kein Luftzug. Alles steht still, nichts bewegt sich, kein Blatt, kein Zweig.
Das »blaue Frühlingsband« hat sich ausgeflattert und steht still.
Stillstehendes trübes Wetter, mit einem wolkenverhangenen Himmel,
wie man es eigentlich nur als Ruhe vor dem Sturm kennt. Nicht einmal
die Wolken bewegen sich von der Stelle oder sie sind so langsam, dass
es aussieht, als seien sie erstarrt.
Allenfalls die Vögelchen fliegen das Futterhäuschen an und eine einzige
Taube tapst über den Rasen, auf der Suche nach dem, was die Federbäll-
chen abwerfen.
Stillstand, fast unheimlich, wenn sich so gar nichts bewegt. Es ist als hätte
jemand die Zeit angehalten. Wenn ich aus dem Fenster schaue, ist es, als
würde ich ein Foto vom Garten anschauen. Reglos, alles ist reglos, so als
hätte alles Leben aufgehört zu existieren. Oder so, als würde die Natur den
Atem anhalten. Auch im Haus ist alles still. Die Knuddels haben sich in ihre
Körbchen zurückgezogen und halten ihr Mittagsschläfchen, während ich
eine Pause einlege und darauf warte, dass der Tee fertig ist.
Eigentlich sollte die Natur doch jetzt zu neuem Leben erwachen. Sich
munter und voller Daseinsfreude entfalten und pulsieren, aber es ist, als
wäre sie in einen tiefen Schlaf gesunken. Es sollte regnen. Gestern schon,
aber nichts, nicht ein Tropfen ist gefallen. Ist diese merkwürdige Stille in
der Natur etwa doch die Ruhe vor dem Sturm? Es sieht nicht danach aus.
Wir werden sehen, aber vorher noch ein Gedicht von Julius Rodenberg:
»Märzgesang«
Noch liegt die Erde wie befangen,
Es ruht das Feld, es schweigt der Wald;
Der Himmel ist noch schwarz verhangen,
Und aus den Bergen weht es kalt.
Doch horch! es geht ein leises Mahnen,
Ein Flüstern geht geheimnisvoll —
Als sollte man schon leise ahnen,
Was nunmehr Alles werden soll.
Die Wolken ziehen rasch am Himmel,
Die Wasser rauschen voll durch's Thal;
Bald kommt ein flockiges Gewimmel,
Bald ein verirrter Sonnenstrahl.
Und durch dies ahnungsvolle Grausen,
Durch dieses Hoffen schmerzensbang,
Geht stark und voll der Winde Brausen,
Wie der Gewalt'gen Lenzgesang.
Ich muh in's kühle Land hernieder,
Durch Wald und Feld trägt mich der Schritt;
Der Sturm singt seine dunklen Lieder,
Und tief bewegt sing' ich sie mit.
O banges Sehnen, dunkle Regung,
Die wunderbar im Herzen gährt,
Bis aus der stürmischen Bewegung
Der Liebe Frühling sich verklärt!
Julius Rodenberg ( 1831-1914 )
war Schriftsteller und Publizist
Noch liegt die Erde wie befangen,
Es ruht das Feld, es schweigt der Wald;
Der Himmel ist noch schwarz verhangen,
Und aus den Bergen weht es kalt.
Doch horch! es geht ein leises Mahnen,
Ein Flüstern geht geheimnisvoll —
Als sollte man schon leise ahnen,
Was nunmehr Alles werden soll.
Die Wolken ziehen rasch am Himmel,
Die Wasser rauschen voll durch's Thal;
Bald kommt ein flockiges Gewimmel,
Bald ein verirrter Sonnenstrahl.
Und durch dies ahnungsvolle Grausen,
Durch dieses Hoffen schmerzensbang,
Geht stark und voll der Winde Brausen,
Wie der Gewalt'gen Lenzgesang.
Ich muh in's kühle Land hernieder,
Durch Wald und Feld trägt mich der Schritt;
Der Sturm singt seine dunklen Lieder,
Und tief bewegt sing' ich sie mit.
O banges Sehnen, dunkle Regung,
Die wunderbar im Herzen gährt,
Bis aus der stürmischen Bewegung
Der Liebe Frühling sich verklärt!
Julius Rodenberg ( 1831-1914 )
war Schriftsteller und Publizist
Trotz des ungewöhnlichen Stillstandwetters mag ich diese Atmosphäre,
weil sie mich an meine Kindheit erinnert, als wir, mein Bruder und ich,
auf den Stufen zum Eingang unseres Zuhauses saßen, und auf ein Ge-
witter warteten. Ich erinnere, dass alles stillstand, genau wie jetzt, bis
nach und nach zuerst nur vereinzelte dicke Tropfen vor uns auf die
Steine klatschten, dann immer mehr wurden, bis es anfing, in Strömen
zu regnen. Bald darauf hörten wir in der Ferne den Donner grollen und
schon zuckten die ersten Blitze am Himmel. Ich sehe das alles noch genau
vor mir - obwohl es wahrscheinlich schon Sommer war, damals, als wir
nebeneinander auf den Stufen saßen und das Wetter beobachteten. Eine
Kindheit, die es so wohl heute nicht mehr gibt. Umso wertvoller sind die
Erinnerungen daran und das Glück gehabt zu haben, zu dieser friedvollen
Zeit des Geborgenseins aufwachsen zu dürfen. Und so habe ich noch viele,
viele Erinnerungen. Auch daran, als wir im Sommer, durch die Kornfelder
streiften, um für Mutter blaue Kornblumen und rote Mohnblumen zu
pflücken.
Jetzt ist es schon acht Jahre und drei Monate her, seit er diese Welt für
immer verlassen hat und ich vermisse ihn immer noch. Am 2. April wäre
er 75 Jahre alt geworden.
Auch hier in der Nähe gibt es ein Kornfeld, auf dem genau diese Blumen blühen.
Jetzt ist es der Professor, der im vergangenen Sommer auf dem Nachhauseweg
von der Firma, an diesem Feld angehalten und mir einen kleinen Strauß dieser
Sommerblumen gepflückt hat. So kann man mit kleinen Gesten einem anderen
eine große Freude bereiten.
Es sind die vielen kleinen Dinge, über die wir uns freuen können und für die
wir dankbar sind. Kleine Dinge, die zu einem erfüllten Leben führen.
Und das Leben ist schön - trotz des unsäglichen Chaos in der Welt, in der
hoffentlich bald wieder Frieden einkehrt. Insbesondere für die Menschen
in der Ukraine, die genug gelitten und ebenfalls ein Recht auf ein friedliches
Leben haben sowie die Menschen in Israel.
Terror, Gewalt und Kriege müssen endlich ein Ende haben!
~*~
»Denn die Stolzen werden gedemütigt, die Demütigen aber geehrt werden.«
Matthäus 23,12
Matthäus 23,12
~*~
Übrigens:
Das Stillstandwetter war gestern. Es ist auch kein Sturm aufgezogen - ganz
im Gegenteil. Heute Morgen sieht alles gaaanz anders aus. Es ist zwar immer
noch absolut windstill, aber im Gegensatz zu gestern, ist der Himmel hellblau
und die Sonne scheint schon seit dem frühen Morgen. Der Regen verzögert
sich bis in die Nacht von Freitag auf Samstag.
Gut so ! Kann ich heute im Garten weitermachen. Kopf und Körper fühlen
sich wieder wohl! Da kommt Freude auf!
~*~*~*~
God bless Ukraine
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🌟Bilder mit KI erstellt by Lauras Home and Garden🌟