Freitag, 20. Oktober 2017

In der Stille des Waldes

Wenn früh morgens, in der Stille des Waldes, alles noch schläft,
 
 
und der Nebel seinen Schleier nur ganz allmählich lüftet,

 
dann wacht auch Frau Sonne gemächlich aus ihrer Nachtruhe auf.
 
 
 
Der Tag wird heller und wärmer, bis sich der Himmel in einem
strahlenden Blau präsentiert.
 
Zu sehen, wie jetzt die Farben der letzten Blätter an den Bäumen
in den Strahlen der Sonne leuchten, tut einfach nur gut.
Schöner kann im Herbst kein Tag beginnen.

 
Leuchtende Ahornblätter im morgendlichen Oktober-Sonnenschein.
 
Der Himmel strahlendblau und wolkenlos !

 
Goldene Herbsttage mit warmen Farben zum Malen schön !
 
 
Tage, an denen es wieder eine Freude war,
im Garten zu wühlen und ihn so allmählich auf den Winterschlaf
vorzubereiten.

 
Die kalte Jahreszeit wird schneller da sein, als uns lieb ist
und dann dauert es nicht mehr lange, bis sich auch dieses Jahr
schon wieder seinem Ende zuneigt.
 
Was waren das  für wunderbar goldene, sonnige und warme Oktobertage !
Zum Genießen schön !
Ach, würden sie doch nie vergehen !
 
~*~
 
Das beste aller Güter, wenn es überhaupt Güter gibt,
ist die Ruhe, die Zurückgezogenheit und ein Plätzchen,
das man sein eigen nennen kann.
Jean de La Bruyerè
 
*
 
Wohl dem, der in der heutigen, unruhigen Zeit
ein solch' ruhiges Plätzchen sein eigen nennen kann.
Ein größeres Glück kann es kaum geben.
Jedes Mal, wenn ich mir bewusst mache, dass mir ein solch'
ruhiges Plätzchen inmitten dieser lauten und lärmenden Welt
vergönnt ist, durchströmt mich ein tiefes Gefühl
der Dankbarkeit.
 
Denn wie schon Arthur Schopenhauer meinte:
All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können.
Ich würde noch hinzufügen: Wohl dem, der sich selbst genügt
und es mit sich alleine aushält !
Denn die meisten Menschen sind ständig auf der Flucht
vor sich selbst. So, als würden sie ihr Glück in der
Ablenkung von sich selbst - und
bei anderen Menschen finden !
 
~*~
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 


Dienstag, 17. Oktober 2017

Der Schein trügt

 oder
nichts ist wie es scheint
 oder,
um es mit Niccolo Machiavellis Worten zu sagen:
"Jeder sieht, was du scheinst,
aber nur wenige fühlen wie du bist".

Da ist etwas Wahres dran.
Wer gibt sich schon so, wie er/sie wirklich ist ?
Die meisten Menschen geben sich im Umgang mit anderen
Menschen, tatsächlich nicht wie sie wirklich sind.
Sie verbergen ihr wahres Ich ganz bewusst hinter einer Maske.
Sie verstecken sich dahinter, damit niemand sie
durchschauen kann oder ihr wahres Wesen, ihren
wahren Charakter erkennt.




Im Umgang mit anderen Menschen sind wir freundlich und
meist verständnisvoll. Aber interessiert uns der andere wirklich,
hören wir ihm wirklich zu ?
Oder täuschen wir nur Interesse vor ?
Spielen wir nicht, wie die meisten Menschen nur eine Rolle,
tun und sagen, was von uns erwartet wird ?

Wer sagt schon, was er wirklich denkt ?
Schließlich wollen wir anderen gefallen, Eindruck machen,
nicht unangenehm auffallen.
Indem wir "nett" zu anderen sind, wollen wir ja meistens auch
etwas erreichen, etwas, das unserem eigenen Vorteil dient.
Es ist uns wichtig, was andere von uns denken.

Mir persönlich sind Menschen unheimlich, die nur freundlich und nett sind,
die sich ständig bei anderen "Liebkind" machen.

"Sei du selbst, hab' Mut zum eigenen Ich", heißt es,
aber wer bringt diesen Mut schon auf ?
Zeigen wir unser wahres ICH, könnte man uns doch nicht mehr mögen.

Die meistens Menschen stehlen anderen Menschen mit ihren Rollenspielen
nur kostbare Zeit. Sie scheinen "etwas" zu sein, was sie in Wirklichkeit
gar nicht sind.
Der Schein trügt.

Man kann allerdings tatsächlich fühlen, wie ein Mensch wirklich ist.
Man muss ihn nur lange genug beobachten und ihm zuhören -
oder z.B. in Blogs lesen, was dieser Mensch so schreibt und ob er/sie
überhaupt etwas zu sagen hat.
Interessant war für mich immer wieder festzustellen, dass ich, sobald ich
anderer Meinung war, und dies in einem Kommentar auch kundgetan habe,
sofort mit Verachtung gestraft und fortan ignoriert wurde.
Ein Beweis dafür, dass kontroverse Meinungen nicht zugelassen werden.
Das wiederum zeigt doch nur, wie wenig man sich für diejenigen,
die sich die Zeit genommen haben, einen "ehrlichen" Kommentar zu
hinterlassen, wirklich interessiert. Nämlich gar nicht !
Im Grunde scheint das Bloggen und Kommentieren für viele nur ein
bequemer und oberflächlicher Zeitvertreib mit anderen, unbekannten
Menschen zu sein.
Es heißt aber auch, dass es sich dabei oft um Menschen handelt, die sonst
nicht wahrgenommen werden und das soziale Netz ihnen auf diese Weise das
Gefühl gibt, jemand zu sein, der Anerkennung findet. Insbesondere dann,
wenn man regelmäßig in bestimmten Blogrunden unterwegs ist und jeweils
einen Kommentar hinterlässt. Das bedeutet viele Gegenbesuche.
Oftmals hilft ihnen das aktive Kommunizieren selbst mit unbekannten
Menschen auch, die Einsamkeit und das Alleinsein, etwas zu mildern.
Obwohl es eigentlich traurig ist, wenn Menschen diese Art der
Kommunikation bedürfen, um sich der Welt mitzuteilen und selbst
ebenfalls wahrgenommen zu werden.
Ob dabei allerdings wirklich gegenseitiges Interesse am anderen besteht,
wage ich zu bezweifeln.
Mit dem Führen eines Tagebuches, hat das Bloggen im eigentlich Sinn
gar nichts mehr zu tun.

Menschen sind tatsächlich seltsame Wesen, deren wahres Ich durch ein
unbedachtes Wort oder durch eine unbedachte Tat oder Handlung,
irgendwann schließlich doch zum Vorschein kommt.
Die Wahrheit, das wahre Ich, welches man so gerne hinter einer Maske
versteckt, lässt sich auf Dauer eben doch nicht verbergen.

Wir alle sind Schauspieler auf der großen Bühne dieser Welt.
Auf dieser Bühne spielt jeder die Rolle, die er sich selbst zugeteilt hat.
Viele bekommen dafür Applaus.

Andere werden ausgebuht.

Ich lasse meine Maske gerne fallen und gehöre damit zu denen,
die bewusst lieber ausgebuht werden. Ehrlich !
Es gibt keine bessere Möglichkeit zu fühlen, wie ein Mensch wirklich ist,
als von ihm - aus welchem Grund auch immer, abgelehnt zu werden.
Durch diese ablehnende Haltung gibt dieser Mensch mehr über sich
preis, als ihm vielleicht lieb ist, denn letztendlich hat er damit sein
wahres ICH verraten.
Oft sind es gerade die Menschen, die von sich behaupten, für das Gute
einzustehen und sind selbst doch meilenweit davon entfernt, gütig zu sein.

Ich bin wie ich bin, weder gut noch böse und ich möchte und kann
niemand anderer sein.
Schon gar nicht möchte ich bei allen beliebt sein.
Was hätte ich davon ?
Das wäre mir viel zu anstrengend, denn würde ich immer nur
eine Rolle spielen, mich hinter einer Maske verstecken,
ich würde mich ja selbst verleugnen.
Und als allererstes sollte man doch ehrlich zu sich selbst sein !




Nur wer mich akzeptiert, obwohl er mich erkennt und fühlt wie ich bin,
mich so nimmt, wie ich bin, kann auch (m)ein Freund (m)eine Freundin sein.
Was alle anderen über mich denken - oder sagen,
ist mir so was von schnurz-piep-egal - ehrlich !
Diese Menschen würden mir nur meine kostbare Lebenszeit stehlen.
Jeder Mensch ist eigenartig. Das heißt, jeder Mensch hat seine
eigene Art und meine Art war es noch nie, dem Mainstream zu folgen.

~*~

Glatte Worte und schmeichelnde Mienen vereinen sich selten
mit einem anständigen Charakter

Konfuzius


Foto-Quelle: Pixabay

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Donnerstag, 12. Oktober 2017

Mutig sein III

 Teil III

„Kein Panik, M‘am, überlassen Sie das ruhig mir,“ erwiderte er mit einem spöttischen Grinsen in den Rückspiegel, das keineswegs zu meiner Beruhigung beitrug. Indessen lenkte er den ratternden, rumpelnden Wagen ungerührt durch ein kleines Dorf, einen steilen Abhang hinunter auf einen noch schmaleren, steinigen Pfad in ein Zuckerrohrfeld hinein. Hoch ragten die Halme zu beiden Seiten über den Wagen hinaus. In tollkühnen Manövern mühte er sich ab, den zahllosen tiefen Schlaglöchern auszuweichen. „Wo fahren Sie denn hin?“ fuhr ich ihn gereizt an, da ich auf dem Rücksitz erbarmungslos hin und her geschleudert wurde.

 

  
Seine schwarzen, blutunterlaufenen Augen blitzten mich im Rückspiegel bissig an. Er gab dabei ein paar knurrende Laute von sich und setzte dann die Fahrt unbeirrt fort. Ich rutschte immer tiefer in den Sitz, spürte, wie ich von panischer Angst erfasst, feuchte Hände bekam. Tausend Gedanken schossen mir in den Sinn. Was sollte ich machen, wenn er plötzlich den Wagen anhielt und mich ausraubte? Wenn er mir meine Tasche und den neuen Pass wegnahm, mich einfach aus dem Wagen warf und in diesem Gott verlassenen Zuckerrohrfeld zurückließ? Vielleicht sogar umbrachte? Wie lange würde es dauern, bis mich hier jemand fand? Ich warf einen ängstlichen Blick aus dem Fenster. Das Zuckerrohrfeld nahm kein Ende, zog sich endlos lang dahin. Die Hitze in diesem muffigen Wagen wurde immer unerträglicher. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn, starrte auf den wuchtigen Nacken dieses Schwarzen, der mich argwöhnisch im Rückspiegel beobachtete. Nach mehreren hundert Metern wurde der Pfad allmählich breiter und führte schließlich aus dem Zuckerohrfeld hinaus in eine Siedlung aus flachen, langgestreckten Häuserreihen. Der Anblick dieser gewöhnlichen Häuser, löste eine derartige Erleichterung in mir aus, dass ich, wie von einer schweren Last befreit, einmal kräftig ein und tief wieder ausatmete. Zur gleichen Zeit schreckte mich ein dröhnendes Geräusch über dem Wagen auf. Eine Maschine der British West Indian Airways flog in geringer Höhe direkt über uns hinweg auf die angrenzenden Rollbahn zu.
„In fünf Minuten sind wir da, M’am,“ stellte er schnaufend fest. Dicke Schweißperlen rannen über seinen fleischigen Nacken. „Zuckerrohrfeld ist eine Abkürzung. Hauptstraße ist zu voll und Sie wollen Maschine nicht verpassen,“ fügte er mit einem raschen Blick von der Seite noch hinzu.
"Gut, danke", erwiderte ich eher kleinlaut, weil ich ihm gegenüber so misstrauisch gewesen war. Die Aussicht darauf, bald wieder auf meiner Insel und bei Don zu sein, erhellte meine Stimmung und die finsteren Gedanken der letzten Stunde waren augenblicklich verschwunden.

„Was ist denn mit dir los?“ fragte Don, als ich ihm heil  Zuhause angekommen stürmisch um den Hals fiel. „So hast mich ja schon lange nicht mehr begrüßt. Hast du in Trinidad etwa was angestellt?“

„Red‘ nicht solchen Blödsinn. Ich freue mich einfach wieder hier zu sein. Genügt das nicht?“

„Ich weiß nicht recht.“ Skeptisch zog er die Augenbrauen zusammen. „Etwas eigenartig ist das schon.“
„Ach Quatsch. Ich bin wirklich nur froh, wieder hier zu sein. Trinidad ist schrecklich. Es hat mir dort überhaupt nicht gefallen. Die Hitze, der Verkehr, die Taxifahrer. Alles viel schlimmer als hier. Und außerdem stinkt es dort überall nach Öl.“
„Das kommt von den Raffinerien. Trinidad lebt davon.“
„Mag sein, mich kriegt dort jedenfalls keiner mehr hin. Am allerliebsten bin ich bei dir.“
„Hm, wie beruhigend zu wissen. Ach, bevor ich es vergesse, Judith hat angerufen. Sie kommt morgen wieder zur Arbeit. Sie hat mich gefragt, ob sie das Baby mitbringen kann.“
„Und was hast du gesagt.“
„Ja, soll sie ruhig. Ich hoffe, es ist dir recht?“
„Natürlich ist es mir recht. Ich bin doch schon ganz neugierig auf den kleinen Wurm.“
„Soll ich uns einen Drink machen?“
„Gerne, ich zieh‘ mich nur schnell um.“
Nachdem Don in der Küche verschwunden war, eilte ich unter die Dusche, zog danach ein weites, luftiges Baumwollkleid über und setzte mich erfrischt zu ihm auf die Terrasse.
„Worüber schmunzelst du so ?“


*
Wer das Leben als Geschenk betrachtet,
kann gar nicht anders,
als dankbar zu sein.
 
*
Wie es weitergeht ?
Das war leider das vorläufige Ende der kurzen Ausschnitte.
~*~


(Weitere kurze Leseproben sind  HIER  zu finden).

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Dienstag, 10. Oktober 2017

Mutig sein II

Teil II
Ich öffnete die Tür und stieg aus. „Schon gut, ich werde warten.“
„Ja, M’am. Ich komme wieder, später.“
„Gut, in zwei Stunden an dieser Stelle.“

„Ja, M’am.“ Er stopfte den Schein, den ich ihm durchs offene Wagenfenster reichte, in die Tasche und fuhr mit fröhlichem Gesicht davon.
Trotz der drückenden Hitze, die sich in den engen Straßen staute, und einem unangenehmen Ölgeruch in der Luft, drängelten sich die Menschen und Autos durch die lebhafte Stadt. Ziellos schlenderte ich an den kleinen Läden vorbei, warf hier und da einen flüchtigen Blick in die Auslagen. Mein Kleid klebte auf der Haut, mein Mund war ausgetrocknet. Ich sehnte mich nach einem kühlen, erfrischenden Drink. Doch außer ein paar kargen, dunklen Rumshops, aus denen lautes Geschwätz einheimischer Männer bis auf die Straße drang, war weit und breit kein Restaurant oder Bistro zu sehen, in das ich mich hätte hineinwagen können. An der nächsten Ecke wagte ich es  schließlich einen Taxifahrer anzusprechen, der hinter dem Steuer eingenickt war. „Entschuldigung, können Sie mich bitte zu einem Hotel fahren?“
 


Müde hob er den Kopf und blinzelte mich aus verschlafenen  Augen grimmig an. „Ein Hotel?“ fragte er ungehalten. „Was für ein Hotel?“
„Irgendeines in der Nähe.“

„Steigen Sie ein,“ brummte er mich an, um deutlich zu machen, dass er sich gestört fühlte und verärgert war. Mürrisch legte er den Gang ein, gab Gas und fuhr hinter der nächsten Ecke im Schneckentempo einen Hügel hinauf. Vor dem Eingang des Hilton Hotels ließ er den Wagen ausrollen und hielt die Hand auf. „Zehn Dollar.“
„Wie bitte? Zehn Dollar für eine Fahrt von drei Minuten?“

Er schwieg, starrte mit aufgehaltener Hand unbeeindruckt auf die Straße. Wütend stieg ich aus und knallte die Wagentüre so heftig zu, dass er unvermittelt zu mir herumfuhr und mich mit weit aufgerissenen, wässerigen Augen ungläubig anstarrte.
Einen kurzen Augenblick erwiderte ich seinen verwunderten Blick, dann gab ich ihm das Geld und wandte mich erbost von ihm ab.
Hinter dem hohen Portal, in der weitläufigen Halle, verflog mein Ärger über den unverschämten Taxifahrer. Verwinkelte Nischen mit bequemen Sitzgruppen, eingerahmt von phantasievoll arrangierten, tropischen Pflanzen, luden zum Entspannen ein. Scheinbar lautlos durchquerten Pagen und Hotelgäste den großzügig angelegten, hellen Raum, in dessen Mitte, wie in einer kleinen grünen Oase, ein Springbrunnen plätscherte. Im Restaurant auf der Veranda ließ ich mir ein leichtes Mittagessen servieren. Dabei fiel mein Blick auf ein junges Paar am Nebentisch. Er hatte seine Hand auf ihre gelegt. Er sprach leise, wobei er sie unentwegt anlächelte. Sie saß ganz still und erwiderte sein Lächeln, während sie ihm aufmerksam zuhörte. Mit einem Mal regte sich so etwas wie Einsamkeit in mir. Ich fühlte mich plötzlich allein in dieser fremden Umgebung, sehnte mich nach Dons Nähe. Er fehlte mir. Ich wollte bei ihm sein, wollte weg von hier, weg von diesen fremden Menschen, weg aus dieser fremden Umgebung. Ich wollte zurück zu ihm, zurück auf meine Insel. Diese Insel hier war so anders als Barbados, die Menschen waren anders und die Taxifahrer unfreundlich. Eilig drückte ich die Zigarette aus, winkte den Ober herbei und verließ überstürzt das Restaurant.

„Taxi M‘am?“ hörte ich jemanden vom Portal her rufen, doch ich  lief ungeachtet weiter, die Straße entlang, den Hügel hinunter, bis mir die Hitze die Luft zum Atem nahm. Meine Kehle war ausgetrocknet und mein Kleid erneut durchgeschwitzt, als ich die Botschaft endlich erreichte. Obwohl ich eine Stunde auf meinen neuen Pass warten musste, fand ich mich rechtzeitig an der Kreuzung ein. Vom Taxifahrer jedoch fehlte jede Spur. Wo bleibt er denn nur? fragte ich mich immer wieder mit einem ungeduldigen Blick auf die Uhr. Er müsste doch längst hier sein? Unruhig lief ich auf und ab, nahm jedes Auto ins Visier, das sich der Kreuzung näherte, doch er war nirgends zu sehen. Als er auch nach weiteren fünfzehn Minuten nicht auftauchte, beschloss ich widerwillig, mich nach einem anderen Taxi umzusehen und ging notgedrungen die abgeschiedene Straße zum Hafen hinab. Eine Gegend, die alles andere, als einladend war. An der zerbröckelten Hafenmauer lungerten ein paar Rastafaris herum, die ihre Joints rauchten und mich aus den Augenwinkeln verstohlen beobachteten. Ich beschleunigte meinen Schritt, ging immer schneller vorbei an den faulenden Müllbergen und leeren Ölfässern, bis ich am Ende der Mauer auf ein Taxi stieß. Ein beleibter Schwarzer mit fettigem Haar und wulstiger Nase, stand träge gegen den riesigen, pinkfarbenen, amerikanischen Schlitten gelehnt und las in einer Zeitung. Als er mich erblickte, ließ er die Zeitung sinken und nahm die  Sonnenbrille ab. „Taxi M’am?“
Sein fleischiges, vernarbtes Gesicht flößte mir Angst ein. Unwillkürlich presste ich meine Tasche fester an mich. „Ja, zum Flughafen, bitte. Ich habe es sehr eilig. Muss die Maschine um fünf Uhr nach Barbados erreichen.“

„Kein Problem,“ brummte er und riss mit einem Schwung, bei dem mir ein übler Geruch von Schweiß in die Nase stieg, die hintere Wagentür auf. Trotz der unbehaglichen Vorstellung, diesem massigen Koloss zwei Stunden in einem muffigen, alten Schlitten ausgeliefert zu sein, gelang es mir, sein hämisches Grinsen mit einem Lächeln zu erwidern. 
Während der Fahrt warf ich immer wieder einen nervösen Blick auf die Uhr. Den mächtigen Koloss, dessen breiter Rücken mir die Sicht auf die Straße versperrte, schien das jedoch nicht aus der Ruhe zu bringen. Er hatte den Arm ins Wagenfenster gelegt und sah stur geradeaus auf die endlose Autoschlange, die behäbig über die glühend heiße flimmernde Asphaltstraße dahinkroch. Als er das Steuer plötzlich herum riss  und mit kreischenden Bremsen von der Hauptstraße in einen schmalen, sandigen Weg abbog, hielt ich den Atem an und schaute mich irritiert nach allen Seiten um. „Was ist los? Warum biegen Sie von der Hauptstraße ab?“ fragte ich misstrauisch.
*
Wie es weitergeht ?
Bald mehr !
~*~
(Weitere kurze Episoden sind  HIER  zu finden ;o).
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Samstag, 7. Oktober 2017

Mutig sein I


Heute gibt es mal wieder einen kleinen Ausschnitt aus meinen Memoiren.
Wenn ich nach über 30 Jahren heutzutage einige Seiten auf denen
meine Erinnerungen schlummern, lese, dann bin ich doch ziemlich überrascht,
wie mutig ich damals war.

Habe ich mich damals noch spontan in irgendwelche Abenteuer gestürzt und mich
manchmal auch in nicht gerade gefahrlose Situationen begeben, so würde ich
heute dreimal überlegen, ob ich mir das noch zutrauen würde.
In meinem heutigen Alter und um einige Erfahrungen reicher, würde ich so spontan
wohl nicht mehr handeln, sondern wäre mir der Gefahren wohl bewusster,
die da draußen überall lauern können. Und dennoch ist es gut, dass man in jüngeren
Jahren spontan handelt und nicht lange überlegt, ob man dies tun oder jenes lieber
lassen sollte. Nur so kann man eigentlich lernen. Wer nur auf Nummer sicher geht, der
wird auch nicht viel erleben. Manchmal muss man eben auch ein Risiko eingehen und
mutig sein.
Denn wie heißt es so schön ?
Dem Mutigen hilft Gott !
(Schiller)

 

 Teil I von III
Eine Woche vor unserem Flug nach West Palm Beach stellte ich entsetzt fest, dass mein Reisepass abgelaufen war. „Was machen wir denn jetzt?“ fragte ich Don.
„Na, du musst zur deutschen Botschaft.“
„Ja, und die ist Trinidad. Hier gibt es nur ein Konsulat und die dürfen keine Reisepässe ausstellen.“
„Ach so, das wusste ich nicht. Dann fliegst du eben nach Trinidad.“
„Ich nach Trinidad? Alleine?“
Er lachte. „Hast du etwa Angst alleine nach Trinidad zu fliegen? Ich kann leider nicht mitkommen. Du weißt, die Klimaanlagen im Blue Horizon. Wir müssen diese Woche damit fertig werden.“
„Ja, ich weiß, aber“....
„Warte mal“, fiel er mir ins Wort und ging zum Telefon, „ich werde Felix anrufen. Er fliegt die Route. Er könnte dich in Port of Spain wenigstens bis zum Taxi begleiten.“
Ich kannte Felix flüchtig. Er war Kapitän bei einer kleinen karibischen Fluggesellschaft und ein Freund von Bill. An den Wochenenden kam er manchmal ins Arawak und schwamm ein paar Runden im Pool, bevor er zum Flughafen fuhr. Ein netter Kerl Mitte dreißig, der aus Chile stammend, schon etliche Jahre hier lebte.
Don kam zurück. „Kein Problem. Felix fliegt schon am Dienstag rüber und besorgt dir ein Ticket. Du musst nur rechtzeitig am Liat Schalter sein. Er wartet dort auf dich.“
Am Dienstagmorgen fand ich mich pünktlich am Flughafen ein. Vom Liat Schalter aus beobachtete ich wie sich die vielen, braungebrannten Touristen vor den verschiedenen Abflugschaltern drängelten, um in ihre Heimat zurückzufliegen.
Dabei fiel mir ein, wie ich damals nach dem Urlaub mit Thomas, die Insel und Don verlassen musste und wie  schwer es mir gefallen war. Fast drei Jahre war das jetzt her. Heute waren Don und die Insel meine Heimat.  Jetzt würde ich immer hierher zurückkehren, egal woher ich kam, in meine neue Heimat. Der Gedanke, kein Tourist mehr zu sein, der die Insel nach kurzer Zeit wieder verlassen musste, machte mich glücklich. Ich war  eine Einheimische geworden.
Als plötzlich jemand auf meine Schulter tippte, fuhr ich herum. „So tief in Gedanken?“ fragte Felix, der in seiner schwarzen, tadellos sitzenden Uniform, noch schlanker wirkte, als er ohnehin schon war.
„Entschuldigen Sie, ich war wirklich gerade in Gedanken. Nett von Ihnen, dass Sie mir als Beschützer zur Seite stehen wollen.“
„Ist mir ein Vergnügen. Sie fliegen selbstverständlich im Cockpit mit, dann verliere ich Sie nicht aus den Augen.“
„Wunderbar, danke. Ich fliege nämlich für mein Leben gerne und selten genug im Cockpit.“
„Na, dann wollen wir mal,“ lud er mich mit einer Handbewegung ein ihm zu der Propellermaschine zu folgen, die auf dem Flugfeld bereit stand.
„Ich bin noch nie in einem so kleinen Flugzeug geflogen“, sagte ich ein wenig besorgt zu Felix, nachdem er mir seinen Co-Piloten vorgestellt und den Notsitz für mich runtergeklappt hatte.
„Dann wird es aber höchste Zeit“, erwiderte er und als sich die Maschine wenig später in der Luft befand drehte er sich nachsichtig lächelnd zu mir um. „Na, alles in Ordnung?“
Ich nickte.
„Gleich überfliegen wir ein gesunkenes Schiff, von dem nur noch der Bug aus dem Wasser herausragt. Da, auf der linken Seite. Können Sie es sehen?“ fragte er eine knappe Stunde später kurz bevor wir Trinidad erreichten.
Ich schüttelte den Kopf.
„Das haben wir gleich“, meinte er und drückte, ohne auf die restlichen Passagiere Rücksicht zu nehmen, den Steuerknüppel gleichzeitig nach vorn und nach links, so dass sich die Maschine wie im Sturzflug schräg zur Seite neigte.
„Sehen Sie es jetzt?“
Ich schloss die Augen und hielt unwillkürlich den Atem an, als die Maschine direkt auf den Bug zuraste. „Ja, ja, wirklich beeindruckend“, erwiderte ich schnell, während sich mein Magen drehte.
„Diesen Extraservice lassen wir den Fluggästen normalerweise nicht zukommen“, lachte Felix, „aber für Sie machen wir eine Ausnahme.“
„Das ist wirklich sehr liebenswürdig,“ bedankte ich mich, atmete jedoch erst erleichtert auf, als sich die Maschine wieder in ihrer horizontalen Flugposition befand.
„Keine Ursache,“ sagte er noch, bevor er Kontakt zum Tower in Port of Spain aufnahm. Er flog eine lange Schleife, in der die Maschine nach und nach an Höhe verlor und setzte sie wenig später sicher auf dem Rollfeld auf.
„War’s sehr schlimm?“ wollte Felix auf dem Weg zum Taxistand wissen.
„Nein, überhaupt nicht,“ log ich, „eher ungewohnt.“
Er lachte und winkte zwei Kollegen zu, die gerade einem Taxi entstiegen und uns neugierig anstarrten.
„Was die wohl wieder denken,“ murmelte er kopfschüttelnd, während er einen älteren, spindeldürren Taxifahrer herbeirief, der sogleich seinen Hut zog und sich hingebungsvoll vor Felix verneigte. „Ja Mistah Felix?“ Sein eingefallenes, schwarzes Gesicht war von tiefen Falten zerknittert.  
„Du bringst diese Dame zur Deutschen Botschaft und holst sie dort um drei Uhr wieder ab. Sie muss um fünf Uhr wieder am Flughafen sein,“ trug er dem Fahrer freundlich aber nachdrücklich auf.
„Ja, Mistah Felix, um fünf Uhr.“
Felix drückte dem Mann einen Schein in die Hand und klopfte ihm auf die Schulter. „Kann ich mich darauf verlassen?“
„Ja Mistah Felix,“ wiederholte er gehorsam, während er den Schein in seiner Hosentasche verschwinden ließ. „Um fünf Uhr.“ Er schob den Hut in den Nacken und öffnete mir die altersschwache, knarrende Wagentür.
Felix lehnte sich zu mir in das offene Wagenfenster. „Bis später, und viel Glück.“
„Bis später und vielen Dank für alles.“
„Keine Ursache,“ rief Felix mir noch zu, dann setzte sich das Taxi in Bewegung.
Während der zweistündigen Fahrt über die schmale Hauptstraße, die schnurstracks in Richtung Port of Spain führte, gerieten wir in einen Strom dahinkriechender klappriger Autos und stinkender Lastwagen, über die der Fahrer lauthals schwätzte und schimpfte. An zahllosen Industriegebieten, dürftigen Wohnsiedlungen und vereinzelten Häusern vorbei, an denen verschiedenfarbige Fahnen ihm Wind wehten, die auf die unterschiedlichen Religionen der Bewohner hindeuteten, erreichten wir gegen Mittag den brodelnd heißen Stadtkern.  In einem Buch über Trinidad hatte ich gelesen, dass die Insel seit vierhundertfünfzig Jahren ein Sammelbecken für Menschen aus vielen Ländern war, und dass noch heute überwiegend Inder, Chinesen, Syrer, Libanesen und aus Afrika stammende Schwarze sowie Nachfahren der Arawaks und Kariben hier lebten.
An einer belebten Kreuzung stoppte der Fahrer den Wagen so plötzlich, dass ich nach vorne schoss. Er sah mich schräg von der Seite an. „Die Botschaft ist mittags geschlossen, M'am.“

Neugierig geworden ?
Bald folgt die Fortsetzung ;o).

~*~

(Weitere kurze Episoden sind HIER zu finden).

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Donnerstag, 5. Oktober 2017

Der Brocken



also der Asteroid mit der Bezeichnung 2012TC4, könnte unserem Planeten
nächste Woche Donnerstag, am 12. Oktober, gefährlich nahe kommen.
 
 
 
Die Wissenschaftler können immer noch keine genaue Information
über die exakte Flugbahn des hausgroßen Gesteinsbrocken geben.
 
Der Asteroid könnte, so heißt es, nicht näher als 6.800 km an unserer Erde
vorbeirasen, aber auch sehr viel weiter entfernt - nämlich in
270.000 km. Bei einem solch gravierenden Entfernungsunterschied,
scheint tatsächlich alles möglich zu sein.
Zuerst hieß es noch, dass eine Entfernung von ca. 44.000 km sehr
wahrscheinlich sei. Nun stehen sogar nur 6.800 km im Raum.
(Zum Vergleich:
Die Entfernung Deutschland - New York beträgt etwas
über 6.000 km Luftlinie).
Das wäre wirklich verdammt nahe. Sollte der Brocken der Erde
tatsächlich so nahe kommen, dann wäre eine Druckwelle, bei
der Fensterscheiben zu Bruch gehen, mehr als wahrscheinlich -
allerdings abhängig davon, über welcher Gegend das Geschoss
an der Erde vorbeirauscht.
 
Einen Einschlag auf der Erde schließen die Wissenschaftler jedoch aus.
Sie freuen sich über die Daten und Erkenntnisse, die sie über diesen
Asteroiden sammeln können, wenn er sich in Erdnähe befindet.
Meine Freude über dieses Geschoss hält sich allerdings in Grenzen.
Im Gegenteil, mir ist bei dieser Ungenauigkeit - was die Entfernung
betrifft, schon ein bisschen mulmig zumute.
 
Solche Geschosse aus dem Weltall werden auch in Zukunft
immer wieder eine Gefahr für unseren Planet und die
Menschheit darstellen.
Bis Februar 2014 wurden 94 Kometen und 10.619 erdnahe Asteroiden
katalogisiert. Wenn man bedenkt, dass es auch noch eine Menge
unentdeckter Objekte gibt, hui, dann ist da draußen mächtig was  los.
 
Unsere Milchstraße
 
Wissenschaftler sind sich daher auch einig, dass es keine Frage ist,
ob ein solcher Brocken die Erde in Zukunft treffen wird, sondern
vielmehr, wann das sein wird.
 
Nachtrag 12. Oktober 2017:
Glück gehabt !
Der Asteroid ist lt. NASA am Donnerstag, 12.10. in einer Entfernung von
ca. 42.000 über der Westantarktis an der Erde vorbeigerauscht.
 
~*~
 
Dafür befindet sich jetzt eine 8,5 Tonnen schwere chinesische Raumstation
im unkontrollierten Absturz auf die Erde.
Man geht allerdings davon aus, dass sie bei Eintritt in die Erdatmosphäre
verglühen wird, allerdings immer noch die Möglichkeit besteht, dass
einzelne 100 kg schwere Teile die Erde treffen könnten.
Der Einsturz auf die Erde soll um die Jahreswende stattfinden.
 Dann heißt es vielleicht: In Deckung gehen !
~*~
 
Foto-Quelle: Pixabay
 
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Mittwoch, 4. Oktober 2017

Bald ist es wieder so weit

 
die Ernte steht bevor und wie in jedem Oktober feiern wir
das Ernte-Dank-Fest.
Wir danken mit diesem Fest für all die köstlichen und frischen Lebensmittel,
die uns die Natur mit Hilfe der Bauern, beschert.
Danke an all die vielen, fleißigen Bauern, die damit zu unserem
leiblichen Wohl beitragen.
Die Arbeit der Bauern kann gar nicht genug gewürdigt werden.
Leider wird deren Arbeit und Fleiß oft nicht in gebührendem Maße anerkannt,
weil es so selbstverständlich geworden ist, dass uns alles immer im
Übermaß zur Verfügung steht.
Nochmals DANKE an alle Bauern dieses Landes.
 
 
Kürbisse so weit das Auge reicht
 
 
und frischer Porree für leckeres Porree-Gemüse oder deftige Gemüsesuppen.

 
Landleben mit lecker Gemüse frisch vom Feld der Bauern.
 
Im Herbst und Winter macht auch das Kochen und Backen
wieder mehr Spaß. Wenn es draußen kalt, stürmisch und regnerisch ist,
ist es im warmen Haus am gemütlichsten.
Und wenn es aus der Küche lecker und appetitanregend nach allerlei
Leckerem duftet, dann liegt das um diese Zeit an der deftigen
Hausmannskost oder dem sonntäglich frisch gebackenen Apfelkuchen
mit Mandeln.  (Und Sahne).
Den ersten Apfelkuchen gab es ja bereits nach der Gartenarbeit.
Die Vorfreude darauf und der Genuss beim Tee gehören auch
zu diesem sonntäglichen Ritual.
Herbst und Winter ohne leckere Gemüsesuppen oder ein Sonntag
ohne den besten Apfelkuchen der Welt - geht gar nicht ;o).
 
Jetzt dauert es auch nicht mehr lange und es ist schon wieder
Plätzchen-Backzeit :o).
 
Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht !
Wie oft habe ich mir in bestimmten Situation schon gewünscht,
die Zeit möge einfach mal stehenbleiben.
Diese Momente des Glücks, des Genießens und der Freude.
Momente, in denen ich die Zeit am liebsten angehalten hätte
und mir gewünscht habe, sie mögen nie vergehen, diese
wunderbaren Momente, die das Leben so lebenswert machen.
 
Aber wer kennt das nicht !?
 
~*~
 
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