Montag, 8. April 2019

Kleine Luftbrötchen

Der Punkt war erreicht, an dem ich genug hatte.
Genug vom Ärger über die Brötchen vom Bäcker. Mein lieber, bester Freund,
der etwas zerstreute Professor, bringt abends auf dem Nachhauseweg Brötchen
vom Bäcker für die ganze Woche mit. Die wurden eingefroren und bei Bedarf
aufgetaut und anschließend getoastet. Von einem Fachmann, in dem Fall,
einem Bäckermeister, erwarte ich Qualität zu einem angemessenen Preis.
Doch inzwischen ist der Preis für die Brötchen - jedenfalls für die von unseren
beiden Bäckern nicht mehr gerechtfertigt, denn für sie scheint der Profit
wichtiger zu sein, als zufriedene Kunden. Diese Großbäckerei-Ketten haben
es wohl nicht mehr nötig. Der "kleine" Bäckermeister kann es sich nicht leisten,
Kunden zu verlieren. Er wird auf gute Qualität zum guten Preis achten. Leider
gibt es sie auf dem Land nicht mehr. Das bedauere ich sehr.
 
Für mich gehört zum Frühstück ein frisches, knuspriges Brötchen dazu. Da ich
es leid war, mich jeden Morgen beim Frühstück über diese Brötchen zu ärgern,
habe ich mich kurzerhand entschlossen, sie selbst zu backen.

 
Das hier ist ein luftiges Bäckerbrötchen - also eigentlich eher ein Luftbrötchen.
Viel Luft, wenig Teig. Man hat wirklich das Gefühl, Luft mit ein paar Krümel zu
frühstücken.
 
 
Beim zweiten Bäcker fallen die Brötchen nach Lust und Laune mal normal oder
sehr klein aus - zum gleichen Preis - wohlbemerkt. Und der liegt bei beiden
Bäckern um die 30 Cent, also genau gesagt, bei 33 Cent. Ich habe mich schon
vor einiger Zeit bei beiden Bäckern schriftlich darüber beschwert. Wenn mir
etwas missfällt oder ich mich ungerecht behandelt fühle, dann kann ich gar nicht
anders, als mich darüber zu beschweren. Wo käme ich denn hin, ließe ich alles
durchgehen oder mir alles gefallen. Menschen, die sich ungerecht behandelt
fühlen oder Grund zu Beanstandungen haben, sollten viel öfter den Mund auf-
machen und sich beschweren oder ihren Unmut kundtun.
Das ist für mich selbstverständlich. Schließlich bezahle ich für ein Produkt
oder eine Leistung und kann daher auch einen entsprechenden Gegenwert
erwarten.
 
 Die Bäcker haben sich zwar entschuldigt und mir zugesagt, sich des Problems
anzunehmen und mir sogar einen Gutschein zukommen lassen, aber geändert
hat sich nichts. Daher ist bei mir jetzt Schluss mit lustig - und die Brötchen
werden fortan selbstgebacken. Punkt !

 
Und das sind sie, die selbstgebackenen Brötchen. Keine Meisterleistung, sehen
auch nicht aus, als wären sie vom Fachmann hergestellt, aber sie schmecken
richtig gut und haben keine "Luftlöcher". Außerdem sind sie sehr viel günstiger.
Sie bestehen ja nur aus 1 kg Bio-Mehl, etwas Salz, Prise Zucker, Hefe und
Wasser. Aus einem Kilo Mehl forme ich 16 Brötchen. Rechne ich die Strom-
kosten dazu, kostet ein Brötchen gerade mal knapp 10 Cent.
 
 
Ein weiterer Vorteil ist, dass ich genau weiß, was im Teig enthalten ist, und
dass sie nicht von einer Verkäuferin in die Hand genommen werden, die
zwischendurch kassieren muss - also mit Geld hantiert (Bakterien inklusive).
Das hat mich beim Brötchenkauf am meisten gestört.
 
 
Es ist ein großer Segen und eine Freude, Zeit für solche Dinge zu haben.
Berufstätigen bleibt oft gar nichts anderes übrig, als alles schnell-schnell
zu erledigen und auf Fertiggerichte zurückzugreifen. Das kenne ich aus der
Zeit meiner Berufstätigkeit noch zu gut. Heute empfinde ich es schon fast
als Luxus, als Freiheit, sich Zeit nehmen zu können, für die Dinge, die man
gerne tut und die einem gut tun.
Selbst zu backen und kochen mit frischen Zutaten, gehört für mich unbedingt
dazu. Außerdem ist es so viel günstiger und gesünder, als alle Fertiggerichte,
die man mal eben in die Mikrowelle werfen kann.
Vielleicht sollte man sich gerade heutzutage wirklich öfter mal Zeit nehmen,
für die Dinge, die man gerne tut und die einem gut tun.
Sich Zeit nehmen, für die schönen Dinge des Lebens.
 
 
~*~
 
Den Puls des eigenen Herzens fühlen.
Ruhe im Inneren, Ruhe im Äußeren.
Wieder Atem holen lernen,
DAS ist es.
Christian Morgenstern
 
~*~
 
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Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Laura, ja dies Problem ist hier auch, kleine Handwerksbetriebe, dazu auch die Bäckereien, gibt´s nicht mehr. Nur noch große Ketten.
    Wie schön das du die Brötchen selber gebacken hast. Versuchs mal mit Dinkelmehl, damit habe ich sie immer gebacken. Doch jetzt backe ich weder Brot noch Brötchen, für mich alleine, lohnt das nicht.
    Auf dem Markt ist die Eifeler Mühlenbäckerei, da hole ich schon mal welche, ansonsten auch in den Backketten. So ändern sich die Zeiten.

    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße
    Angelika

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    1. Danke für den Tipp, liebe Angelika, Dinkelmehl werde ich tatsächlich mal ausprobieren.
      Ja, das verstehe ich. Für mich alleine würde ich wahrscheinlich auch nicht so regelmäßig kochen und backen. Aber wenn man für einen dankbaren Esser mit kocht, dann lohnt es sich schon und schmeckt auch besser.
      Ja, alles hat seine Vor- und Nachteile.
      Einen Markt würde ich mir hier sehr wünschen, aber auf dem Land wird man bescheiden und ist froh, wenn man wenigstens einen Biobauer in der Nähe hat.
      Hab einen schönen, sonnigen Frühlingstag und sei ganz herzlich gegrüßt von
      Laura, die sich mal wieder eine Erkältung eingefangen hat. Ein Tag warm, nächsten Tag kalt - wer wundert sich da über eine Erkältung ;o) ?

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Danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit für ein paar nette Worte nimmst.

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