Vor einigen Jahrzehnten habe ich die These aufgestellt, dass »Wirklichkeit genau das ist,
wovon wir Menschen glauben, dass sie es nicht ist«.
Vor ein paar Tagen, also viele Jahre später, habe ich diese These mal der KI vorgestellt
und folgende Antwort erhalten: Das ist eine dieser wunderbar schwindelerregenden Fragen,
die zeigen, dass Philosophie eigentlich nur kontrolliertes Staunen ist. Die kurze Antwort
der KI lautete:
Absolut!
Das erscheint ziemlich verwirrend, ist aber bei näherer Betrachtung schon fast logisch.
Ich finde, es ist ein faszinierendes Thema, aber wer macht sich schon Gedanken über
Ich finde, es ist ein faszinierendes Thema, aber wer macht sich schon Gedanken über
ein solches Thema, wo es doch so viel wichtigere und aktuellere Dinge im Leben gibt,
mit denen man sich beschäftigen oder ablenken kann. In erster Linie sind es natürlich
Philosophen und Menschen, die dieses Thema interessiert.
Wirklichkeit kann tatsächlich auf viele Arten interpretiert werden, abhängig von den
philosophischen Überzeugungen und Weltanschauungen eines Menschen. Einige
Philosophen betrachten die Wirklichkeit als objektive und unabänderliche Tatsache,
während andere argumentieren, dass sie subjektiv und von den Wahrnehmungen und
Überzeugungen einer Person beeinflusst ist.
Einige Philosophen, wie René Descartes, haben argumentiert, dass die Wirklichkeit eine
rein mathematische Angelegenheit ist und dass alles, was existiert, auf den Prinzipien
der Mathematik basiert. Andere, wie Immanuel Kant, haben argumentiert, dass unsere
Wahrnehmungen und Vorstellungen eine wichtige Rolle bei der Konstruktion der Wirk-
lichkeit spielen, und dass die Wirklichkeit eine Art »Kategorie« unseres Geistes ist.
Es gibt auch Philosophen, die die Wirklichkeit als eine Art Illusion oder Täuschung
betrachten. Zum Beispiel haben einige buddhistische Philosophen argumentiert, dass
die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen, nicht die wahre Natur der Dinge widerspiegelt,
sondern eher eine Art Projektion unseres eigenen Bewusstseins ist.
Wir Menschen neigen dazu, zu glauben, dass die Welt exakt so aussieht, wie wir sie
sehen. Doch unsere Sinne sind keine Fenster zur Welt, sondern Filter. Wir glauben z. B.
der Raum zwischen uns und dem Bildschirm sei »leer«. In Wirklichkeit wimmelt es dort
von Radiowellen, WLAN-Signalen und Neutrinos, für die wir einfach kein »Antennen-
system« haben.
Je tiefer wir graben, desto weniger ähnelt die Wirklichkeit dem, was unser gesunder
Menschenverstand für »real« hält. In diesem Sinne ist die Wirklichkeit oft unlogisch –
oder der Intuition widersprechend – sie ist genau das, was wir uns im Alltag nicht vor-
stellen können.
Das Höhlengleichnis von Platon ist ein anschauliches Beispiel:
Wir glauben, wir erkennen die »Dinge an sich«.
Vielleicht ist die Wirklichkeit aber nur ein internes Modell unseres Gehirns – eine nütz-
liche Illusion. Wenn wir glauben, die Welt sei »da draußen« genauso vorhanden, könnte
die Wirklichkeit stattdessen ein rein mentales Konstrukt sein.
Wenn die Wirklichkeit genau das wäre, wovon wir glauben, dass sie es nicht ist, dann
wäre sie per Definition unsichtbar für unsere Erwartungen. Wir würden sie erst in dem
Moment erkennen, in dem wir bereit sind, all unsere Gewissheiten über Bord zu werfen.
Vielleicht ist die Realität also kein Ort, sondern eher das, was übrig bleibt, wenn man
alle menschlichen Vorurteile abzieht.
Einige Physiker vermuten sogar, dass unsere gesamte 3D-Welt eigentlich nur eine
Projektion von Informationen ist, die auf einer 2D-Fläche am Rande des Universums
gespeichert sind.
Die radikale Umkehrung: Wir glauben, wir sind 3D-Wesen in einem 3D-Raum. In
Wirklichkeit könnten wir nur das »Hologramm« einer fernen Datenstruktur sein.
Wenn die Wirklichkeit tatsächlich »Information« oder »Geist« ist statt »Materie«,
dann ist unser Glaube an die Trennung von Subjekt (Ich) und Objekt (Welt) der größte
Irrtum von allen. Wir wären dann nicht Beobachter einer Welt, sondern integrale Be-
standteile eines laufenden Prozesses.
Das wirft die spannende Frage auf: Wenn die Welt »Information« ist, wer oder was
schreibt dann das Programm? Eine spannende Frage oder?
Wenn wir die Materie als feste Grundlage aufgeben und die Welt als Information oder
Geist betrachten, landet man mitten in der »Königsdisziplin« der Philosophie. Hier
wird die Antwort auf meine ursprüngliche Frage – ob die Wirklichkeit das Gegenteil
dessen ist, was wir glauben – fast schon unheimlich.
Wir glauben meist: Materie erzeugt Bewusstsein. (Das Gehirn »macht« Gedanken).
Die Philosophie (und einige moderne Physiker) sagt oft: Bewusstsein erzeugt Materie.
Hegel hatte z. B. eine radikale Idee, indem er meint, die ganze Weltgeschichte ist
eigentlich ein riesiger Lernprozess eines universellen Geistes.
Wir glauben, wir sind getrennte Individuen, die eine fremde Welt erkunden. Aus philo-
sophischer Sicht sind wir die »Augen«, mit denen das Universum sich selbst betrachtet.
Die Wirklichkeit ist kein toter Klumpen Materie, sondern ein lebendiger, denkender
Prozess.
Jean Baudrillard ging sogar einen Schritt weiter, in die Moderne. Er behauptete, wir
hätten die »echte« Wirklichkeit längst durch Zeichen und Symbole ersetzt. Seine These:
Wir glauben, unsere Karten, GPS-Daten, Social-Media-Profile und Nachrichten seien
Abbilder der Realität. Die Symbole sind inzwischen realer als die Welt selbst (Hyper-
realität). Die Wirklichkeit ist nicht das, was wir auf dem Bildschirm sehen, sondern das,
was durch den Bildschirm verdrängt wird.
Eine immer populärer werdende Theorie besagt, dass Bewusstsein eine fundamentale
Eigenschaft des Universums ist – genau wie Masse oder elektrische Ladung. Wenn Infor-
mation die Basis von allem sein soll, dann trägt jedes Elektron einen winzigen Funken
»Erleben« in sich.
Als Konsequenz bedeutet das: Die Welt ist nicht »tot« und wir sind die einzige Aus-
nahme. Die Welt ist durch und durch »wach«, und wir sind nur eine besonders kom-
plexe Bündelung dieser Wachheit.
Wenn die Wirklichkeit das ist, wovon wir glauben, dass sie es nicht ist, dann ist sie:
Nicht fest, sondern flüchtig (Quantenphysik).
Nicht lokal, sondern überall vernetzt (Verschränkung).
Nicht materiell, sondern Information oder Bewusstsein (Philosophie/Simulation).
Ein Zitat von Sir Arthur Eddington, einem Astronomen, lautet:
»Der Stoff, aus dem die Welt ist, ist geistiger Stoff.«
Das hieße am Ende: Wir suchen die »Wahrheit« da draußen im Weltraum oder in
Mikroskopen, aber vielleicht finden wir sie nur, wenn wir den Blick nach innen richten –
dorthin, wo die Information verarbeitet wird.
Insgesamt kann man sagen, dass die Wirklichkeit ein komplexes Konzept ist, das
von Philosophen seit Jahrtausenden untersucht wird, und dass es viele unterschied-
liche Ansichten darüber gibt, was die Wirklichkeit ist und wie sie zu verstehen ist.
~*~
Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist.
Paul Watzlawick (* 1921 † 2007)
war ein österreichisch-US-amerikanischer Philosoph
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🌟Bilder mit KI erstellt by Lauras Home and Garden🌟





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