Sonntag, 16. September 2012

Die Sonntage

 Wie sich die Sonntagvormittage im Laufe meines Lebens doch verändert haben !


Heute verbringe ich die Sonntagvormittage meist in der Küche, nachdem ich einen kurzen
Rundgang durch den Garten unternommen habe. Ich backe einen Kuchen und bereite die
Mahlzeiten für die Hunde vor. Dabei höre ich WDR2 - hauptsächlich zur musikalischen
Untermahlung, während ich mit Mehl, Eiern und Zucker jongliere.

Als Kind waren die Sonntage für mich etwas ganz besonderes, da es der einzige Tag in der
Woche war, an dem alle, d.h. meine Eltern, mein Bruder und ich zum Frühstück gemeinsam
am Tisch saßen.
Da wir in der Nähe einer Kirche wohnten, wurde dieses gemeinsame Sonntagsfrühstück
schweigend, jedoch mit unüberhörbarem Glockengeläut eingenommen.
Das war irgendwie immer so feierlich.
(Manchmal fehlt mir heute ein Glockengeläut am Sonntag - keine Ahnung warum).

Später, als ich in Berlin lebte und noch unverheiratet war, dienten die Sonntage meist nach
einer samstäglichen Partytime, zum Ausschlafen.

Während meiner ersten Ehe bestand der Sonntagvormittag zwar aus einem
gemeinsamen Frühstück, bei dem es jedoch - je länger wir verheiratet waren -,
kaum noch Gesprächsstoff gab, weil wir im Laufe der Jahre festgestellt haben,
dass sich unsere Interessen zunehmend in unterschiedliche Richtungen entwickelten.
Das "Aus" dieser Ehe war also schon vorprogrammiert.

Die schönsten Sonntagvormittage erlebte ich auf der Insel, auf der ich jeden Morgen
auch von der Sonne wachgeküsst wurde. WAS für ein Morgen, wenn man aufwacht,
hinaus auf die Terrasse geht und von einem Ausblick überwältigt wird, der einem den
Atem raubt! Himmel und Meer so weit das Augen reicht. Warme Luft, ein leichter Wind
und Sonnenschein. Natur pur und das nicht nur sonntags.
Man möchte vor lauter Glück und Zufriedenheit die Arme ausbreiten und die
ganze Welt umarmen.
Wieder zurück im Vaterland und berufstätig waren m i r  "meine Sonntage" heilig.
Ich genoß es, so lange im Bett verweilen zu können, wie ich wollte. Niemand da, der
mich "störte". Ich konnte frühstücken wann ich wollte, klassischer Musik lauschen,
so lange ich wollte und mich im Badezimmer aufhalten,  so lange wie es mir beliebte.
Ich fühlte mich richtig frei, weil ich auch nach Hause kommen konnte, wann ich
wollte.
Kurzum - ich genoß es während der vielen Jahre meiner Berufstätigkeit,
zum ersten Mal für mich selbst verantwortlich zu sein, mein eigenes Leben leben
zu können, tun und lassen zu können, was ich wollte.
Es ist ein herrliches Gefühl, vor allem dann, wenn man gute Freunde hat und sich
dadurch nicht so ganz alleine fühlt.

Das musste ich allerdings auch erst lernen, denn es war anfangs keineswegs einfach,
nach all den Jahren der Zweisamkeit plötzlich auf sich alleine gestellt zu sein.
Noch dazu, wenn man aus einem fernen Land zurückkommt und außer zwei Koffern
nichts besitzt; also noch einmal von ganz vorne anfangen muss.
Mit den Jahren jedoch, habe ich es mehr und mehr genoßen.
Dennoch, wie alles im Leben hatte auch das "Alleineleben" Vor- und Nachteile.

"Hatte"  deshalb, weil ich seit nunmehr acht Jahren nicht mehr alleine lebe
und mir mit einem guten Freund und den beiden Knuddels, ein Haus teile.
Aber auch das war anfangs wieder eine Umstellung und sehr gewöhnungsbedürftig.

Es ist halt nie perfekt im Leben un alles hat seinen Preis.
Wichtig ist eigentlich nur, dass man mit dem Leben so WIE es ist,
auf irgendeine Art und Weise zufrieden ist und dem 'Wesentlichen'
mehr Bedeutung schenkt.

Außerdem müssen wir das Leben eh' so nehmen, wie es für uns bestimmt ist.

Habt einen schönen Sonntag

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Spruch für den Tag:
Ich fühle, dass Kleinigkeiten das LEBEN ausmachen.
Charles Dickens
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Kommentare:

  1. Oh ja liebe Laura, das hat Du wunderbar beschrieben und irgendwie finde ich mich darin auch wieder.
    Ich habe wohl mein Wohnung in Deutschland nicht aufgegeben.
    Meine damalige Vermieterin hat sich drum gekümmert und alles versorgt. So hatte ich als ich von Egypt zurück war noch ein zu Hause.
    Viele viele Jahre habe ich danach mit meinen Kindern alleine gelebt und jede Entscheidung allein getroffen.
    Es war nicht einfach, weder für mich, noch für meinen Mann sich auf die Beziehung einzulassen , es hat ganz schön lange dedauert, bis ich den Mut hatte wieder ja zu sagen.
    So ist das Leben liebe Laura, ich möchte nichts davon missen.

    Ich wünsche Dir einen herlichen Sonntag, geniesse den tag, denn die Sonne lacht vom Himmel.
    Liebe Grüße
    Angelika

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  2. Ich bereue auch keinen Tag und würde alles noch einmal ganz genau so machen. Man kann aus allem, was einem im Leben passiert so viel lernen. Und egal, wie schwierig es auch manchmal ist, es geht immer irgendwie weiter. Jeder hat mal Glück und jeder hat mal Pech im Leben - es kommt immer darauf an, was man daraus macht - oder?
    Wenn ich dagegen an meine Eltern denke, die einen Krieg erleben musste, haben wir bisher wirklich großes Glück gehabt.
    Hab einen gemütlichen Abend und sei lieb gegrüßt
    Laura

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Danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit für ein paar nette Worte nimmst.

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