Donnerstag, 13. Oktober 2022

Der Wohlstand

Bei dem, was derzeit im Land, in Europa und der Welt geschieht, fällt es mir sehr
schwer so tun, als ginge mich das alles nichts an. Es betrifft mich schon insofern, als
dass ich aufgrund des Gasmangels darauf achten muss, sparsam mit dem Verbrauch
von Strom und Gas umzugehen.
 

 Zum Sparen von Gas und Strom kommt auch noch die Inflation hinzu, was noch einmal
zu höheren Preisen von Lebensmittel führt. Hier ist mir aufgefallen, dass sich die Menschen
im Land, nicht nur über die gestiegenen Gas- und Strompreise aufregen, sondern auch über
die gestiegenen Lebensmittelpreise. In dem Zusammenhang sei einfach mal gesagt, dass
pro Jahr in diesem Land ca. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Pro
Jahr beträgt der Verbrauch an Nahrungsmitteln in unserem Land etwa 54,5 Millionen
Tonnen. Davon landet also fast ein Drittel im Müll.

Es scheint für viele Bürger völlig normal zu sein, tonnenweise Lebensmittel wegzuwerfen.
Man muss sich nur mal vorstellen, wie viel Geld da verschwendet wird. Und jetzt, da die
Preise steigen, regt man sich plötzlich darüber auf, dass Lebensmittel teurer werden. Das
Wegwerfen von Lebensmittel scheint dagegen kein Problem darzustellen. Ein Widerspruch
in sich. Es ist daher gut, dass Lebensmittel endlich teurer werden, damit der Wert derselben
wieder wahrgenommen und erkannt wird und somit das Verschwenden von Lebensmitteln
hoffentlich endlich aufhört.

Statt über die steigenden Preise zu jammern und zu protestieren, sollten die Demonstranten
vielleicht einfach mal den Wert von Lebensmitteln zu schätzen wissen. Das könnte näm-
lich dazu führen, gezielter und bewusster einzukaufen, statt tonnenweise Lebensmittel
wegzuwerfen.
 
Der Wohlstand hat dazu geführt, dass wir zu einer Wegwerfgesellschaft geworden sind.
Das heißt, dass wir es gar nicht nötig hatten, sparsam zu sein. Denn wir entsorgen ja nicht
nur mal eben 18 Millionen Tonnen Lebensmittel, sondern jedes Jahr auch 1,3 Millionen
Tonnen Kleidung in die Altkleidersammlung. Darin ist die Dunkelziffer nicht einmal ent-
halten.

Wohl kaum jemand denkt an die Umwelt, wenn er seinen Müll entsorgt. Kaum jemand
wird daher wissen, dass das Abfallaufkommen im Jahr ca. 415 Millionen Tonnen beträgt
und dieser Abfall muss ja auch wieder irgendwie entsorgt werden. Das sind übrigens pro
Einwohner etwa 475 Kilogramm pro Jahr. Weltweit beträgt die Abfallmenge 2 Milliarden
Tonnen pro Jahr. Das ist weder gut für den Planeten noch für die Menschheit, die sich und
der Umwelt damit großen Schaden zufügt.

Angesichts dieser Zahlen kann es wirklich nicht schaden, in jeder Hinsicht sparsam zu
sein und den Konsum drastisch einzuschränken. Aber das ist für eine Gesellschaft, die
bisher nichts anderes als Wohlstand kennengelernt hat, nur schwer zu akzeptieren und
ein Grund gegen Sparsamkeit zu demonstrieren. Am kommenden Sonntag ist Welter-
nährungstag, eine gute Gelegenheit darüber nachzudenken, dass auch die Lebensmittel-
versorgung keine Selbstverständlichkeit ist.
 
Wir leben eigentlich nicht in einer Zeit des Wohlstands, sondern in einer Zeit der
Verschwendung. Aber das beginnt sich gerade zu ändern, denn Wohlstand ist genauso
wenig eine Selbstverständlichkeit wie Frieden, Freiheit und Demokratie.
 
~*~
 
 Jetzt sind die guten alten Zeiten,
nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.
Peter Ustinov

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Foto: Pixabay

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