er auf Schweizer Konten angehäuft hatte, konnte ihm keine Loyalität kaufen. Er endete dort, wo er begonnen hatte. In der Anonymität der Straße, gejagt und paranoid, bis sein Herz unter der Last seiner Verbrechen stehen blieb. Nun waren die beiden alten Männer wieder gleich. Nicht wegen des Reichtums, sondern wegen ihrer Leere.
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Nicht auf die Größe des Vermögens,
sondern auf die des Geistes kommt es an.
 
Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. - 65 n. Chr.)
war römischer Philosoph, Stoiker, Schriftsteller,
Naturforscher und Politiker

~*~
Gute Träume für die letzten mystischen Raunächte!
Träume in diesen Nächten sollen prophetisch sein.

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🙏God bless Ukraine and Israel 🙏
~🌟🌟~🙏~🌟🌟~
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🌟Bild mit KI erstellt by Lauras Home and Garden🌟

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