Mittwoch, 3. Mai 2017

Engel und Teufel

in der digitalen Welt, der Scheinwelt.
Wie groß muss die Sehnsucht der Menschen nach Liebe, Anerkennung, Lob und
Bestätigung sein; wie groß das Mitteilungsbedürfnis, wenn Millionen von ihnen in
den sozialen Netzwerken Kontakt zu anderen, ihnen völlig fremden Menschen suchen.
Auch erstaunlich, wie viel Zeit sie vor ihren Bildschirmen verbringen, sich gegenseitig
besuchen, um dem anderen zuzustimmen und dafür ebenfalls eine Belohnung zu
erhalten. Menschen suchen Menschen, um sich gegenseitig mit Kommentaren zu
beweihräuchern.
Kritische Kommentare, Denkanstöße, andere Meinungen und Ansichten sind unerwünscht.
Dabei ist es gerade die Kritik, die offenen Worte, die zu Denkanstößen inspirieren
können, auch wenn sie im ersten Moment unangenehm erscheinen.
 
 
Weitblick

 
Doch es gibt auch die anderen, die Stillen, diejenigen, die lieber unter sich
bleiben. Sie müssen nicht überall dabei sein und eine Bemerkung hinterlassen.
Sie müssen nicht im Mittelpunkt stehen. Sie beobachten lieber und schreiben
mehr für sich selbst. Manchmal eben auch kritisch. Auf diese Weise versuchen sie,
sich der Wahrheit anzunähern. Diese Menschen werden jedoch oft gemieden,
ja sogar verteufelt, weil sie auch die unerfreulichen Themen und
Seiten des Lebens beleuchten. So kommt es vor, dass sie dafür nicht selten
einen "Shitstorm" ernten.
Von wieder anderen Blogger/innen wird alles Negative - selbst in diesen chaotischen
Zeiten - konsequent verdrängt. Sie haben entweder keine eigene Meinung dazu,
halten es für nicht so wichtig oder es interessiert sie schlicht nicht. Sie ignorieren
die Realität und entfernen sich auf diese Weise immer weiter von der Wahrheit,
anstatt sich ihr zu nähern.
Menschen, die alles beschönigen oder schönreden, machen sich und anderen
 so lange was vor, bis sie sich selbst nicht wiedererkennen. Sie täuschen eine
 "heile Welt" vor, glauben am Ende selbst daran und scheinen vor der Realität
sogar in diese "heile Scheinwelt" zu flüchten, um sich ja nicht mit Negativem
auseinandersetzen zu müssen.
 
Zu diesen Menschen gehöre ich nicht. Ich akzeptiere das Leben und die Realität so,
wie sie nun mal ist; spreche und schreibe darüber und lerne auf diese Weise dazu.
   
Fazit:
  
Wer sagt, was er denkt, macht sich unbeliebt,
wer beliebt sein will, sagt nicht, was er denkt.
Wie scheinheilig die Menschheit doch ist !
-------
 Ginge es nicht wesentlich friedlicher zu,
wenn jeder die Mühe und Zeit achten würde, die ein
andrer aufgebracht hat, um uns etwas mitzuteilen ?
Sollte das nicht wertgeschätzt werden,
indem wir aufmerksam lesen, was er zu sagen hat ?
Wäre es nicht geradezu eine Verachtung,
ein Zeichen von Respektlosigkeit,
die Gedanken eines anderen geringzuschätzen,
selbst wenn wir seine Meinung oder Ansicht
nicht teilen ?
Selbstverständlich sollte man auch Kritik üben können,
aber sie sollte konstruktiv, nicht von oben herab
belehrend, abwertend und beleidigend sein.



Augenblick

Es entspricht nicht meinem Charakter,
zu sagen und zu schreiben, was andere gerne hören oder lesen wollen.
Wenn ich bei jedem Wort, welches ich sage oder schreibe, darauf achten sollte,
ob es anderen Menschen gefällt, wäre ich nicht mehr ich selbst, sondern würde
mich verbiegen und mich den Erwartungen anderer Menschen unterwerfen.
Daher wird nicht jedem gefallen, was ich sage oder scheibe.
Einige reagieren empfindlich, andere verständnislos.
Ein empfindlicher Mensch reagiert anders, als ein selbstbewusster.
Ein kluger Mensch anders, als ein dummer.
Empfindliche Menschen wollen mit Samthandschuhen angefasst werden.
Bei ihnen muss man jedes Wort vorher auf die Goldwaage legen.
Deshalb kommentiere ich auch nicht mehr gerne in anderen Blogs, lese dennoch
hin und wieder so manches mit großem Interesse, weil ich dadurch viel über Menschen
und deren Interessen lerne.
Ein selbstbewusster, kluger Mensch wird über das, was ich schreibe vielleicht nur mit
dem Kopf schütteln. Das muss ich hinnehmen und akzeptieren.
Ich kann mich darauf einlassen oder nicht.


Meerblick


So lange ich mit dem was ich sage oder schreibe, niemanden persönlich beleidige
oder verletze, nehme ich das Recht für mich in Anspruch, zu sagen und zu schreiben
was ich denke, auch wenn das nicht jedem gefällt.
Es muss ja niemand lesen was ich schreibe und erst recht nicht kommentieren.
 
 *
Derjenige, der die Engel und Teufel nicht gesehen hat in den Wundern
und Widerwärtigkeiten des Lebens, dessen Herz bleibt ohne Erkenntnis
und dessen Seele ohne Verständnis.
Khalil Gibran
 
~*~

Anmerkung zum Thema:
Forscher der Universität Süd-Wales haben Befragungen von Nutzern sozialer Netzwerke
durchgeführt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nur Zustimmung zu deren
Posts ihnen zwar für den Moment ein gutes Gefühl vermittelt, langfristig aber nicht
zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. Es sind die kurzfristigen "Belohnungen", die dazu
ermuntern, mit immer neuen Beiträgen, diese Art von Belohnungen herbeizuführen.
Umgekehrt fordern sie dies von anderen ein, in dem sie andere "belohnen".
Es wird also zu einer Art Sucht. Es soll sich dabei vor allem um Nutzer mit einem
geringen Selbstwertgefühl handeln. Doch langfristig gesehen, stärkt diese Jagd nach
Zustimmung und Belohnung, weder deren Selbstwertgefühl noch trägt es dazu
bei, dass Gefühle auf eine positive Art und Weise beeinflusst werden.

Sich gezielt auf Jagd nach "Belohnungen" zu machen, ist also der Mühe nicht wert
und echte Freunde in der digitalen Scheinwelt zu finden, erscheint mir illusorisch.
Daher staune ich immer wieder, wie viel Zeit Menschen dafür aufbringen,
sich gegenseitig zu beweihräuchern. 
 
~*~
 
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Kommentare:

  1. Hallo Laura,
    die Menschen überschätzen sich im allgemeinen sehr, die rosarote Brille ist
    die Regel. In vielen Blogs, HPs und Internetforen bzw. soziale Netzwerke ist die gegenseitige Selbstbeweihräucherung die Regel. Kritische Stimmen waren noch nie gefragt, früher nicht und heute nicht.
    Selber habe ich schon oft in "Wespennester" gestochen und dementsprechende Anfeindungen erfahren. Die Wahrheit verträgt der Durchschnittsmensch eh nicht so gut. Auch Psychologen und Therapeuten können ein Lied davon singen.
    Aus all diesen Gründen bin ich auch nicht mehr in Foren aktiv. Früher war ich im Klartextforum der SPD, bei Attac in den Medizinforen und Sozialforen aktiv, aber dort wie fast überall überwiegen die unbelehrbaren Betonköpfe.
    Auch deswegen bin ich nicht bei Facebook, Twitter und Co. zugange. Davon abgesehen sehe ich nicht ein die Geheimdienstkraken auch noch zusätzlich mit Informationen zu füttern.
    Das SPD-Forum wurde dann dicht gemacht, weil man abweichende Meinungen und Kritik an der Schröder-Regierung nicht dulden wollte.

    Wünsche dir naßfreie Gartentage. Bei uns ist die Sonne wieder abgewandert, schwülwarm und es ist gewittrig. Bäh!
    VG
    Oskar

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  2. Hallo, lieber Oskar,
    freu' mich über deinen Besuch und sage danke für deine Zeilen.
    Mir scheint, die Menschen wollen Vieles einfach nicht wahrhaben. Es stimmt, wenn Menschen etwas nicht ertragen können, dann ist es die Wahrheit - sie fühlen sich durchschaut und das ärgert sie deshalb, weil - genau wie du sagst, - sie sich selbst tatsächlich überschätzen. Eigentlich tun mir solche Menschen leid, denn sie sind schon deshalb zu bedauern, weil sie sich auf diese Weise nicht weiter entwickeln können. Aber was will machen ? So lange kein Einsehen besteht, wird sich wohl auch kaum jemand ändern. Wespennester sollten man wohl besser meiden ;o) ! Muss man sich nicht antun - man lernt eben dazu.
    Facebook, Twitter und Co, ist nichts für mich - war es nie gewesen. Dafür ist mir meine Zeit wirklich viel zu kostbar, um sie so zu vergeuden.
    Leider regnet es nach zwei sonnigen Tagen jetzt wieder - aber es gab Sonne, das ist doch schon was !
    Hast du schon vom Polsprung gehört ? Die Erde scheint zu kippen !? Dafür muss ich mich mal interessieren.
    Hab noch einen angenehmen und entspannten Abend und lass es dir gut gehen !
    Liebe Grüße von
    Laura, die hofft, dann nicht auf dem Kopf zu stehen ;o)

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  3. Hallo Laura,
    nun komme ich dazu dir zu antworten. Vergessen tue ich so etwas ja nicht.
    Nun zum Polsprung bzw. Verschiebung des Erdmagnetfeldes usw. Das ist mir schon lange bekannt. Als ein zeitweiliger Seemann in jungen Jahren, mußte ich auf dem Schiff oft genug Meßabgleiche mit dem Kompaß / Peilkompaß durchführen, wegen der Mißweisung bzw. Abweichung. Da ich aber nicht alles 100 % verfolgen kann habe ich in letzter Zeit dies weniger verfolgt. Soll ja noch eine Weile hin sein - zum Polsprung.
    In diesem Zusammenhang fällt mir das Theater um die Jahrhundertwende 2000 auf 2001 ein, als gewisse Kreise das Wassermann-Zeitalter beschworen haben. Danach sollte die menschliche Intelligenz drastisch zunehmen. Ein Erkenntnisgewinn eintreten usw. Da dachte ich bei mir, so ein Quatsch, blöder wird die Menschheit von Jahr zu Jahr und auch der Einzelne. Umfangreiche Untersuchungen bringen es an den Tag, der I-Quotient nimmt ab.
    Soviel zu diesem Thema.
    VG
    Oskar

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  4. Nur kein Stress, lieber Oskar, wann immer es deine Zeit erlaubt. Ich freu mich ja schon sehr, dass du dir überhaupt die Zeit nimmst, mein Geschreibsel zu lesen und dann auch noch zu kommentieren.
    Ja, ich verstehe dich, es gibt so vieles, was auch ich gerne noch wissen würde, aber dazu reicht eben oft die Zeit tatsächlich nicht.

    Ich würde auch zu gerne wissen, warum der der IQ der Menschheit immer weiter abnimmt, denn eigentlich müsste niemand dumm bleiben. Vielleicht wird die Fantasie der Kinder nicht mehr genug gefördert. Kinder entdecken heute die Welt nicht mehr auf die Art und Weise, wie wir das in unserer Kindheit noch konnten. Unsere Fantasie wurde dadurch noch angeregt. Heutzutage werden viele Kinder nur noch "ruhig gestellt", weil oft beide Elternteile arbeiten und sich aus Zeitmangel nicht genug um die Kinder kümmern können. Wissen kann man sich aneignen. Intelligenz nicht. Heute werden Kinder nicht mehr gefördert, sondern überfordert und das muss Auswirkungen auf deren späteres Leben haben.

    Auch unser schöner Planet wird immer mehr unter der Menschheit und deren mangelndem IQ leiden - ob nun mit oder ohne Polsprung. Das werden wir wohl nicht mehr erleben. Wir hatten bisher jedenfalls das große Glück in einer relativ angenehmen Zeit leben zu dürfen, wenn nicht in einer der besten Zeit aller Zeiten.
    Liebe Grüße zu dir von
    Laura, die den Gedankenaustausch mit dir schätzt :o), denn das ist in den meisten Blogs nicht möglich und somit für mich reine Zeitverschwendung.

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Danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit für ein paar nette Worte nimmst.

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